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Angaben zum Praxisbeispiel

Beruflicher Werdegang und Existenzgründung eines Steinmetz- und Bildhauermeisters mit Gehörlosigkeit

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann ist von Geburt an gehörlos. Er ist nicht fähig akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, wahrzunehmen. Behinderungsbedingt müssen deshalb hörbare Informationen so verändert werden, dass sie von dem Mann optisch oder taktil wahrgenommen werden können. Die Kommunikation mit hörenden Personen ist über das Lippenablesen und somit eingeschränkt über die Lautsprache möglich.

Schulausbildung:

Der Mann konnte als Kind mit der Hilfe von Eltern, Verwandten und Bekannten seine sprachlichen Fähigkeiten entwickeln. Mit sechs Jahren kam er in eine Schule mit Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation. Nach zwei Jahren wechselte er auf eine übliche Grundschule, um seine Sprache und sein Hörvermögen weiter zu verbessern.
Im Anschluss an die Grundschule besuchte er ein Jahr lang eine übliche Hauptschule. Später wechselte er dann auf eine Realschule mit Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, auf welcher er seinen Abschluss (Fachoberschulreife) machte.

Übergang Schule - Ausbildung:

Der Mann wollte auf jeden Fall ein Handwerk erlernen. Er machte deshalb ein Praktikum als Schreiner und als Stuckateur. Dabei stellte sich heraus, dass ihm der Beruf des Steinmetzes den meisten Spaß machte. Obwohl seine Eltern einen Steinmetz-Betrieb hatten, entschloss er sich die Ausbildung bei einem fremden Betrieb zu absolvieren. Er konnte sich gut integrieren und hatte nur Schwierigkeiten, wenn Gespräche in der Gruppe gehalten wurden. Die fehlenden Informationen wurden ihm dann erst kurz vor Beginn der Arbeit oder auch gar nicht vermittelt. Dies führte dazu, dass er die Arbeit manchmal falsch ausführte.

Ausbildung und Beruf:

Während der Ausbildungszeit besuchte der Mann in Blockzeiten die Berufsschule an einem Berufskolleg für Menschen mit Hörschädigung. Dort hatte er natürlich keine Kommunikationsprobleme mit seinen Mitlernenden, da sich alle in der Gebärdensprache unterhielten. Nach der Ausbildungszeit blieb der Mann noch einige Zeit in seinem Ausbildungsbetrieb und wechselte später für kurze Zeit in das elterliche Unternehmen. Da im elterlichen Unternehmen ausschließlich arbeiten im Friedhofsbereich anfallen und um seine Berufserfahrungen zu erweitern, nahm der Mann für ein paar Jahre eine Gesellenstelle in einem Betrieb als Steinmetz an, der ausschließlich arbeiten im Baubereich (Treppen, Fassaden usw.) ausführte. Nach drei Jahren ging er zurück in das elterliche Unternehmen und machte sich Gedanken über eine Weiterbildung zum Meister. So konnte er Meister werden und andere gehörlose Personen in ihrer Berufswahl beraten und unterstützen. Da er die Gebärden- und Lautsprache beherrscht, kann er den Schulen hilfreich zur Seite stehen und das Fachwissen gezielt vermitteln. Zudem kann er sich besser auf die Bedürfnisse gehörloser Menschen im Arbeitsleben einstellen.
Nach dem die Finanzierung und der Ausbildungsablauf mit der Meisterschule geklärt war, begann er die Weiterbildung zum Steinmetz- und Bildhauermeister. Ihm wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt ein gebärdensprachdolmetschende Person Vermittelt, die ihn ständig im Unterricht und bei Prüfungen unterstützte. Allein die theoretische Ausbildung, während der Zeit in der Meisterschule, hätte er ohne den Einsatz der gebärdensprachdolmetschenden Person nicht geschafft. Die Inhalte des Fachunterrichts wurden überwiegend nur mündlich vermittelt. Aufgrund der Stoffmenge waren sprachliche Wiederholungen nicht möglich.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nr. von gebärdensprachdolmetschenden Personen.
Nach zwei Jahren Weiterbildung legte er die Meisterprüfung erfolgreich ab und wurde im elterlichen Betrieb als Meister eingestellt. Seitdem leitet der Mann den ganzen Ablauf in der Werkstatt und wickelt Kundengespräche ab. Aufgrund seiner Kenntnisse konnte er, neben dem Grabmalbereich, auch den Baubereich Stück für Stück in das Geschäft mit aufnehmen.
In REHADAT finden Sie auch spezielle Einrichtungen, die gehörlose Menschen ausbilden.

Weg in die Selbständigkeit:

Das nächste angestrebte Ziel war die Selbständigkeit. Nach zwei Jahren im elterlichen Betrieb machte sich der Meister mit einer Firma selbständig. Der Betrieb entwickelte sich gut, sodass er zwei weitere Mitarbeiter mit Gehörlosigkeit beschäftigen und Interessierten eine Praktikumsstelle anbieten kann. Generell herrscht ein gutes Arbeitsklima und die Beschäftigten sind sehr motiviert. Sie fühlen sich wohl, da sie keine Kommunikationsschwierigkeiten haben. Das zeigt sich auch im Umgang mit der Kundschaft - selbstbewusst gehen sie auf die Kundschaft zu.

Förderung und Mitwirkung:

Der Einsatz der gebärdensprachdolmetschenden Personen im Rahmen der Fortbildung zum Meister wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.



Link:

REHADAT-talentplus zum Thema Selbständigkeit.



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Referenznummer:

R/PB5415



Informationsstand: 24.03.2020