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Beratung zu: Behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung

Ein Rollstuhlfahrer rollt eine Rampe neben einer Treppe hoch

Barrierefrei, behinderungsgerecht? Fachleute helfen weiter

Bei Fragen rund um behinderungsgerechte und barrierefreie Gestaltung von Arbeitsplatz, Arbeitsumgebung, Einsatz technischer Arbeitshilfen und Hilfsmittel beraten betriebliche Interessensvertretungen, das Integrationsteam und externe Unterstützer:

betriebliche Interessensvertretung und Integrationsteam

Abhängig von Größe und Ausrichtung des Betriebes sind betriebliche Interessensvertretungen vorhanden. Diese können, je nach Einsatz und Erfahrungswissen, zur behinderungsgerechten Arbeitgestaltung beraten.

Schwerbehindertenvertretung:

In Betrieben, in denen nicht nur vorübergehend fünf oder mehr schwerbehinderte Mitarbeiter beschäftigt sind, wählen die schwerbehinderten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen alle vier Jahre eine Vertrauensperson und mindestens einen Stellvertreter bzw. eine Stellvertreterin. Zusammen bilden sie die Schwerbehindertenvertretung.

Als Hauptaufgabe wacht die Schwerbehindertenvertretung darüber, dass alle Gesetze, Verordnungen, Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen zugunsten von schwerbehinderten Menschen durchgeführt und beachtet werden.

Arbeitgeberbeauftragte*:

Nach § 98 SGB IX muss jeder Betrieb eine(n) oder mehrere Arbeitgeberbeauftragte bestellen, sobald  schwerbehinderte oder gleichgestellte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen beschäftigt sind. Dies gilt auch, wenn bereits eine Schwerbehindertenvertretung im Unternehmen existiert.

Nach Möglichkeit sollen die Arbeitgeberbeauftragten selber schwerbehindert sein oder sich mit den Belangen schwerbehinderter Menschen auskennen. Rechtliche Folgen bei Nichtbestellung einer / eines Beauftragten bestehen für das Unternehmen jedoch nicht. 

Die Beauftragten vertreten die Arbeitgeber in allen Angelegenheiten, die schwerbehinderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen betreffen. Im Falle eines Interessenkonfliktes sollen sie die Interessen der schwerbehinderten Beschäftigten gegen die des Betriebs abwägen und die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen entsprechend beraten.

*neue Benennung ab 1.1.2018: Inklusionsbeauftragte/r

Betriebs- und Personalrat:

Der Betriebsrat ist das gesetzliche Organ zur innerbetrieblichen Interessenvertretung der Belegschaft. Er hat Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte in sozialen, personellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten des Betriebes und kann mit dem Arbeitgeber / der Arbeitgeberin Abmachungen treffen, sogenannte Betriebsvereinbarungen.

Der Betriebsrat wird alle vier Jahre von der Belegschaft gewählt, wenn mehr als fünf Arbeitnehmer / Arbeitnehmerinnen im Betrieb beschäftigt sind. Die Rechtsgrundlage für die Einrichtung eines Betriebsrats findet sich im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG).

Eine der wichtigsten Aufgaben des Betriebsrats ist es, darüber zu wachen, dass die Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen zugunsten der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eingehalten werden. Der Betriebsrat vertritt die Interessen der Beschäftigten gegenüber dem Arbeitgeber und leitet Anregungen aus der Belegschaft weiter. Zu den Aufgaben des Betriebsrats gehört auch die Förderung der Teilhabe schwerbehinderter Menschen.

Im öffentlichen Dienst erfüllen die Personalräte vergleichbare Aufgaben.

Integrationsteam

Gemeinsam können die betrieblichen Interessenvertretungen ein Integrationsteam bilden. Das Integrationsteam sorgt dafür, dass schwerbehinderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Betrieb oder in der Dienststelle ihre Kenntnisse und Fähigkeiten optimal entfalten können. Das Integrationsteam kann sich bei Bedarf von weiteren Helfern unterstützen lassen, zum Beispiel von Betriebsärzten und -ärztinnen, Fachkräften für Arbeitssicherheit und Disability Managern. Es kann sich auch zusätzliche Hilfe von außen holen, zum Beispiel vom Integrationsamt, der Agentur für Arbeit oder der Rentenversicherung. 

Disability Manager:
Disability Manager sind dazu ausgebildet, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu helfen, nach längerer Krankheit oder einem Unfall möglichst früh wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Um die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zu unterstützen, nehmen sie Kontakt mit Versicherungsträgern, Ärzten sowie Vorgesetzten und Betriebsräten auf. Darüber hinaus kümmern sie sich auch um mögliche Fördermittel. Disability Manager können Angehörige des Unternehmens sein oder als externe Berater angefordert werden.

Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Arbeits- und Betriebsmediziner

Jeder Betrieb ist nach dem Arbeitssicherheitsgesetz verpflichtet, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte zu bestellen. Diese sollen ihn bei der Arbeitssicherheit, dem Arbeitsschutz und bei der Unfallverhütung unterstützen. Je nach Einsatz und Erfahrungswissen können sie hinsichtlich behinderungsgerechter Arbeitsgestaltung beraten.

Fachkraft für Arbeitssicherheit (FASi)

Als Fachkraft für Arbeitssicherheit dürfen nur Personen bestellt werden, die die notwendige sicherheitstechnische Fachkunde besitzen. In Frage kommen Sicherheitsingenieure und -ingenieurinnen, Sicherheitstechniker und -technikerinnen oder Sicherheitsmeister und -meisterinnen.
Fachkräfte für Arbeitssicherheit können im Betrieb angestellt sein; es können aber auch freiberuflich tätige Fachkräfte für Arbeitssicherheit bestellt werden. Alternativ können Unternehmen auch einen überbetrieblichen sicherheitstechnischen Dienst verpflichten.

Arbeits- und Betriebsmediziner

Ärztinnen und Ärzte der Fachrichtungen Arbeitsmedizin und Betriebsmedizin beraten Betriebe und Arbeitnehmer zur

  • betrieblichen Gesundheitsförderung
  • der Prävention
  • Rehabilitation

Je nach Größe des Betriebs können Arbeits- und Betriebsmediziner Angestellte des Betriebs sein, oder als externe Experten und überbetriebliche Dienste (Arbeitsmedizinischer Dienst) beauftragt werden.

Zu den Aufgaben der Arbeits- und Betriebsmediziner gehören zum Beispiel:

  • die Beratung zur menschengerechten und ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsabläufen
  • das Aufdecken von Ursachen für arbeitsbedingte Gesundheitsgefährdungen, arbeitsbedingte Erkrankungen, Berufskrankheiten, Arbeitsunfälle und das Ableiten präventiver Maßnahmen
  • die Integration chronisch Kranker und behinderter Personen in den Arbeitsprozess
  • die Mitwirkung an der Förderung, dem Erhalt und der Wiederherstellung der individuellen Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit

Sicherheitsbeauftragte (auch Arbeitssicherheits- und Arbeitsschutzbeauftragte genannt):

In Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten müssen Sicherheitsbeauftragte bestellt werden, die alle Kollegen und betrieblichen Akteure, einschließlich der Fachkräfte für Arbeitssicherheit und der Betriebsmediziner, unterstützen sollen, Unfälle, berufsbedingte Krankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu vermeiden. Sicherheitsbeauftragte sind Beschäftigte des Unternehmens.

Zu ihren Aufgaben gehört auch, zu beobachten, ob die vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen und -ausrüstungen vorhanden sind.

Technischer Beratungsdienst der Arbeitsagentur

Der Technische Beratungsdienst (TBD) der Arbeitsagentur berät und unterstützt Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen in allen Fragen rund um die Einrichtung und Ausstattung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen.

Die beratenden Ingenieure und Ingenieurinnen kennen die neuesten Entwicklungen der technischen Arbeitshilfen für behinderte Menschen. Sie besuchen die Betriebe vor Ort, machen Arbeitsplatzbesichtigungen und entwickeln Lösungsvorschläge in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten (Arbeitgeber/in, Arbeitnehmer/in, ggf. auch Betriebsarzt/ärztin, Integrationsteam).

Alle Arbeitsagenturen werden durch einen Technischen Beratungsdienst betreut.

Technischer Beratungsdienst der Integrationsämter

Der Technische Beratungsdienst der Integrationsämter berät und unterstützt Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen in allen Fragen rund um behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung.

Neben der Beratung zur Anpassung des Arbeitsplatzes, des Arbeitsumfeldes und der Arbeitsorganisation informiert er zu finanziellen Fördermöglichkeiten. Dabei werden auch die wirtschaftlichen Aspekte und die Chancen aufgezeigt, die für den Betrieb mit einer technischen Anpassung verbunden sind.

Die Beratungen sind kostenlos und werden in der Regel am Arbeitsplatz durchgeführt. Falls erforderlich, bindet der Technische Beratungsdienst weitere kompetente Akteure ein.

Integrationsfachdienste

Integrationsfachdienste (IFD) unterstützen behinderte Menschen bei der beruflichen Integration in das Arbeitsleben und der Sicherung ihres Arbeitsplatzes. Sie sind auch Ansprechpartner für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Schwerbehindertenvertrauensleute, Personal- und Betriebsräte.

Durch unterschiedliche Strukturen in den Bundesländern unterscheiden sich die IFD in ihren Arbeitsfeldern, ihren Zuständigkeiten und den Rahmenbedingungen sehr. Manche IFD werden ausschließlich für schwerbehinderte Menschen aktiv.

Angebote der IFD sind zum Beispiel:

  • individuelle Beratung zu Fragen von Krankheit und Behinderung und deren Auswirkungen am Arbeitsplatz
  • Klärung von Fördermöglichkeiten und Zuschüssen
  • Beratung sowie Unterstützung bei Leistungsproblemen und Konflikten
  • Beratung zur behinderungsgerechten Ausstattung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen
  • Entwicklung von Strategien zur Konfliktbewältigung im Arbeitsbereich

Integrationsfachdienste für Menschen mit Hörbehinderung und Sehbehinderung:

Einige Integrationsfachdienste sind spezialisiert auf die Vermittlung und Berufsbegleitung von Menschen mit Sehbehinderung oder Menschen mit Hörbehinderung. Die Ansprechpartner sind entsprechend ausgebildet und beherrschen z. B. Gebärdensprache.

Sie beraten Betriebe und Belegschaften zu technischen Hilfsmitteln für sinnesbehinderte Kolleginnen und Kollegen und geben Tipps zur Ausstattung und Optimierung des Arbeitsplatzes.

Integrationsfachdienste handeln im Auftrag der Integrationsämter, Agenturen für Arbeit oder Rehabilitationsträger. Sie können von Betrieben aber direkt kontaktiert werden.

Inklusionsberatung der Kammern

Einige Kammern bieten für die Betriebe ihres Kammerbezirks eine spezielle Beratung an, in der über die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen der Beschäftigung und Inklusion behinderter Menschen informiert wird. Die Beratungen sind zum Teil Dauerangebote der jeweiligen Kammer, zum Teil werden sie zeitlich befristet im Rahmen von Projekten angeboten.

Zu den Angeboten für die Unternehmen können gehören:

  • Information zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen
  • Information zur Ausbildung schwerbehinderter Menschen
  • Information über Fördermöglichkeiten bei Neueinstellungen bzw. bestehenden Arbeitsverhältnissen sowie über Kündigungsregelungen
  • Hilfe bei der Suche geeigneter Bewerberinnen und Bewerber
  • Hilfe bei Beantragung der Förderung
  • Hilfe bei der Kontaktaufnahme zu den Fördermittelgebern

Hinsichtlich behinderungsgerechter Arbeitsgestaltung informieren die Kammerberaterinnen und -berater zum Teil selber, zum Teil stellen sie Kontakte her zu entsprechenden Beratungsstellen bei den Arbeitsagenturen, Integrationsämtern und Integrationsfachdiensten.

Rehaberatung der Renten- und Unfallversicherung

Wenn die Erwerbsfähigkeit wegen einer Erkrankung oder Behinderung erheblich gefährdet oder gemindert ist, können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Leistungen zur medizinischen und beruflichen Teilhabe von ihrem jeweils zuständigen Rehabilitationsträger erhalten. Dies sind zumeist die Träger der Rentenversicherung und der Unfallversicherung.

Reha-Beratung und Reha-Management = Unterstützung im Krankheitsfall und bei der Wiedereingliederung in den Beruf

Rehabilitationsberater und -beraterinnen der Renten- und der Unfallversicherung helfen insbesondere den Versicherten, die nicht mehr ohne Probleme an ihren bisherigen Arbeitsplatz zurückkehren können.

Sie erarbeiten geeignete Wiedereingliederungsmaßnahmen einschließlich Maßnahmen zur behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung, begleiten und überwachen das Verfahren bis zur beruflichen Wiedereingliederung. Sie koordinieren die Zusammenarbeit mit allen am Verfahren Beteiligten und bei Bedarf mit anderen Rehabilitationsträgern.

Wenn die Versicherten damit einverstanden sind, kann die Arbeitgebervertretung in die Gespräche einbezogen werden.

 

Firmenservice der Rentenversicherung zum Thema "Gesunde Mitarbeiter"

Personalverantwortliche, Personal- und Betriebsräte, Werks- und Betriebsärzte und -ärztinnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des betrieblichen Gesundheitsmanagements erhalten unter der bundesweiten Telefonnummer 0800 1000 453 Beratung und Information zu den Themen

  • Präventionsmaßnahmen
  • Rehabilitation
  • berufsfördernde Maßnahmen
  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
  • Kontakte zu anderen Sozialleistungsträgern für das BGM
  • Unterstützung und Beratung beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement - BEM

Vorträge und Informationsveranstaltungen der Rentenversicherung

Die Reha-Beraterinnen und Reha-Berater der Deutschen Rentenversicherung Bund bieten bundesweit flexibel und am Bedarf orientiert Vorträge und Informationsveranstaltungen zum Thema Rehabilitation und berufliche Wiedereingliederung an.

Hilfsmittelberatungsstellen

Hilfsmittelberatungsstellen beraten Betroffene und ihre Angehörigen zum Einsatz von Hilfsmitteln im Alltag und, zum Teil, zum Einsatz am Arbeitsplatz. Die Beratungsstellen sind überwiegend spezialisiert auf Kommunikationshilfen und Hilfsmittel für Menschen mit Hörbehinderung und Sehbehinderung. Mit Einverständnis aller Beteiligten beraten manche Stellen auch gemeinsam mit den Unternehmen und den betroffenen Mitarbeitern am Arbeitsplatz.

Seminar- und Bildungsanbieter

Verschiedene Anbieter informieren in Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen zur behinderungsgerechten Arbeitsplatz- und Arbeitsgestaltung. Die Veranstaltungen richten sich u. a. an Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, Personalverantwortliche und betriebliche Interessenvertretungen.

Zu den Veranstaltern gehören auch die Integrationsämter.

Kontakte direkt herstellen:

Autorin / Autor: (kn) 2017