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Gute Gründe einzustellen – gute Gründe auszubilden

Fachkräftemangel ist gerade eines der größten Probleme der Unternehmen. Mit mehr als anderthalb Millionen offener Stellen hat Deutschland einen Rekordwert seit der Wende erreicht. Daher fürchten gerade kleinere Unternehmen, ihre Angebote reduzieren zu müssen oder Aufträge zu verlieren, weil ihnen das Personal fehlt.

Bisher stellen manche Unternehmen nur wegen der gesetzlichen Verpflichtung Menschen mit Schwerbehinderungen ein. Denn Unternehmen, die nach § 154 Abs. 1 SGB IX im Jahresdurchschnitt über monatlich mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, müssen auf mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze Menschen mit einer Schwerbehinderung oder ihnen gleichgestellte Menschen beschäftigen. Was viele Unternehmen noch nicht wissen, Auszubildende werden bei dieser Fünf-Prozent-Regelung doppelt gezählt.

Beispiel:

Ein Unternehmen mit 100 Arbeitsplätzen muss entweder fünf Menschen mit einer Schwerbehinderung sozialversicherungspflichtig beschäftigen oder nur einen beschäftigen und zwei ausbilden. Denn diese zwei Auszubildenden mit einer Schwerbehinderung zählen für vier Personen.

Wer der gesetzlichen Verpflichtung nicht oder nur unzureichend nachkommt, muss eine sogenannte Ausgleichsabgabe zahlen. Die liegt aktuell zwischen 140 und 360 Euro pro Monat und pro unbesetzten Arbeitsplatz. Wenn also ein Unternehmen mit 100 Arbeitsplätzen niemanden mit einer Schwerbehinderung beschäftigt oder ausbildet, muss er 5 x 360 Euro x 12 Monate bezahlen, also 21.600 Euro pro Jahr.

Mit dem REHADAT-Ersparnisrechner kann sich jedes Unternehmen ausrechnen, wie hoch seine Ausgleichsabgabe sein wird und wie viel es sparen könnte, wenn es Personen mit einer Schwerbehinderung einstellt oder ausbildet.

Die Bundesagentur für Arbeit erstellt Statistiken über die Qualifikationsprofile der Menschen ohne und mit Behinderungen, die eine Arbeitsstelle suchen. Dabei stellte sich zuletzt heraus, dass die Menschen mit Behinderungen im Durchschnitt besser qualifiziert sind als diejenigen ohne Behinderungen: Im Jahresdurchschnitt 2021 hatten 55 Prozent der Arbeitslosen mit einer Schwerbehinderung einen Berufs- oder Hochschulabschluss – bei den Arbeitslosen ohne eine Schwerbehinderung waren es nur 45 Prozent.

Die Fachkräftesituation wird in den nächsten Jahren eher schwieriger als leichter werden. Daher ist es heute schon ratsam, verstärkt in die Ausbildung junger Leute zu investieren und sich so seinen eigenen Nachwuchs zu schaffen. Denn der allgemeine Arbeitsmarkt gibt zu wenig her.

Drei gute Gründe sprechen dafür, gerade auch Menschen mit einer Schwerbehinderung auszubilden:

  1. Gute Fachkräfte gewinnen und sich so den eigenen Nachwuchs schaffen
  2. Es gibt finanzielle, organisatorische und personelle Unterstützung für die Ausbildung
  3. Bei der Ausgleichsabgabe doppelt punkten, denn die Auszubildenden zählen doppelt

Aktion Mensch hat einen Leitfaden für Unternehmerinnen und Unternehmer entwickeln lassen, in denen 10 Gründe genannt werden, um Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen:

  1. Gute Fachkräfte gewinnen
  2. Mit Behinderung geht mehr als man denkt
  3. Mythos Unkündbarkeit
  4. Finanzielle Vorteile durch vielfältige Förderung
  5. Gutes Image fürs Unternehmen
  6. Hohe Mitarbeiterinnen- bzw. Mitarbeiterbindung
  7. Umfangreiche Beratungsangebote
  8. Mehr Vielfalt im Unternehmen
  9. Barrierefreiheit ist gut für alle Beschäftigten
  10. Teamplayer und Organisationstalente