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Ausgleich von Nachteilen im Rahmen der Ausbildung

Auch junge Menschen können von diversen Krankheiten oder Behinderungen betroffen sein. Im Rahmen einer regulär betrieblichen Ausbildung resultieren daraus nicht selten individuelle Einschränkungen und Nachteile, insbesondere bei Abschlussarbeiten.

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können einen finanziellen Ausgleich für die Leistungseinschränkung (Minderleistung) beantragen. Bestimmte Maßnahmen können helfen Nachteile, durch behinderungsbedingte Einschränkungen oder Ausfälle, auszugleichen.

Zu den Maßnahmen gehören etwa die:

In besonderen Fällen kann die zuständige Kammer auf Antrag der oder des Auszubildenden die Ausbildungszeit verlängern. Dies ist mitunter der Fall, wenn die behinderungsbedingte Verlängerung zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist (vgl. § 8 Abs. 2 BBiG / § 27c Abs. 2 HwO).

Auszubildende mit Behinderungen können zur Abschlussprüfung zugelassen werden, auch wenn:

  • nicht an der Zwischenprüfung teilgenommen,
  • kein schriftlicher Ausbildungsnachweis verfasst oder
  • das Berufsausbildungsverhältnis nicht in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse beziehungsweise in die Lehrlingsrolle eingetragen wurde (vgl. § 65 Abs. 2 BBiG und § 42q Abs. 2 HwO)

Bestimmte Prüfungsmodifikationen versuchen gleichwertige Bedingungen bei der Prüfung zu schaffen, ohne dabei die Prüfungsanforderungen qualitativ zu verändern.

Folgende Prüfungsmodifikationen sind möglich:

  • besondere Organisation der Prüfung, z.B. das Schaffen einer vertrauten Umgebung am Ausbildungsplatz oder Einzel- statt Gruppenprüfung)
  • besondere Gestaltung der Prüfung, z.B. Zeitverlängerung, Abwandlung der Prüfungsaufgaben oder zusätzliche Erläuterung der Aufgaben
  • Zulassung spezieller Hilfsmittel, z.B. größere Schriftbilder, technische Hilfsmittel oder Gebärdensprachdolmetscher.

Inanspruchnahme von Nachteilsausgleichen

Der erste Ansprechpartner ist die zuständige Kammer. Dort ist das Antragsformular abrufbar. Darüber hinaus werden folgende Dokumente benötigt:

  • Einen Nachweis über die Behinderung z.B. Kopie des Schwerbehindertenausweises oder ärztliches Attest über die Einschränkung
  • Eine oder mehrere Stellungnahmen des Ausbildungsbetriebs oder Bildungsträgers, sowie der Berufsschule
  • Eine ärztliche Bescheinigung und psychologisches Gutachten mit behinderungsbedingten Einschränkungen und Möglichkeiten zur Kompensation mit Bezug auf die Prüfung.

Die Stellungnahmen erfüllen den Zweck, die ärztliche Bescheinigungen zu ergänzen.
Es ist zu empfehlen den Antrag frühzeitig bei der zuständigen Kammer zu stellen.

Schon gewusst? Der Nachteilsausgleich kann neben Ausbildungsprüfungen, auch für Fortbildungsprüfungen beantragt werden.

Nach Einreichen der Unterlagen werden diese von der Kammer geprüft und eine Genehmigung, Veränderung oder Ablehnung rückgemeldet. Sofern eine Genehmigung erteilt wurde ist es wichtig, diese zur Prüfung mitzubringen.

Tipp für den Arbeitgeber

Zur Unterstützung der Ausbildungsbetriebe und Azubis stehen verschiedene Fördermittel zur Verfügung, die unter anderem helfen sollen Nachteile auszugleichen und somit eine erfolgreiche Ausbildung zu ermöglichen.