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Praktikum

Junger Mann macht ein Praktikum in der Metallverarbeitung

Viele Betriebe und Unternehmen haben Bedenken, einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag mit einem behinderten Menschen abzuschließen. Ein vorgeschaltetes Praktikum kann Klarheit darüber bringen, ob die behinderte Person ihre Arbeit bewältigen kann und ob sie in das Team passt.

Praktika sind in jedem Fall eine Win-Win-Situation:

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben die Chance, unverbindlich eine mögliche Nachwuchskraft oder eine Fachkraft kennen zu lernen. Die Praktikantinnen und Praktikanten haben die Möglichkeit, das Arbeitsleben aus erster Hand mitzuerleben und sich einzubringen. Oft genug ist das Praktikum für sie ein Sprungbrett für die berufliche Karriereleiter: Aus einem Schülerpraktikum kann sich eine Ausbildungsstelle ergeben. Und ein Praktika während des Studiums kann zu einem festen Anstellungsverhältnis führen.

Praktikumsarten

Es gibt die verschiedensten Arten von Praktika. Welche Rechtsvorschriften anzuwenden sind, hängt davon ab, welches Ziel mit dem Praktikum verfolgt wird. Handelt es sich um ein Schüler-Betriebspraktikum, ein studentisches Pflichtpraktikum oder um ein Praktikum nach dem Berufsbildungsgesetz?

Schüler/innen-Betriebspraktikum

In den letzten Klassen der allgemeinbildenden Schule (Haupt-, Förderschule etc.) müssen die Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Vorbereitung auf die Berufswahl häufig ein Praktikum absolvieren. Das schulische Betriebspraktikum wird durch die Bundesländer unterschiedlich geregelt. Es können mehrtägige oder mehrwöchige Praktika sein, die während der Schulzeit oder während der Ferien geleistet werden müssen.
Betriebspraktika gehören zum berufsorientierten Unterricht und werden intensiv durch die Lehrerinnen und Lehrer vorbereitet. Die Praktika werden oft auch in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit organisiert.
Auf den Internetseiten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages erfahren Sie, was bei einem Schüler/innen-Betriebspraktikum zu beachten ist.

Studentische Pflichtpraktika

Studierende müssen im Rahmen ihres Studiums häufig Pflichtpraktika absolvieren. Die Praktika sind in den Studien- oder Prüfungssordnungen vorgeschrieben.
Bei den Betriebspraktika für Schülerinnen und Schüler sowie bei den Studentischen Pflichtpraktika finden Arbeitsrecht und Berufsbildungsgesetz (BBiG) keine Anwendung. Eine Vergütungspflicht besteht nicht.

Praktika nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG)

Bei Praktika, deren Zweck der Erwerb beruflicher Kenntnisse, Fertigkeiten oder Erfahrungen ist, findet das Berufsbildungsgesetz (BBiG) Anwendung.
Bei Praktikantenverhältnissen im Handwerk gilt außerdem die Handwerksordnung (HwO). Aufgrund der Geltung des BBiG haben die Praktikantinnen und Praktikanten einen Anspruch auf die Zahlung einer angemessenen Vergütung.

Betriebspraktika während berufsfördernder Maßnahmen

Menschen mit Behinderung kommen häufig durch ein Betriebspraktikum zum Einstieg in das Berufsleben. Insbesondere bei Betriebspraktika während berufsfördernder Maßnahmen erhalten Betriebe und Unternehmen Förderung, umfassende Beratung und unterstützende Hilfen. 

Hierzu zählen:

Praktika während berufsvorbereitender Bildungsmaßnahmen (BvB)

Zur Förderung der Berufswahlentscheidung können behinderte Schulabgänger und -abgängerinnen berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) in Anspruch nehmen, die von der Bundesagentur für Arbeit angeboten werden.

Neben schulischen und fachpraktischen Bildungseinheiten sind bei den BvB auch Betriebspraktika vorgesehen. Der Umfang der betrieblichen Praktika kann auf den individuellen Förderbedarf abgestimmt werden.

Im Lexikon finden Sie ausführlichere Infos zu den berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen.

Praktika von Beschäftigten einer Werkstatt für behinderte Menschen

Die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) ist eine überbetriebliche Einrichtung zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben.

Der Übergang von Beschäftigten aus der WfbM auf den allgemeinen Arbeitsmarkt kann unter anderem durch Betriebspraktika oder durch eine zeitweise Beschäftigung auf ausgelagerten Arbeitsplätzen (Außenarbeitsplätze, betriebsintegrierte Arbeitsplätze) gefördert werden.

Bei Praktika von Menschen mit Handicap aus einer WfbM fallen für Betriebe und Unternehmen in der Regel keine Kosten an. Während des Praktikums bleibt die behinderte Mitarbeiterin beziehungsweise der behinderte Mitarbeiter bei der WfbM beschäftigt. Sollten für den Betrieb während des Praktikums außergewöhnliche Belastungen entstehen, so können diese auf Antrag erstattet werden.

Betriebe und Unternehmen können auch Außenarbeitsplätze oder betriebsintegrierte Arbeitsplätze für WfbM-Beschäftigte einrichten. Die WfbM-Beschäftigten bleiben bei der WfbM beschäftigt, arbeiten aber auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Die WfbM verfügen sehr häufig über Jobcoaches, die die Betreuung der behinderten WfbM-Beschäftigten während der Einarbeitung übernehmen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können die Jobcoaches bei aufkommenden Probleme direkt ansprechen. Dies ist für Betriebe und Unternehmen eine gute Möglichkeit, potentielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung kennenzulernen und eventuell dauerhaft einzustellen.

Ausführlichere Infos zum Thema "Von der WfbM auf den allgemeinen Arbeitsmarkt" finden Sie im Portal: REHADAT-Bildung

Praktika von Auszubildenden einer Bildungseinrichtung

Für behinderte Menschen, die in einer Bildungseinrichtung der beruflichen Rehabilitation (zum Beispiel: Berufsbildungswerke, Berufsförderungswerke, ambulante Reha-Einrichtungen) aus- oder weitergebildet werden, ist mindestens ein mehrwöchiges Betriebspraktikum während ihrer Ausbildungszeit vorgesehen. In der Regel findet dies im letzten Ausbildungsjahr statt.

Für den Erfolg der Praktika ist die enge Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen der beruflichen Rehabilitation mit den Betrieben entscheidend. Die Bildungseinrichtungen unterstützen die Betriebe zum Beispiel bei der Vorbereitung und Auswertung der Praktika und bei der Betreuung der behinderten Praktikantinnen und Praktikanten.

Auch während des Praktikums bleibt die Ausbildungsverantwortung bei der jeweiligen Bildungseinrichtung. Für die Betriebe, bei denen das Praktikum stattfindet, fallen keine Kosten an. Die zuständigen Rehabilitationsträger (zum Beispiel: Agentur für Arbeit) übernehmen weiterhin die Vergütung der Praktikantinnen und Praktikanten.

Vermittlung von Praktikantinnen und Praktikanten und Beratung von Betrieben

Geeignete Praktikantinnen und Praktikanten vermitteln die Reha-Teams der Agenturen für Arbeit und die Integrationsfachdienste. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber werden von fachkundigen Ansprechpersonen individuell beraten, beispielsweise über:

  • die behinderungsgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen
  • den Umgang mit behinderten Menschen
  • mögliche finanzielle Förderleistungen
  • den Betreuungsbedarf der behinderten Praktikantinnen und Praktikanten während der Einarbeitung


Im Kapitel "Wer hilft? Fachkräfte und Azubis finden" erhalten Sie ausführlichere Informationen.

Stellenbörsen

Betriebe und Unternehmen können hier Stellenangebote aufgeben und nach Nachwuchskräften suchen.

Autorin / Autor: (na) 2018