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Angaben zum Praxisbeispiel

Interview mit dem Geschäftsführer und Inhaber eines Printmedienbetriebes zur Arbeits- und Beschäftigungssituation seiner schwerhörigen und gehörlosen Mitarbeiter im Rahmen des Projektes GINKO

Das folgende Interview wurde im Rahmen des Projektes GINKO geführt und befasst sich mit der Arbeits- und Beschäftigungssituation gehörloser und schwerhöriger Menschen.

GINKO:

Bevor wir jetzt genau auf die hörbehinderten Mitarbeiter hier im Unternehmen eingehen, beschreiben Sie bitte in wenigen Worten das Unternehmen und auch Ihre Funktion hier.

Arbeitgeber:

Ja, wir sind ein Unternehmen im Bereich der Printmedien. Ich bin Inhaber und mach das Unternehmen jetzt seit etwa 20 Jahren. Wir bestehen aus mehreren Teilen: einmal den kaufmännischen Bereich, der auch das Verlagstechnische umfasst. Dann haben wir also die Produktion wo auch die meisten Hörgeschädigten arbeiten. Das ist also einerseits der Druck, Offsetdruck, dann haben wir noch die Buchbinderei, wo auch der gehörlose Herr Lehmann arbeitet. Und wir haben die Mediengestalter, also die auch das Layout machen. Das sind so die vier Arbeitsbereiche die wir haben. Genau, so an Mitarbeiter haben wir, muss ich fast durchzählen, aber so um die 20 haben wir. Dann einen relativ hohen Gehörlosenanteil und auch einen relativ hohen Auszubildendenanteil, eigentlich immer fast alle Festangestellten, die ich habe, sind aus dem Ausbildungsverhältnis übernommen, weil wir auch relativ viel ausbilden, auch weil wir auch diesen Zusatzschwerpunkt haben, dass wir auch Gehörgeschädigte ausbilden, was sich so ergeben hat.

GINKO:

Wie sieht denn der Kontakt zwischen Ihnen und Ihren Mitarbeitern mit Hörbehinderung aus?

Arbeitgeber:

Je nach Berufsbild. Also mit den Druckern und Buchbindern habe ich, sage ich mal, öfter mal Kontakt, weil ich halt da wirklich auf die gucke, wie weit die Aufträge sind, was so zu tun ist. Mediengestalter haben wir auch welche mit Hörschädigung, da ist der Kontakt etwas weniger, weil halt da jemand da ist, der für die Betroffenen da extra zuständig ist. Im Kontakt geht das eigentlich insbesondere bei den Buchbindern fast ausschließlich über Gebärdensprache. Bei den Druckern sind einige dabei, die resthörend oder nur schwerhörig sind, wo das dann teilweise noch über Lautsprache funktioniert.

GINKO:

Beschreiben Sie bitte, welche Rolle spielen die Mitarbeiter mit einer Hörbehinderung bei Ihnen im Unternehmen?

Arbeitgeber:

So im Prinzip haben wir da keinen, also habe ich da jetzt keinen Unterschied, dass ich da jetzt sage, die mit oder ohne Hörbehinderung haben andere Funktionen. Also wir haben tatsächlich einen Hörgeschädigten, der ist also aktuell der einzige festangestellte Hörgeschädigte den wir haben. Die anderen sind alle Auszubildende und der hat auch die Ausbildung hier gemacht und ist jetzt seit sechs oder sieben Jahren, ich müsste das nachgucken. Also er hat die Ausbildung gemacht plus dann seit drei oder vier Jahren hier festangestellt. Der hat auch eine Leitungsfunktion innerhalb der Buchbinderei, das heißt also er leitet die Buchbinderei und bildet auch dann dadurch, ja hauptsächlich eigentlich auch die anderen hörgeschädigten Buchbinder wiederum aus. Also wir haben auch einen Meister auch, halt den täglichen Kontakt hat er. Und ja also Unterschiede in der Funktion gibt es da nicht. Also ich mache da auch keinen Unterschied. Also im Prinzip jeder Hörgeschädigte kann soll und muss seine Arbeit genauso verrichten wie jemand ohne Hörschädigung oder ohne Behinderung. Der einzige Unterschied ist eigentlich nur die Kommunikation, also ansonsten gibt es da jetzt keine Unterschiede. Bei Mediengestalter ist es noch einmal so, dass man mit der Kommunikation dann halt ja ein bisschen gehandicapt ist im Prinzip. Das man halt bei den Auszubildenden, die haben eh weniger Kundenkontakt als jetzt jemand Festangestellter, aber da kann das wenn dann nur über E-Mail erfolgen. Und wir haben eh relativ wenig Kunden im Satzbereich. Aber da erfolgt dann kein direkter Kontakt über ja, über Lautsprache halt. Das sind da halt die einzigen, die einzigen Einschränkungen, die da ist.

GINKO:

Jetzt haben Sie gesagt, Herr XXX ist für die hörbehinderten Auszubildenden und Buchbinder zuständig.

Arbeitgeber:

Buchbinder, ja.

GINKO:

Das heißt, Sie haben auch noch andere Auszubildende?

Arbeitgeber:

Also wir bilden erst einmal grundsätzlich aus in vier Bereichen. Das eine ist halt der Offsetdrucker, dann Buchbinder, dann Mediengestalter oder Mediengestalterin ich lasse jetzt mal die weibliche Form immer weg, und dann haben wir noch einen Medienkaufmann hier. Das sind so die vier Ausbildungsberufe, die wir grundsätzlich haben. Also er hat Buchbinder gelernt und er ist in der Buchbinderei und hat dann halt die auszubildenden Buchbinder unter sich.

GINKO:

Und die selbst auch, die haben selbst auch alle eine Hörbehinderung?

Arbeitgeber:

De facto ist es so, wir haben relativ viele Auszubildende mit Hörbehinderung und auch eigentlich mehr Auszubildende im Buchbinderbereich als wir jetzt im täglichen Arbeitsbetrieb nehmen oder einstellen würden. Wir haben im Buchbinderbereich sechs, also in jedem Lehrjahr zwei Buchbinder. Das ist einmal dem Konstrukt wie sich das entwickelt hat geschuldet, weil der Herr XXX halt selbst gehörlos ist und wir haben zahlreiche Maschinen, an denen wir ausbilden können. Bei den Hörgeschädigten ist es auch noch so, dass die Blockunterricht haben. Das heißt, ein Lehrjahr ist immer vollständig in der Berufsschule, das heißt also ein Drittel aller Auszubildenden ist quasi permanent mindestens weg. Dann hat man noch ein bisschen Urlaub, ein bisschen Krankheit, also im Durchschnitt haben wir dann drei Auszubildende da. Also sechs Maschinen, die nicht parallel laufen, aber da haben wir die Möglichkeiten, weiter auszubilden und teilweise ist dann genug Zeit zum Lernen da, weil wir halt da eben etwas über das normale Verhältnis hinaus ausfüllen.

GINKO:

Und ist Herr XXX auch für hörende Mitarbeiter verantwortlich?

Arbeitgeber:

Jetzt in dem Fall nicht, weil es sich so ergeben hat und es auch Sinn macht, dass wir in dem Buchbinderbereich halt wirklich tatsächlich nur Gehörlose haben oder auch Hörgeschädigte und die auch alle Gebärdensprache können. Ist das so praktisch und auch sinnvoll, dass es also wenn jemand wäre, der eine Ausbildung machen würde, der nicht hörgeschädigt wäre, wäre er auch für den verantwortlich. Also das würde sich nicht ausschließen, aber das ist halt de facto nicht so.

GINKO:

Und dann haben Sie gerade gesagt, es ist recht praktisch, dass man da in diesem Bereich dann auch hörgeschädigte Mitarbeiter beschäftigt. Meine Frage ist: Warum beschäftigt Ihr Unternehmen oder warum beschäftigen Sie hörbehinderte Mitarbeiter?

Arbeitgeber:

Das ist im Prinzip so, also es hat sich aus der Historie, kann man fast sagen, ergeben. Also der Herr XXX war mit der Erste, der hier ein Praktikum gemacht hat als Hörgeschädigter. Und der Herr XXX ist von seiner Präzision und von seinen Eigenschaften, die er als Mensch hat, also das hat jetzt nichts mit der Hörschädigung zwangsläufig zu tun, ist er einer der präzisesten und besten Buchbinder, die ich je hatte. So und daraufhin erfolgte auch die Konsequenz, dass ich ihn natürlich fest angestellt habe. Und ja und wie gesagt auch mit den Auszubildenden eine logische Schlussfolgerung, also man hat bei den Hörgeschädigten keinen Unterschied zu einem anderen Jugendlichen. Es gibt welche, die sind, sage ich mal, gut von ihrer Einstellung her, es gibt welche, die sind sage ich mal, faul, lustlos wie jeder normale Jugendliche auch. Also da machen wir keinen Unterschied und weil wir, wie man hier so schön sagt, im ersten Arbeitsmarkt ausbilden, versuchen wir im Prinzip ja, uns die Leute raussuchen, die dafür geeignet sind. Also es macht keinen Sinn jemanden auszubilden, also egal, ob Hörgeschädigten oder nicht, der einfach nicht die Leistung bringt, die gefordert ist oder der später nicht bestehen kann. Und alle anderen, die also auf dem Markt bestehen können, auf dem Arbeitsmarkt, die können wir hier ausbilden oder bilden wir hier auch gerne aus. Aber da gibt es keinen Unterschied. Da sagt man jetzt nicht, da verlangt man weniger Leistung, weil da einer hörgeschädigt ist. Und das macht auch keinen Sinn, weil wenn man die Leute unterfordert oder weniger fordert oder sagt: "Das muss nicht so umfassend geleistet werden." Dann haben die Leute spätestens bei der nächsten Einstellung erst einmal das Problem, dass sie unter dem Durchschnitt wären und dann da nicht bestehen können.

GINKO:

Also würden Sie sagen, dass dieser Beruf des Buchbinders oder auch diese Ausbildungsstelle besonders geeignet ist für hörbehinderte Mitarbeiter?

Arbeitgeber:

Ja, zumindest ist es so, dass die Hörbehinderung da keine wesentliche Einschränkung ist. Also in der Regel haben die Buchbinder weniger Kundenkontakt, das heißt, also es geht eigentlich um die interne Kommunikation. Und wenn da ein Betrieb intern bereit oder in der Lage dazu ist, mit Hörgeschädigten zu kommunizieren oder eben im nicht ganz so idealen Fall halt der Hörgeschädigte hingeht und seinen Bedarf… auf die Hörenden eingeht oder notfalls durch Aufschreiben, wenn es halt nicht durch Gebärdensprache geht oder durch Gestik, dann ist das ein Beruf, wo eben zumindest nicht der Kundenkontakt entgegensteht. In der Druckhalle ist auch ein gewisser Lärmpegel, der für Gebärdensprache eigentlich dann fast prädestiniert ist, also fast leichter, in Gebärdensprache zu kommunizieren, als über die normale Lautsprache. Also die Gebärdensprache hat in dem Fall schon fast eher Vorteile. Es ist auch eigentlich ein geeigneter Beruf in dem Bereich, weil man da irgendwo Tätigkeiten finden muss, wo das Handicap, sage ich mal kein Faktor ist, der tatsächlich in dem Fall nicht ausgleichbar ist und hier ist er halt ausgleichbar. Durch Gebärdensprache oder notfalls durch Aufschreiben, von daher ist es ein geeigneter Beruf, ja.

GINKO:

Könnte es sein, dass der Aufwand für den Arbeitgeber in dem Bereich, also Sie haben gerade von einem hohen Lärmpegel gesprochen, sogar höher wäre, wenn er jetzt normalhörende Mitarbeiter beschäftigen würde?

Arbeitgeber:

Das eigentlich nicht, also mit Lärmpegel meinte ich jetzt, er ist im Vergleich zum Büro also relativ hoch, aber nicht so, dass die hörenden Mitarbeiter jetzt einen Hörschutz zwangsläufig tragen müssten. Aber ist halt nichts desto trotz immer eine gewisse Distanz, auf der man sich mit Gebärdensprache sehr gut unterhalten. Und wenn man das auch kann, dann geht es auch so, dass ist in dem Sinne kein größeres Handicap mehr, wenn man sich drauf einstellt. Es ist ja nicht der Normalfall, dass mehrere Hörgeschädigte in einem Betrieb sind, es ist ja im Normalfall so, dass der Hörgeschädigte alleine in dem Betrieb und in der Position arbeitet und sich mit Hörenden beschäftigen muss. Dann müssten sie sich eben darauf einstellen oder er muss sich so ausdrücken oder schriftlich ausdrücken, dass er halt dann die Kommunikation hinterher schafft. Also hier ist es dann für einen Hörgeschädigten eine ideale Voraussetzung, weil einfach ja viele Leute Gebärdensprache können, das ist halt nicht der Normalfall.

GINKO:

Wie beurteilen Sie die Leistungsfähigkeit Ihrer hörbehinderten Mitarbeiter?

Arbeitgeber:

Bei dem Herrn XXX speziell ist es so, dass er sehr ehrgeizig und sehr präzise ist. Muss aber auch dazu sagen, dass hat aber nicht unbedingt mit der Hörschädigung zu tun. Fakt ist, es sind Menschen wie jeder andere auch. Ich habe schon hörgeschädigte Praktikanten hier gehabt, die gesagt haben, Praktikum ist nur zu gucken und nicht arbeiten. Na, also Negativbeispiel oder die gar keine Lust haben. Das ist also eine menschliche Sache, das hat nicht ursächlich mit der Behinderung zu tun. Also eher kommt es mal vor, dass die Leute ehrgeiziger sind, weil sie eine schlechte Grundvoraussetzung haben. Aber bei dem Herrn XXX ist mein Eindruck einfach, dass er eine sehr gute Erziehung hatte vom Elternhaus her. Der Vater, was ich so mitbekommen habe, ist ein ehrgeiziger und fleißiger Arbeiter und das hat er seinem Sohn so vermittelt und genauso wird er hier auch bestehen und seine Leistung zeigen. Und das sind Leute, die man gebrauchen kann, also egal ob mit oder ohne Hörbehinderung.

GINKO:

Wie sieht denn die Kommunikation in schwierigen Situationen zwischen Ihnen und dem hörgeschädigten Mitarbeiter aus?

Arbeitgeber:

Also eigentlich nicht anders, als mit anderen Mitarbeitern auch. Also was ich gelernt habe in den Jahren ist, dass man immer den Leuten eine klare Ansage machen sollte. Wenn einem irgendwas missfällt als Arbeitgeber, weil es halt nicht so läuft, wie es sein sollte, ist das Einzige was hilft, frühzeitig, sobald man den Eindruck hat, dass es in die falsche Richtung läuft, es offen und klar ansprechen. Und das ist bei Gehörlosen halt dann gegebenenfalls mittels Dolmetscher, weil es dann so in die Details geht, die ich dann mit meiner arbeitsalltagstauglichen Gebärdensprache dann vielleicht doch nicht hinkriege. Dann muss man einen Dolmetscher hinzuziehen. Aber ansonsten hilft es, wie bei jedem anderen Mitarbeiter auch, ganz klar, deutlich, frühzeitig ansprechen was schief läuft, damit da keine zwei Meinungen aufkommen, wie man so schön sagt. Das hilft da eigentlich auch und das haben wir auch in den einigen Fällen schon gemacht, in manchen Fällen hilft das halt und diejenigen verändern sich, klar ansprechen und frühzeitig einlenken. Das ist bei allen so.

GINKO:

Wie unterstützt die Ausgleichsabgabe, dass hörbehinderte Menschen einen Einstieg in das Berufsleben schaffen?

Arbeitgeber:

Im Prinzip, also die Ausgleichsabgabe, ich bekomme nicht immer ganz mit, also wir beanspruchen natürlich auch Förderung und soweit ich weiß, kommt das meiste aus diesem Topf der Ausgleichsabgabe und hier in den Fällen hat es öfter dazu geführt, dass wir also Arbeitsplätze einrichten können, auch teilweise Maschinenförderung in Anspruch genommen haben für Maschinen, die wir eigentlich wirtschaftlich gar nicht kaufen können und auch nicht gekauft hätten. Also als Beispiel, für die Ausbildung für einen Buchbinder brauchen wir in der Regel einen Klebebinder. Wir haben hier jetzt 10 Aufträge im Jahr circa im Normalfall, oder vielleicht sind es auch 20, aber auf jeden Fall nicht in der Dimension, wo sich ein Klebebinder rechnen würde und haben halt mit der Unterstützung, es müsste aus der Ausgleichsabgabe gekommen sein, also unter anderem so ein Gerät angeschafft und können halt zusätzlich auf dem Gerät ausbilden. Können dann hier und da natürlich auch mal einen Auftrag annehmen aber in der Regel, rechnen tut sich das Gerät eigentlich, oder hätte sich nicht, oder hätten nicht kaufen können und hätten natürlich dementsprechend auch nicht auf dem Gerät ausbilden können. Das sind also so Möglichkeiten, wo Arbeitsplätze eingerichtet werden, die für den Arbeitgeber das dann auch sinnvoll machen, oder dann halt wo man erweitern kann. Oder wenn man Maschinen hat, die vom Umfang und von der Art her kaufmännisch halt nicht so sinnvoll wären, da kann man sich halt mit dieser Förderung dann gut unterstützen lassen und das macht auch Sinn. Und das ist dann ein Faktor einfach, wo der Arbeitgeber sagen kann: "Das muss sich ja auch kaufmännisch lohnen, das kann ja keiner sich oder nicht im Wesentlichen leisten, so viele Leute da zu unterstützen oder da einzustellen nur aus reinem Gutmenschentum. Sondern es muss halt immer in der Wirtschaftszeit aktuell auch darzustellen sein. Und dafür sind eigentlich solche Mittel sehr gut geeignet.

GINKO:

Und wenn wir jetzt mal in die andere Richtung denken: Wie beurteilen Sie das, kann es eine Rolle spielen, ob ich jetzt als Unternehmer einen hörbehinderten Mitarbeiter einstelle oder eben nicht einstelle?

Arbeitgeber:

Ja, also ich meine, ich bin nie in die Verlegenheit gekommen, dass ich selbst die Ausgleichsabgabe hätte zahlen müssen, weil wir grundsätzlich überhaupt nicht beschäftigungspflichtig sind, was Schwerbehinderte angeht. Wir müssten nicht einmal einen nehmen. Und soweit ich weiß, ist die Ausgleichsabgabe geringer, als wenn man in Stadt XXX einen Parkplatz dazu kaufen muss oder auch freikaufen muss, weil man nicht genug Parkplätze für das Geschäft hat. Also sie ist nicht wahnsinnig hoch. Also die Motivation für einen Arbeitgeber, der keinen Schwerbehinderten einstellen möchte, ist aufgrund der Ausgleichsabgabe, glaube ich, nicht so hoch. Also es lohnt sich nicht jemanden einzustellen anstatt die zu zahlen. Soweit ich weiß ist die relativ gering in Relation zu den Personalkosten die ansonsten entgegen kämen. Ich denke eigentlich, dass das mehr nur ein legitimes Mittel ist, halt die Leute, die sich da nicht beteiligen, sage ich mal, dann da finanziell zumindest, dass die dann eine gewisse Gebühr zahlen. Und ich glaub, der Topf ist auch so groß, dass man also meines Wissens eher Probleme hat, dass gar nicht genügend Arbeitgeber da sind, die sich bereiterklären, um da aus dem Topf da, sage ich mal, Mittel zu kriegen. Also von daher ist der glaube ich ausreichend. Aber weiter als Verteilungsmittel ist das schon, denke ich, sinnvoll und legitim.

GINKO:

Sie haben davon gesprochen, es gibt also eine Anschubfinanzierung, wenn Sie jemanden einstellen mit einer Hörbehinderung in dem Fall. Und gibt es noch andere Möglichkeiten, die Sie nutzen? Also dauerhafte Förderungen zum Beispiel aus der Ausgleichsabgabe?

Arbeitgeber:

In dem Sinne dauerhaft eigentlich nicht. Also wir haben eine Betreuungskraft die halt über einen Dreijahres-Zeitraum dann bewilligt wird, die also da diesen Mediengestalter, also die vier Mediengestalter ausbildet. Und ansonsten den Herrn XXX als Beispiel, sag ich mal, der ist nach der Einstellung dann noch einmal gefördert worden von der Arbeitsagentur erst einmal, also auf Lohn, ich glaube 1 ½ Jahre wurde es zu einem gewissen Teil, ich weiß nicht mehr, ob es 50 oder 60 Prozent waren, bezuschusst und ansonsten sind jetzt seit 1 ½ bis 2 Jahren die Zuschüsse dafür natürlich durch und er ist ganz normaler Angestellter. Also wenn er erst einmal in der Festanstellung ist, dann entfallen natürlich die Zuschüsse, das ist auch sinnvoll, weil er ja ganz normal seinen Job macht. Und da ist ja dann auch kein Unterschied mehr.

GINKO:

Thema Personalauswahl: Nehmen wir mal an, ein Bewerber mit Hörbehinderung interessiert sich für eine Stelle bei Ihnen. Wie verläuft der Bewerbungsprozess?

Arbeitgeber:

Also bei uns ist es so, wir bilden sehr stark aus. Also Festangestellte nehmen wir eigentlich zu 99% aus dem Fundus der Auszubildenden, die wir da haben. Und das heißt eigentlich sowohl bei der Ausbildung, als auch bei der Festanstellung machen wir das in der Regel über Praktika, das heißt man guckt sich denjenigen an von der Eignung und so weiter. Also es kommt natürlich schon immer auf den gefragten Job an. Bei einem Buchbinder und bei einem Drucker ist natürlich die Schulbildung ja nicht so wichtig wie beim Mediengestalter, beim Medienkaufmann. Weil da einfach mehr Schule, mehr Rechtschreibkenntnisse erforderlich sind, oder mathematische Kenntnisse. Und bei den Mediengestaltern, da haben wir auch Hörgeschädigte. Da versuchen wir möglichst Leute mit einem CI, die mindestens resthörend sind oder eine gewisse Art der Schwerhörigkeit haben, aber durch das Gerät hören können, weil beim Mediengestalter deutlich mehr Kundenkommunikation nötig ist, sowohl E-Mail-technisch als auch telefonisch, persönlich. Und auch die Leute, die also, die also komplett gehörlos wären, in dem Bereich nur sehr schwer unterkommen würden. Also nach meiner Einschätzung. Und bei den Buchbindern, wie gesagt, ist es noch einmal eine andere Sache, danach richtet sich dann auch ein bisschen die Auswahl. Aber eines der größten Probleme, die die Hörgeschädigten in der Ausbildung insbesondere haben, ist einfach die schlechte Grammatik in Deutsch. Und die haben, weil sie sich hauptsächlich durch das Gebärden unterhalten, eigentlich auch keine nennenswerten Grammatikkenntnisse, die Deutschkenntnisse, sehr schlecht. Das heißt, das Hauptproblem bei den meisten ist schlichtweg, die schriftliche Prüfung zu schaffen. Also nicht, dass sie es vom Intellekt nicht schaffen würden, oder dass sie es von den Sachen, die da abgefragt würden es nicht schaffen könnten. Aber sie verstehen einfach teilweise schlichtweg die Fragen nicht, sie haben die Fachwörter nicht auf dem Schirm, weil sie einfach vereinfachte Gebärden für eine Maschine benutzen und wenn dann halt da Rückenstichmaschine steht, dann wissen die ja nicht, dass das bei uns halt die ((macht Gebärde)) Eckstraße ist. Und dann sind die fertig mit dem Wort. Und wenn man es aufschreiben muss oder sagen muss: "Was kann das?" Dann kriegen die das einfach nicht auf das Papier. Das ist einfach diese Sprachbarriere in dem Sinne. Und das ist eigentlich eins der Hauptprobleme im schulischen Bereich. Deswegen muss man halt auch gucken, je nach dem welcher Bereich das ist, wie dann die Deutschkenntnisse sind. Und gerade in den kaufmännischen Bereichen ist es ein dickes Problem. Und beim Buchbinder und Drucker ist es eigentlich nicht so relevant. Da ist eigentlich nur die Frage: "Reicht das für die Prüfung?" Also ich meine, das muss man schlichtweg darauf ankommen lassen. Fast alle Buchbinder sind im Stützunterricht drin, dass die dann noch einmal nebenbei Sachen vermittelt bekommen, damit sie das dann auch auf Papier bringen können.

GINKO:

Gut. Aber wie wäre das, wenn Sie jetzt jemanden festanstellen würden?

Arbeitgeber:

Also Festanstellung haben wir da noch kein Bewerbungsgespräch in dem Sinne durchgeführt mit einem Hörgeschädigten, weil wir die erst aus unseren eigenen Fundus dann nehmen oder nehmen würden. Fakt ist aber, ich habe schon mehr Erfahrung mit Hörgeschädigten und ich bewerte natürlich dann Zeugnisse anders, als jemand, der das noch nicht kennt. Zeugnisse sind de facto immer deutlich schlechter als bei Hörenden. Ich habe auch einige Leute, wo ich denken würde, die hätten theoretisch Gymnasium machen können. De facto können sie froh sein, dass sie einen Hauptschulabschluss geschafft haben. Das liegt nicht am Intellekt sondern einfach an der sprachlichen Fähigkeit. Das heißt also, ich bin natürlich einfach in der Lage das anders zu bewerten und bei den meisten, bei den Produktionsberufen würde man auch zusehen, dass man möglichst Praktika macht und guckt, wie verhält sich derjenige in einer Arbeitsumgebung, weil das ist das, was spannend ist. Ist jemand motiviert oder ist er nicht motiviert. Das ist also kein Unterschied, aber ein normaler Arbeitgeber, der da keinen Umgang mit hat, wird wahrscheinlich hier und da über die Noten nicht erfreut sein und kann auch mit dem Thema schlechter umgehen.

GINKO:

Jetzt haben Sie ja schon einige Kriterien genannt. Gibt es noch andere Auswahlkriterien?

Arbeitgeber:

Das meiste beschert uns das Praktikum. Das Wichtigste ist eigentlich Motivation und der Wille und wir haben auch immer festgestellt, es ist banal, bei Auszubildenden und in der Produktion gehört halt überhaupt das Reinigen von Maschinen genauso dazu, wie auch die Halle in Ordnung bringen. Also wir haben eine Putzfirma für alle Büroräume, aber die Halle und auch der Hof müssen halt durch die Mitarbeiter natürlich irgendwie in Ordnung gehalten werden. Und da haben wir immer festgestellt, wenn man mal einen Praktikanten mal den Hof fegen lässt, was also somit die blödeste Arbeit ist, was wir hier zu bieten haben. Dann merkt man innerhalb von einer Minute, ob derjenige die nächsten drei Jahre, die Ausbildung gerne oder auch motiviert macht oder einfach schlichtweg keinen Bock hat und ja eigentlich nur die Sachen machen möchte, die schön sind. Das sieht man sofort, wenn man dem den Besen in die Hand drückt. Und wenn der sagt: "Ist doch egal, ich bin hier. Ich fege jetzt den Hof." Dann weiß ich, ok, das ist jemand der von der Einstellung her, sagt: "Das ist ok. Das mache ich alles." Weil wir haben hier halt auch viel Reinigungstätigkeiten, die Maschinen müssen gereinigt werden, die Druckmaschinen müssen immer die Farben rein und raus genommen werden. Das hat auch mit Reinigung zu tun in den Produktionsbereichen. Wenn da einer kein Bock drauf hat, dann merkt man einfach direkt sofort wie die Einstellung ist. Man sagt, das gehört zu der Ausbildung dazu. Dann sieht man es eigentlich sehr schnell. Sehr banal, aber es funktioniert halt. Und das ist eigentlich das Wichtigste. Wenn man motiviert ist, dann kann man relativ viel machen, wenn man keine Lust hat, dann kann er so clever sein wie er will, dann kommt er nicht weiter und dann kommen wir mit demjenigen nicht weiter.

GINKO:

Ja, Sie haben gesagt, dass es bestimmte Ausbildungsberufe auch bei Ihnen gibt, wo jemand noch Resthörvermögen haben sollte, was sich günstiger auswirkt und eben andere Bereiche wo es eben nicht unbedingt der Fall ist. Spielt es dann auch tatsächlich eine Rolle bei der Auswahl der Personen, ob sie jetzt schwerhörig sind oder gehörlos?

Arbeitgeber:

Bei den Mediengestaltern definitiv ja. Weil es einfach meiner Meinung nach eh schon relativ schwierig ist, später in den Beruf zu kommen. Mediengestalter ist ein sehr überlaufener Beruf nach wie vor, seit vielen Jahren. Und wenn jemand dann noch eine Hörschädigung hat und nicht kommunizieren kann, dann wird es einfach schwierig, unterzukommen. Und dann ist halt die Frage, sollte man jemandem dann eine Ausbildung geben und sagen: "Mal gucken was er damit macht." Oder sollte man schon mal ein bisschen darauf hinarbeiten und sagen: "Ja okay, wenn er dann mit Kunden Kontakt haben muss und bestimmte Sachen…" also man muss auch ja als Mediengestalter, wenn man mal einen Text setzt, den auch überprüfen können. Dazu gehört auch eine vernünftige Grammatik. Und die haben in diesem Fall die Resthörenden oder mit CI, die halt relativ früh dann auch lautsprachlich ausgebildet sind. Die haben eine ganz andere Grammatik. Da sind Mediengestalter, die genau wie ein Hörender schreiben können und in dem Bereich ist es unerlässlich. Ich kann nicht eine Zeitschrift setzen und nicht ansatzweise verstehen, was da ist. Also man muss nicht komplett 1A Korrekturlesen können, aber man muss schon grob verstehen, was da drin steht und gucken, ob in der Überschrift ein Tippfehler drin ist oder nicht. Und wenn man das nicht versteht, dann hat man fast keine Chancen, da weiterzukommen. Und dann sehe ich da auch keinen Sinn, einen hier auszubilden. Das heißt in dem Bereich haben wir das so gemacht, meistens sind es CI-Träger, die halt auch früh dieses CI schon haben und die halt lautsprachlich und dadurch grammatisch deutlich besser sind. Also wir haben eine Einzige, die wirklich gehörlos ist im Mediengestalterbereich, die sich im Praktikum so talentiert gezeigt hat, dass ich gesagt habe, da mache ich mal eine Ausnahme. Dann muss man halt schauen, ob das dann funktioniert. Aber ansonsten in der Regel, im Mediengestalterbereich nur wenn sie eine gewisse Resthörigkeit noch haben.

GINKO:

Was meinen Sie mit: Die hat sich besonders talentiert gezeigt?

Arbeitgeber:

Beim Mediengestalter sind ja Lehrprogramme und Bildbearbeitungsprogramme und die hat also so ein großes Grundwissen und aus dem Hobby daraus schon Talent gehabt, da Bilder zu bearbeiten, wie eigentlich schon fast ein fertiger Mediengestalter und da habe ich einfach gedacht, da will ich der also nicht im Weg stehen und ihr da die Ausbildung ermöglichen, weil sie einfach wirklich talentiert dafür ist. Und dann muss sie halt schauen, ob sie das kompensiert kriegt und vielleicht hat sie ja Glück und findet dann später, wenn wir ihr keine Stelle anbieten können, irgendwo im Verband oder sonst irgendwo etwas, wo die halt diesen sozialen Punkt mit berücksichtigen und sagen: "Die hat das Talent, die kann das machen." Oder vielleicht als 3., 4. Kraft und macht vielleicht die Bildbearbeitung und jemand anderes macht den Text. Da muss sie gucken, wie man das halt schaffen kann. Aber sie hat halt das Talent dafür und als Normalhörende wäre sie definitiv mehr als geeignet für den Beruf.

GINKO:

Und wie sieht das dann bei ihr mit dem Sprachverständnis aus? Also mit der deutschen Sprache?

Arbeitgeber:

Das hält sich in Grenzen, also ich habe es jetzt nicht genauer auf dem Schirm, wie gut sie jetzt ist, es ist auf jeden Fall im normalen Bereich. Es ist grundsätzlich so, dass die weiblichen Auszubildenden eh in der Regel besser sind im Schulischen als jetzt die männlichen Auszubildenden, die haben einfach, ich weiß nicht, ob die einfach nach wie vor noch mehr lesen, aber es ist halt einfach mehr Sprachverständnis da, als bei den männlichen Auszubildenden. Das ist immer nach wie vor so. Und von daher, denk ich, ist sie auf einem vernünftigen Niveau. Aber halt wie gesagt jetzt rein beim Layout kann es schon einmal Probleme geben.

GINKO:

Wie ist es mit der Fähigkeit der hörbehinderten Mitarbeiter in der deutschen Sprache nach Ihrer Einschätzung?

Arbeitgeber:

Ja, das Problem bei den Gehörlosen ist, dass einfach von der Lautsprachpraxis was fehlt. Also das Wiedergeben oder auch das Merken der zu druckenden Artikel, welche Satzstellung, Zeitformen, das ist schwierig.

GINKO:

Welche Auswirkung hat das denn jetzt auf die Arbeit hier?

Arbeitgeber:

Also für mich macht das eigentlich keinen Unterschied. Ich muss natürlich zusehen, dass derjenige, dem ich was erkläre, das auch wirklich definitiv verstanden hat und nachher nicht irgendwas komplett anders macht. Da muss man schon drauf aufpassen. Aber so im Ganzen, wenn man ja sich mit Gebärdensprache und mit den Leuten befasst, dann ist das eigentlich relativ einfach. Also es werden halt bestimmte Maschinen einfach tituliert, also eine Gebärde erfunden, die jetzt ein Außenstehender im ersten Moment halt nicht direkt verstehen würde, aber halt für den täglichen Umgang natürlich das vereinfacht. Also ich kann in der Gebärdensprache die ganze Funktionsweise der Maschine versuchen, da irgendwie darstellen. Das ist dann manchmal recht komplex. Und dann haben wir halt ja Abkürzungen und im täglichen Umgang lernt man sich auch kennen und dann weiß man auch schneller, was der andere meint oder denkt. Und das ist dann hier kein Handicap. Aber wenn er jetzt in einem Betrieb mit nur genau einem Hörgeschädigten ist und die denken: "Okay jetzt arbeiten und möglichst nicht viel fragen" dann können natürlich Barrieren entstehen.

GINKO:

Wie ist es denn am Ende bei der Personalauswahl, wer entscheidet alles mit?

Arbeitgeber:

Also ich frage natürlich bei den Auszubildenden, die wir neu einstellen, die jeweiligen Abteilungsleiter, ob derjenige reinpasst. Wir gehen ja auch viel nach dem Menschlichen und bei den Hörgeschädigten ist es noch ein Nachteil, das ist eine sehr kleine Community, eine eingeschworene Gemeinschaft. Es gibt halt eine begrenzte Zahl an Hörgeschädigten und die gehen eben in der Regel in Stadt XXX oder in Stadt XXX zur Schule, also hier im Umkreis. Das ist so das Meiste. Das heißt jeder hat jeden in der Eintrittsstufe in der Regel schon einmal irgendwo gesehen. Teils auch zwei, drei Jahre rauf oder runter, kennen die sich, vor allem weil die schon teilweise zusammengefasst werden oder wie auch immer das da aufgeteilt ist. So, das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass der eine dem anderen mal im Pausenhof auf die Füße getreten ist oder im Kindergarten das Förmchen schon geklaut hat, oder sogar mit jemandem zusammen war, was dann geklappt oder nicht geklappt hat, die ist nicht so gering. Das sollte man nicht unterschätzen. Das heißt, wenn mehrere Hörgeschädigte zusammenkommen, dann ist schon mal die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemandem aus der Gruppe die Kinnlade runterfällt, wenn sein Ex-Freund da rein kommt. Alles schon da gewesen. Oder einer, der sich in der Schule immer mit dem anderen angelegt hat. So das heißt grundsätzlich, also nicht nur, wenn da so harte Fakten kommen, also da achtet man natürlich drauf, dass die Leute menschlich miteinander klar kommen. Wenn da welche sind, die sich überhaupt nicht abkönnen, weil da irgendwann mal was vorgefallen oder sonst irgendwas ist, da frage ich dann schon nach. Wenn jetzt der Herr XXX insbesondere bei den Buchbindern bei dem und dem abwinkt und sagt: "Mit dem und dem komme ich nicht klar." oder sagt: "Das ist jemand, der macht nur Ärger." oder "Der will gar nicht, der passt hier nicht rein." Aufgrund des Menschlichen, aufgrund des Miteinanders, dann nehme ich den auch nicht. Also das ist schon wichtig, dass derjenige reinpasst. Und das merken die unten natürlich mehr als ich. Also ich sehe da in der Regel, also ich merke das nicht, wenn der da unten den Molli macht. Das ist also dann so der Faktor.

GINKO:

Gut, Karriere im Unternehmen. Welche Entwicklungsmöglichkeiten ergeben sich für Ihre hörbehinderten Mitarbeiter?

Arbeitgeber:

Also da haben wir jetzt als einziges und bestes Beispiel den XXX, der halt als Auszubildender angefangen hat und aufgrund seiner Leistung also dann ja festangestellt wurde und jetzt da auch die Abteilungsleitung von der Buchbinderei hat. Das ist jetzt so das Beste und einzige Beispiel, was ich hier habe. Also im Druckbereich haben wir Auszubildende und da kann es auch dann bald anstehen, dass wir irgendjemanden übernehmen, der eine Hörschädigung hat. Aber da haben wir halt eh und je zwei Schichtdrucker, die beide bei mir ausgebildet wurden, die aber halt nicht hörgeschädigt sind. Und es kommt darauf an, welche Positionen frei sind. Weil wir sind eigentlich ein relativ kleines Unternehmen, haben aber relativ viele Hörgeschädigte beschäftigt, weil es sich einfach ergeben hat, weil wir gut ausbilden können und weil in gewissen Fällen, sag ich mal, eine gewisse Anzahl an Personen natürlich auch hilfreich ist. Aber ansonsten hier auch, sage ich mal, weil wir die Möglichkeiten haben und es auch Spaß macht, hier auszubilden, die Hörgeschädigten und man generiert daraus einfach seinen zukünftigen Mitarbeiter. Und viele haben halt ein Nachwuchsproblem oder ein Jugendlichen-Nachwuchsproblem in Ausbildungsplätzen, das haben wir eigentlich nahezu gar nicht. Und wir haben hier eh einen relativ geringen Altersdurchschnitt. Also wir haben natürlich jemanden eher fertig als, wo der Durchschnitt liegt, aber der liegt im Anfang 20-er Bereich. Und dadurch haben wir natürlich auch kein Problem, Festangestellte zu finden. Also als ich mal einen Buchbinder gesucht habe, bevor der Herr XXX mit der Ausbildung fertig war, da war er gerade mitten in der Ausbildung, das war noch nicht abzusehen. Da habe ich genau einen einzigen von der Arbeitsagentur vorgeschlagen bekommen. So und den konnte man also sowas von vergessen. Also der hat nahezu gar nicht großartig was gemacht, was an Qualität da war, in dem Beruf war gleich null. So und das heißt, wenn ich also da nicht ausbilde und mir die Leute schaffe, dann habe ich keine guten Leute. Oder dann muss ich jemanden nehmen, der auch noch einen ganz hohen Anspruch hat. Derjenige kam von der Behörde, der hat verdient wie kein 2. und würde gerne auch möglichst mehr haben, also dieser Bereich wurde geschlossen und das Geld wird er auch nie wieder verdienen, weil es wirtschaftlich auch gar nicht darstellbar ist. Das ist weit weit über Tarif und das geht schlichtweg auch nicht und der hat auch nicht die Leistung dafür gebracht, nicht ansatzweise. Und da war ich halt froh, dass ich den Herrn XXX auch übernehmen konnte.

GINKO:

Und welche Voraussetzung muss denn ein hörbehinderter Mitarbeiter erfüllen um solche Leitungsfunktionen übernehmen zu können?

Arbeitgeber:

Also gut, ja das liegt nach wie vor an der Art und am Charakter. Das heißt also der Herr XXX ist halt auch hier als normaler Auszubildender gekommen, war also noch jugendlich unbefangen, oder wie soll ich sagen. Und der hat halt durch seinen Einsatzwillen, hat er dann halt auch seine Sachen so gemacht, auch zuverlässig, sauber ausgeführt und wenn da jemand da in eine Führungsposition da rein will, dann muss er natürlich dann irgendwo, A erst einmal seine Arbeit sauber beherrschen, muss zuverlässig sein und sollte nicht so sein, dass ich als Arbeitgeber dann permanent gucken muss, ob er seine Arbeit richtig und ob er genug, also wenn mal was fertig sein muss sich dann auch selbst sich dahinter hängt und es nicht einfach liegen lässt und denkt: "Morgen ist auch noch ein Tag." Und ich verpasse einen Termin und der Kunde ist weg. Oder ob er dann eigenständig sagt: "Okay, dann mache ich halt heute so lange bis es fertig ist und dann kann ich immer noch danach frei haben." Das ist halt bei ihm so und hat dieses Verantwortungsbewusstsein einfach, dass er sagt: "Ok, wir machen das nicht zum Spaß, oder wir machen das jetzt nicht, damit wir dem Chef einen Gefallen tun, sondern das ist ein Kunde, dem wir eine Dienstleistung erbringen und die muss qualitativ hochwertig sein und pünktlich erfolgen." Wenn jemand das verinnerlicht hat und das hat der Herr XXX von sich aus schon, mehr als ich A erwartete hätte und B mehr als ich gefordert hätte, dann ist er absolut dafür geeignet, also das ist das Beste, was einem passieren kann. Also es gibt sicherlich viele Leute in Führungspositionen, die das nicht mitbringen. Wie gesagt, das hat in dem Fall rein gar nichts mit der Hörbehinderung zu tun. Ich weiß nicht, wie viel mehr ihn motiviert, zu zeigen was er kann, weil er diese Behinderung hat, das kann ich jetzt nicht so beurteilen. Aber es ist einfach sein Charakter von der Art her. Und das muss man, wenn man schwerbehinderte Menschen vor sich hat, dann irgendwie auch mal…, man kann es nicht erkennen, man kann es nur erfahren während der Arbeit. Aber wenn man dann mal neutral drauf guckt, dann findet man Leute, die sehr engagiert arbeiten und die Schwerbehinderung im Nachhinein eigentlich völlig wurscht ist.

GINKO:

Spielt in Leitungsfunktionen auch die Kommunikationsfähigkeit eine Rolle?

Arbeitgeber:

Ja gut, ich meine in dem Fall, wie gesagt, hat er halt viel mit Hörgeschädigten zu tun. Er hat eine sehr starke Mimik, muss man sagen. Das heißt, es hilft auch noch mal Sachen auszudrücken. Es hilft mir natürlich öfter mal Sachen zu verstehen. Also der gebärdet nicht nur, sondern er hat auch eine sehr starke Mimik. Und klar, man muss kommunikativ sein, es ist egal, ob man sich nun mit Gebärden ausdrückt in Französisch, Spanisch oder in Deutsch, das ist wurscht. Das muss man schon. Und er sagt auch, er hat sich das auch angewöhnt, wenn irgendwas ihm nicht passt, was ein Auszubildender macht und wie gesagt die testen ihre Grenzen, dass er frühzeitig das anspricht. In dem Fall dann halt in der Gebärdensprache. Aber da muss schon kommunikativ und proaktiv, wie das so schön heißt, sein und auf Probleme zugehen.

GINKO:

Wie sieht denn das aus, mit den Kollegen aus anderen Bereichen? Wie funktioniert das da mit der Kommunikation?

Arbeitgeber:

Also am meisten hat er zu tun mit den Druckern. Je nachdem, wie engagiert ein Drucker ist, desto mehr Gebärdensprache kann er. Wir haben zufällig - das war aber erst rausgekommen nachdem wir überhaupt mit ersten Hörgeschädigten zu tun hatten - er hat einen Freund gehabt, der auch gehörlos war, ganz früher mal und konnte noch ein bisschen Restgebärdensprache, aber den Rest hat er sich angeeignet. Und wenn dann jemand Interesse für die Leute hat, die wir haben haben zum Glück das Interesse oder sind halt so vom Menschlichen, dass sie da Spaß dran haben, die unterhalten sich ganz normal über Gebärdensprache. Und das funktioniert. Also der Herr XXX fordert hier und da natürlich auch gerne eine Gebärde. Das ist halt eine Frage, in einem anderen Betrieb, ob die dann nicht sagen: "Lass mich mit deinen Gebärden in Ruhe." oder "Schreib es auf und versuch mich zu verstehen." Das kann ich nicht beurteilen und oft ist es halt so, dass es eigentlich gerade auch in der Druckerei relativ einfach ist mit Gebärden. Also es ist ja eine relativ begrenzte Anzahl, die man können muss, um sich, sage ich mal im Arbeitsleben, was die Aufträge angeht, verständlich zu machen. Also bei den meisten hier reicht das, aber bei mir reicht das auch so, dass der Herr XXX auch einen Witz erzählen kann und man versteht ihn immer noch. Also das erweitert sich mit der Zeit, wenn man das benutzt.

GINKO:

Ein hörbehinderter Mitarbeiter oder Herr XXX möchte bei Ihnen einen neuen Aufgabenbereich übernehmen. Welche Möglichkeiten hätte er?

Arbeitgeber:

Ja gut, das ist bei uns, also Buchbinderei sieht so aus, dass wir eigentlich maschinentechnisch immer auf dem aktuellen Stand sein müssen, das heißt wir müssen eigentlich permanent gucken, dass er mit den Maschinen weiter klar kommt. Es gibt neue Maschinen, die dazu kommen. Es heißt im Buchbinderbereich, wir haben eine Konvertiermaschine dazu gekriegt, also ein ganz anderer Themenbereich. Wir haben noch dazu bekommen eine, wo Beschichtung auf Papier gemacht wird, die auch zum Buchbinderbereich gehören, aber nicht in allen Firmen oder eigentlich in den wenigsten vorhanden sind. Aber halt so generell auf die Branchen haben wir immer versucht oder mal überlegt, ob der Herr XXX vielleicht eine Meisterprüfung machen könnte, die Gedanken sind aber daran gescheitert, dass es schlichtweg einfach keine Chance gibt, irgendwie für einen Gehörlosen eine Meisterprüfung einzureichen. Da ist also überhaupt nichts in der Industrie und Handelskammer irgendwie vorgesehen oder das da irgendwelche Chancen bestehen, das irgendwie anzugehen. Also weil da überhaupt keine Infrastruktur für da wäre. Das wäre eine Option gewesen, hätte auch einen gewissen Reiz ausgemacht, da wahrscheinlich den 1. gehörlosen Buchbindermeister zu haben, aber irgendwann haben wir das dann einfach nicht mehr weiterverfolgt, weil das wäre schon sehr, da hätten wir schon sehr pionierhaft da durch die verstaubten Strukturen fegen müssen, um da irgendwie so was hinzukriegen.

GINKO:

Wo läge da das Hauptproblem?

Arbeitgeber:

Kommunikation im Prinzip. Also das Hauptproblem war dann die Kurse zu besuchen, das müsste dann komplett über einen Dolmetscher erfolgen, dann, ich weiß gar nicht, was da noch an Sachen war, die ganzen Prüfungen und so weiter. Das war alles nicht ansatzweise irgendwie…, dass man das hätte anpassen können. Bei der Berufsschule von den Hörgeschädigten gibt es ja so gewisse vereinfachte Prüfungsformulare und das kommt denen auch recht entgegen und das ist da schon einfacher zu händeln. Also es ist schon drauf eingestellt, dass es ein bisschen vereinfacht ist. Und in dem Bereich ist dann überhaupt nichts vorgesehen. Und da war auch die Industrie- und Handwerkskammer. Die waren also hauptsächlich mit der Anfrage überfordert. Also überhaupt sah es jetzt nicht so aus, als hätte man da irgendwas machen können.

GINKO:

Die Initiative, ging die von Herrn XXX aus oder kam die von Ihnen?

Arbeitgeber:

Nein, also die Idee kam aus meiner Richtung und er fand das auch eine gute Idee irgendwie, aber das ist relativ früh abgeblockt worden. Also es ist nicht zwingend notwendig, hätte aber einen gewisse Charme gehabt einfach, wenn er da weiter gemacht hätte.

GINKO:

Welche Qualifizierungsmaßnahmen stehen denn Herrn XXX oder auch anderen hörbehinderten Mitarbeitern hier zur Verfügung?

Arbeitgeber:

Grundsätzlich machen wir dies natürlich im Hause, wenn wir eine neue Maschine bekommen, dann gibt es natürlich eine entsprechende mindestens eintägige Einweisung. Wir haben jetzt eine neue Schreibmaschine bekommen. Dann gab es jetzt eine entsprechende, eine komplette eintägige Einweisung in die Maschine. Was ja dann auf die entsprechenden Maschinen dann ein gewisser Fortbildungskurs ist. Also die meisten Kurse und Weiterbildungen beziehen sich natürlich auf die Maschinen, die wir hier dann haben. Und wir tauschen relativ häufig die Maschinen und erweitern. Haben im vergangen Jahr viel erweitert. Und das ist eigentlich so das Wesentliche der Qualifizierung. Wir haben auch noch einen Buchbindermeister, der natürlich permanent immer bei, gerade bei spezielleren Sachen ihm dann noch einmal Anleitung gibt und ihm so die Tricks vermittelt, die er aus seiner Eigenschaft als Meister dann weiß. Ansonsten, wenn Herr XXX jetzt sagen würde: "Hier, den und den Kurs würde ich jetzt gerne machen, damit ich das und das kann, das irgendwie sinnvoll ist." Dann könnte man natürlich so einen Kurs machen. Aber aktuell, das meiste bezieht sich schon auf die Maschinen hier und jedes Mal, wenn was neue angeschafft wird, dann ist in dem Kaufpreis immer inkludiert eigentlich eine Einweisung von mindestens ein oder zwei Tagen. Wo dann halt der Maschinenbediener und das ist immer in erster Linie er plus weitere Leute, dann auch in die Maschine und in die Funktionsweise eingearbeitet werden.

GINKO:

Und wer macht das?

Arbeitgeber:

Das machen die jeweiligen Hersteller. In der Regel schicken die dann da Techniker oder Instruktoren, die das dann erklären. Also es gibt meistens drei, vier Firmen, weil die größeren Firmen sind wirklich, die nichts anderes machen als in diese Maschinen einweisen.

GINKO:

Haben Sie da Unterstützung für die Kommunikation?

Arbeitgeber:

Bei so komplexen Sachen, also bei der Schneidemaschine, haben wir ehrlich gesagt da gar nicht gesondert drüber nachgedacht, da hätte man noch einmal einen Dolmetscher dazu bestellen können, aber natürlich klar, wenn wir einen Dolmetscher brauchen, für eine Einweisung ist das eigentlich nie ein Problem, weil wir über Arbeitsagentur oder über Landschaftsverband, also es wäre da nicht das Problem, die Kosten erstattet zu bekommen und dann auch entsprechende Dienstleistungen da in Anspruch zu nehmen. Aber da würden wir jetzt nicht auf den Kosten hängen bleiben, wenn wir mal einen Dolmetscher brauchen würden. Ist jetzt auch nicht der riesen Faktor, aber wie gesagt ist de facto so, da habe ich jetzt kein Problem und da gibt es genug Ansprechstellen, wo man sagen kann: "Hier wir brauchen einen Dolmetscher für die Einweisung." Das wird also auch immer bezahlt. Also im Moment habe ich immer mal ein Gespräch mit einer Dolmetscherin und dem Herrn XXX, einfach sicherheitshalber, wo man sich dann normal ins Büro setzt und guckt, was da gerade aktuell ansteht, ob es Probleme gibt oder was sonst so zu regeln ist. Und das ist manchmal hilfreich, statt jetzt in der Halle mal bei so zwischen Tür und Angel oder halt auch meinen begrenzten Gebärdenwortschatz. Manche Zusammenhänge sind natürlich so komplex, dass ich da einfach nicht alle Vokabeln habe. Es ist hilfreich, dass man uns da auch laufend unterstützt und ich sehe im Moment noch nicht, dass ich irgendwann mal sage: "Jetzt reicht´s." sondern es ist eher eine Sache, die laufend ist. Das ist halt einmal im Monat ein einstündiges Gespräch und da kommen auch öfter mal Sachen auf den Tisch, die man sonst einfach vergisst. Oder wo man dann die Ruhe für hat.

GINKO:

Der nächste Punkt sind die Herausforderungen am Arbeitsplatz. Die Beschäftigung hörbehinderter Mitarbeiter ist ja nicht alltäglich, welche Herausforderungen ergeben sich für
Ihr Unternehmen?

Arbeitgeber:

Also im Arbeitsalltag, bei manchen Geräten haben wir optische Warnsignale oder wir haben für die Klingel mit optischen Warnsignalen, also mit einer Rundumleuchte versehen, damit auch die Hörgeschädigten sehen, wenn einer klingelt. Und sonst muss man natürlich hier und da vermehrt aufpassen. Das heißt, wenn man mit der Palette auf jemanden zurollt, kriegt der halt das akustisch nicht mit, dann muss man halt hier und da schon mal aufpassen, dass derjenige das mitkriegt durch Antippen oder sonstige Sachen, das ist also einfach so. Selbst wenn ein Gerät, was ein Rollgeräusch macht oder so was, Rufen bringt in der Regel bei den Meisten dann auch nichts. Da muss man schon gucken, dass man die Leute darauf aufmerksam macht oder jemand anderes zugibt, dass derjenige Bescheid sagt, wo derjenige halt in die Richtung guckt gerade. Von der Wahrnehmung her muss man natürlich gucken, also wir haben bis jetzt noch keinen einzigen Arbeitsunfall hier gehabt in der ganzen Zeit. Und das sind jetzt auch sechs oder sieben Jahre mit Hörgeschädigten. Das sind halt so Sachen, die mir da einfallen. Ansonsten, wie gesagt, ansonsten die Aufmerksamkeit, also alles was im Augenbereich ist, ist halt eher höher bei den Hörgeschädigten. Weil die einfach das nahezu als einzige Wahrnehmungsquelle haben, konzentrieren sie sich ein bisschen mehr und dadurch ist die Wahrnehmung auch präziser. Also der Herr XXX hat direkt am Anfang, wo ich mich fast gewundert habe, wie das klappen soll, hat er sehr schnell mitbekommen, wenn die Maschine zum Stillstand kam, weil er einfach die Maschine beobachtet hat und nicht weil er gehört hat: rauscht sie noch oder ist sie schon am Stoppen? Also man muss klar immer mal wieder schauen, also wenn jemand da mehrere Sachen macht, dann kann er natürlich nicht von zwei Sachen gleichzeitig mitkriegen, ob alles so weiterläuft. Also nicht so schnell, wie wenn jemand hört. Aber in der Regel, wie gesagt, kriegen die das kompensiert und die Maschinen sind technisch auch so weit, also die haben so viele Sensoren inzwischen, die stoppen halt dann einfach ab, wenn ein Fehler auftaucht. Ganz früher die Maschinen, da ist das dann einfach weitergerauscht und hat einen riesen Knuddel gemacht und da war es dann schon sehr wichtig, dass man sehr schnell reagiert hat und das war bei Gehörlosigkeit natürlich etwas schwieriger, als wenn man vielleicht, sage ich mal, den Stopper hört. Also sonst haben wir eigentlich keine, wie gesagt, Telefon oder sowas oder dass man irgendwie Leute anruft. Gut, der Lärm ist da eh nicht so ganz traumhaft, es geht auch viel über SMS. Wenn mal was, also außerbetrieblich läuft. Im Betrieb selten, dass man intern ginge aber auch. Also wir arbeiten viel mit SMS halt und da kann man eigentlich auch ganz gut mit kommunizieren.

GINKO:

Inwiefern nutzen die betroffenen Mitarbeiter ihre besonderen Rechte?

Arbeitgeber:

Also eigentlich ist es so, es beruft sich, eigentlich von denen Leuten, die wir hier haben, eigentlich gesondert jetzt auf irgendein Recht. Also klar, die haben 30 Tage Urlaub statt 25, das ist normal. Aber ich habe jetzt noch keinen gehabt, der jetzt irgendwas sich irgendwie drauf berufen muss, dass er das und das jetzt in Anspruch nehmen kann, weil er eine Schwerbehinderung hat. Also eigentlich sind die meisten Leute eher so, dass sie eigentlich ganz normal arbeiten möchten und eigentlich gar nicht als schwerbehindert gelten müssen, wollen eigentlich.

GINKO:

Wie erfahren Sie denn vom Unterstützungsbedarf Ihrer Mitarbeiter, also wenn jetzt Ihre hörbehinderten Mitarbeiter irgendwas brauchen, auch um ihre Hörbehinderung zu kompensieren, wie erfahren Sie davon?

Arbeitgeber:

Also in der Regel ist es so, die meisten Hörgeschädigten gehen ja in Stadt XXX zur Schule, das heißt, wenn da irgendwas an Stützunterricht oder sonstige Sachen gebraucht wird, dann kriegen wir dann meistens Echo von der Schule. Da ist die Betreuung eigentlich ganz gut. Und viele sind auch im Stützunterricht. Was jetzt so ansonsten Hörgeräte-technisch geht, da habe ich eigentlich keine große Berührungen mit, außer dass jemand mal einen Arzttermin kundtut. Aber alles was so das technische angeht, Hörgeräte-technisch, das läuft eigentlich im Privaten. Und da haben wir als Arbeitgeber keinen Kontakt mit. Also da versorgen die sich selbst und kümmern sich drum. Machen da ihre Termine, wenn da ein Gerät eingestellt wird. Oder einer hatte da jetzt mit CI-Operation, also da ist jetzt nichts, was jetzt, das kriege ich zwar mit, aber da muss ich mich nicht aktiv drum kümmern, dass jetzt einer da irgendwie ein besseres Hörgerät kriegt oder sonst irgendwas. Habe ich nichts, und wenn sonst irgendwas ist, also das geht meistens immer über die Abteilungsleiter, vieles wird da schon geklärt, was da irgendwie an Problemen sein könnte. Also wenn es da brenzlig wird, dann muss ich mich da einschalten, wir kriegen bisher alles problemlos gelöst.

GINKO:

Also Sie haben ja gesagt, Sie haben optische Signalgeber. Und in bestimmten Situationen nutzen Sie auch einen Dolmetscher. Wie ist das? Kommen da die Mitarbeiter auf Sie zu und sagen: "Wir benötigen das.", oder?

Arbeitgeber:

Ja, im Prinzip, ich weiß jetzt gar nicht, wie es zu der Rundumklingel gekommen ist zum Beispiel, aber irgendwie ist dann aufgefallen, dass die Hörgeräte nicht am Klingeln teilnehmen. Das also da keiner irgendwie mehr darunter steht und eben aufmacht. Und manchmal ist halt vorne das Büro nicht besetzt oder derjenige ist unterwegs, dann sollten auch die in der Halle die Tür aufmachen können und da wir halt viele Hörgeschädigte haben, bietet sich das an. Ich weiß gar nicht, woher die Idee gekommen ist. Aber das wurde dann halt da beantragt und dann wurde das da installiert und dann war das halt so. Aber ich weiß jetzt nicht, klar die Mitarbeiter sagen schon mal, gerade der Herr XXX ist schon sehr aktiv. Und sagt: "Das und das ist ein Problem. Hier, das könnten wir im arbeitstechnischen im Allgemeinen…", aber das hat jetzt nicht nur mit Behinderung zu tun, sondern alles was irgendwie verbesserbar ist und so weiter, also der ist auch gut ausgestattet mit sämtlichen Werkzeugen und da das ja ein handwerklicher Beruf ist und wenn dann irgendwann mal ein Regal fehlt oder so was, dann ist es schon in der Regel so, dass ich dann das Material besorge oder halt ja das Geld schlichtweg zur Verfügung stelle und die eigenständig, auch der Herr XXX in den Baumarkt geht und dann holen sie sich die Sachen, die sie da brauchen und dann wird das gemacht. Und das ist natürlich auch eine Sache der positiven Einstellung. Es gibt halt auch welche, die sagen: "Ich muss das nicht machen, das gehört nicht zu meinem Berufszweig." Und der Herr XXX hat gesagt, "Hier die Halle ist eine Produktionshalle, aber schöner wäre natürlich, wenn wir die Wände so ein bisschen hell streichen würden." Hellgelb sind die jetzt aktuell und die Decken wenn wir die weiß streichen, dann reflektieren die besser, das ist dann attraktiver, vom Licht her wirkt das besser. Sieht halt schöner aus. Ist aber nichts, was ein Arbeitgeber jetzt klassisch machen würde oder müsste, weil eine Halle ist eine Halle und wenn die halt hellgrau ist oder mehr oder weniger weiß ist, dann ist die so in Ordnung, dann funktioniert die. Und wenn jemand sagt: "Hier Chef, wenn du die Farbe bezahlst, wir haben Zeit, dann malen wir das Ding an." Und so ist das dann gelaufen, das ist natürlich sehr schön, weil die Halle halt so eher wie ein Wohnzimmer ist, als wie eine Produktionshalle. Also sah viel schlechter aus und ist natürlich für das optische, für das Wohlbefinden dann natürlich auch nochmal gut und für die Lichteinwirkung. Und ist natürlich traumhaft, wenn ein Mitarbeiter sagt: "Wir haben eh Zeit, wir können den Kram besorgen, wenn Sie wollen, dann machen wir das." Und das ist halt eine tolle Einstellung, das hat man bei dem einen Arbeitnehmer vielleicht auch nicht, der denkt: "Ich arbeite hier, dann gehe ich nach Hause und gut ist. Und mehr als mein normaler Alltag habe ich keine Lust" und das ist halt dann so ein Unterschied zwischen einem guten Mitarbeiter und einem nicht so guten.

GINKO:

Können Sie sich an eine Situation erinnern, wo Sie auch mal einen Vorschlag abgelehnt haben, was ein hörbehinderter Mitarbeiter hier für sich benötigt hätte?

Arbeitgeber:

Also was technische oder behinderungsbedingte Sachen angeht, hat man immer den Vorteil, dass wenn das sinnvoll ist und mit der Behinderung zu tun hat, dann kann man das beantragen und dann kriegt man das in der Regel auch gefördert. Da ist also die Unterstützung schon so weit, dass wenn ich jetzt sage: "Ich brauche an der Druckmaschine eine Klingel, also eine Rundumleuchte, damit die das sehen.", dann wird das bezahlt, da gibt es eigentlich keine…, also alles was sinnvoll und nicht übertrieben ist, wird auch bezahlt. Und von daher haben wir da nichts, also es ist da noch nie was abgelehnt worden oder würde ich auch nie ablehnen. Also klar wenn natürlich jetzt ein Mitarbeiter sagt: "Kommt, ich hätte gerne die Vorhänge von Ikea, die sehen so schön aus an den Fenstern." Und ich sage: "Die sind aber nicht brandschutzgeeignet." Man kann natürlich nicht alles kaufen und man muss natürlich auch ein bisschen wirtschaftlich denken, dann klar, dann sage ich auch: "Das geht leider nicht, das macht keinen Sinn.' Aber ansonsten, also alles was behindertentechnisch ist, wäre ja auch gar kein Problem, das wie gesagt unterstützt zu bekommen. Wenn da was benötigt wird.

GINKO:

Woher erhalten Sie Hilfe bei der Förderung Ihrer hörbehinderten Mitarbeiter?

Arbeitgeber:

Also wir haben ganz verschiedene Ansprechpartner. Wir haben einmal klar den Landschaftsverband mit dem Integrationsfachdienst, der ja so als direkter Ansprechpartner ist. Dann die Arbeitsagentur, dann gibt es noch die Fürsorgehilfestelle und das war es im Groben. Aber das sind ja vier Ansprechpartner im Prinzip, also alles was arbeitstechnisch ist, geht ja über die Arbeitsagentur, also wenn ich jetzt irgendwas für einen Mitarbeiter brauche, was er für seine Arbeit behinderungstechnisch braucht, dann geht das in der Regel über die Arbeitsagentur. Und wenn die da sich sträuben oder da keine Lust mehr zu haben, aus welchen Gründen auch immer, dann springt auch irgendwann da auch der LVR noch einmal ein. Also alles war behinderungstechnisch benötig wird, das kriegt man. Also es ist ja auch Sinn der Sache, dass man eben keine Nachteile dadurch hat, wenn einer sagt: "Ich brauche da mal eine Klingel." Oder das ist ja manchmal auch echt teuer, eine Druckmaschine zusätzlich mit einer Lampe zu versorgen, was gar nicht vorgesehen ist. Dann muss man schon mal mehr ein bisschen mehr in die Schaltkreise rein. Das ist auch teuer und es ist auch sinnvoll, dass man da als Arbeitgeber keine zusätzliche Belastung hat.

GINKO:

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Behörden?

Arbeitgeber:

Eigentlich, ja sagen wir so, wenn man da mehr mit zu tun hat, dann ist es natürlich etwas leichter. Die Behörden, viele Teile, mehr Arbeitsagenturen als jetzt der LVR, sind ja eher so Beantragungsbehörden. Das heißt, wenn man einen Antrag erhält, dann kriegt man auch Unterstützung oder kann bestimmte Sachleistungen bekommen. Wenn man den Antrag nicht stellt, es kommt keiner vorbei und sagt: "Hier, was kann man für Sie tun und wie kriegen wir das am besten hin. Und wie läuft es am besten." Oder "Was wollen Sie wissen, dann erklären wir Ihnen, wie es geht.' Sondern Sie stellen einen Antrag und dann kriegen Sie es oder kriegen Sie es nicht. Aber es ist nicht so, dass man da am Händchen geführt wird. Ganz im Gegenteil, also da ist die Kommunikation manchmal recht mühselig. Und die Arbeitsagenturen sind auch nicht immer so kooperativ. Also gerade wir, weil wir mehr ausbilden, da kam auch schon oft, dass die gesagt haben: "Ja, Sie bilden ja viel aus und dann wäre es ja schöner, wenn wir einen neuen Betrieb finden würden, statt jetzt uns in einem höheren Maße zu fördern bei der Ausbildung bei den Löhnen und da wird man irgendwann auch sauer, weil man irgendwann auch mal denkt: "Wenn andere ausbilden würden, dann hätten wir das Problem ja gar nicht." Also es bildet ja de facto kaum einer aus. Wir sind de facto in XXX einer der Betriebe, der am meisten Hörgeschädigte ausbildet. Wir sind ein kleiner Betrieb und das ist eher traurig, dass andere das nicht machen oder nicht in dem Umfang. Und dann fangen die Agenturen an und versuchen, dann auch irgendwie zu feilschen und ich denke mir, wenn man eine Aussicht sehen könnte auf dem Arbeitsmarkt, dann ist das ja eine super Sache. Weil Fakt ist, wir bilden mehr aus, als wir brauchen, also ich bräuchte die nicht. Und bin auch oft auf bestimmte Unterstützung angewiesen, damit ich das halbwegs auch kostendeckend machen kann, sonst könnte ich nicht so umfangreich ausbilden. Das wird dann manchmal interpretiert, ich weiß nicht, dann denke ich manchmal, wenn ich nur das nehme an Auszubildenden, was ich brauchen würde, dann hätte ich die Hälfte der Mannschaft. Aber so ist es eigentlich eine ganz angenehme Konstellation, die eigentlich jedem helfen sollte, nur man hat dann doch eben Gegenwind, wo man denkt: warum? Weil eigentlich sollte das im Interesse eines Jeden sein.

GINKO:

Die Erfahrungen die Sie machen, bei der Ausbildung der hörbehinderten Mitarbeiter oder auch der Beschäftigung der festangestellten Mitarbeiter mit Hörbehinderung. Gibt es denn da einen Erfahrungsaustausch mit den Behörden oder mit anderen Stellen?

Arbeitgeber:

Also weder noch also mit anderen Betrieben schon gar nicht. Also wenn mal irgendwie eine Veranstaltung stattfindet, dann ist man überhaupt nur einen Tag da. Das heißt, dass dann andere Inhaber unter Umständen mal nachfragen oder irgendwas erzählen oder wenn da mal eine Veranstaltung vom Landschaftsverband oder bei der Metro, die sehr viel machen, da gab es halt da war ich bei einer Podiumsdiskussion. Da ist dann was, aber ansonsten hält sich das in Grenzen. Ich weiß nicht, inwieweit der IFD und der LVR seine Erfahrungen da mitnimmt und weiterverbreitet, aber wir haben auch relativ wenig Kontakt zum IFD, weil wir halt schon so weit in dem Thema drin sind, dass wir für die reine Beantragung da jetzt keine Hilfestellung mehr brauchen und das eigentlich direkt mit dem Landschaftsverband machen. Und da beantragen wir halt Sachen und da wird dann gefragt, was geht und was nicht geht, aber die reine Erfahrung in der täglichen Ausbildung in dem täglichen Arbeitsleben, die wird eigentlich nicht besprochen. Früher ist der IFD, wenn es mal Probleme gab, vorbeigekommen, hat gedolmetscht oder vermittelt. Aber so einen Erfahrungsaustausch in dem Sinne, dass ich sage, das und das ist ein Problem bei Hörgeschädigten und das und das klappt gut, eh jetzt gesondert, explizit nicht.

GINKO:

Das letzte Thema "Gesetzliche Vorgaben". Das SGB IX und die UN-Behindertenrechtskonventionen sie sind ja nun seit mehreren Jahren in Kraft. Wenn Ihre hörbehinderten Mitarbeiter Unterstützung benötigen, inwiefern werden die gesetzlichen Vorgaben diesen Anforderungen auch gerecht?

Arbeitgeber:

Also sagen wir so, ich weiß nicht, ob ich die Frage richtig treffe, aber der Landschaftsverband ist schon recht bemüht. Was die finanzielle Ausstattung angeht, habe ich den Eindruck, dass die schon sehr viel tun, um da Arbeits-, und Ausbildungsplätze zu fördern. Was eigentlich fehlt, wäre, dass teilweise auch der IFD hier was übernimmt. Es gab auch Veränderung, was ich nicht mehr machen kann oder soll, halt tatsächlich diese Vermittlung, diese Beratung, was so diese Möglichkeiten mit angeht. Es fehlt noch so ein bisschen ein Konzept, dass man sagt: "Was könnte man denn machen? Können wir da noch eine Ausbildungsstelle mehr, oder können wir die nicht mehr einrichten?" Das fehlt da so ein bisschen. Ich habe da so ein bisschen den Eindruck, wenn ich da sage: "Okay, ich kann das und das mal machen.", dann wird das in einem Antrag gerne angenommen, aber da sagt keiner: "Wie können wir das als Konzept machen? Wie kann man dies machen?" Da wird nichts geplant oder da wird nichts irgendwie strategisch begleitet. Also es wird immer nur fallweise, da kriegen wir den eingestellt, machen wir klasse und da kriegen wir die und die Zuschüsse. Und dann kann man das beantragen. Oder wie auch immer, aber da ist irgendwie keine strategische Ausrichtung. Also das fehlt so ein bisschen, dass ich das Konzept da irgendwie mit jemandem auch so ein bisschen absprechen kann. Was man fordert, was man realisieren kann, gerade jetzt bei uns, wo man halt ein gewisses Volumen hat, ist das halt so ein bisschen Mangelware.

GINKO:

Also wünschen Sie sich mehr Beratung über die gesetzlichen Möglichkeiten, die Sie haben?

Arbeitgeber:

Also theoretisch die Möglichkeiten weiß ich, also was ich beantragen könnte und so weiter, weiß ich. Also wir sind im letzten Jahr hingegangen und haben relativ viele Anfragen für Hörgeschädigte oder Resthörende, die Mediengestalter machen wollten, weil das einfach ein super begehrter Beruf ist und der ist auch begehrt bei Gehörlosen. So und da kam es dann irgendwann mal, weil ich einen Kontakt hatte, bis zur den oberen Rängen beim Landschaftsverband über diese Veranstaltung, wo ich auch mal auf dem Podium aufgetreten bin, dass man da direkt nachfragen konnte. Das ist so mein Kontakt, den ich da habe, den aber auch nicht jeder hat. Und da war halt immer die Überlegung, weil wir so viele Anfragen haben, dass wir gesagt haben, wir könnten vier Plätze mehr einrichten, dann müssten wir aber auch jemanden haben, der das Ganze betreut. Und da wurde eben ein Zuschuss in Richtung der Betreuungskraft gegeben. Das war mal sowas, wo man sagt, das war strategisch und das sollte man auch so weiter ausbauen. Aber das war jetzt aufgrund eines Kontaktes, den ich hatte, aber so dass das grundsätzlich bei größeren Projekten oder bei größeren Firmen, die mehr einstellen, wie gesagt, da ist nichts irgendwie mit Strategieplanung, da vermisst man so manchmal die Strategie.

GINKO:

Wo sehen Sie denn für die Teilhabe von Hörgeschädigten den dringlichsten Änderungsbedarf?

Arbeitgeber:

Also, was so die Hauptschwachpunkte bei den Hörgeschädigten sind, ist schlichtweg die Schulausbildung, die ist katastrophal. Ich weiß nicht, worauf das zurückzuführen ist, aber es ist teilweise einfach so, wenn bei den Gehörlosen die Grammatikkenntnisse nicht vorhanden sind, dann haben die einfach keine Chance, irgendeine vernünftige Ausbildung zu machen, weil sie es einfach nicht auf das Papier kriegen und dann müsste eigentlich frühzeitig darauf geachtet werden, dass die genauso wie andere oder sogar vermehrt in der Lage sind, sich schriftlich auszudrücken. Weil sonst haben die gar keine Chance bei irgendwelchen Bereichen. Wir haben eine einzige Auszubildende hier, die ist im Buchbinderbereich allerdings, da ist wohl die Mutter hingegangen und hat sie mit zwei Dolmetschern zu einer Regelschule geschickt. Da muss man schon charakterlich sehr stark drauf sein. Weil wenn man da so mit einer Eskorte von zwei Dolmetschern anrückt, dann muss man schon Selbstbewusstsein haben. Und das hat das Mädel. Und wenn die mir eine E-Mail schreibt, ist die grammatikalisch auf einem absolut hohen Level, wie ich von einem sehr guten Hörenden gewohnt bin. So und wenn das, sage ich mal so, im normalen Bereich wäre, wie in einer normalen Schule einfach auch, dann hätten die auch ganz andere Chancen, nochmal im kaufmännischen Bereich unterzukommen. Also wir können 90 oder 95 Prozent aller Kommunikationen im kaufmännischen Bereich über E-Mail schaffen. Und die haben auch gar keine Chancen, in den kaufmännischen Bereich reinzukommen, weil sie schlichtweg die Schule dann gar nicht erst auf die Reihe kriegen. Und das ist so eigentlich das Hauptmanko, das ich da sehe, also dieser schulische Bereich bei den Hörgeschädigten. Weil sonst kann ich da eigentlich nichts sagen, also die Schule in Stadt XXX insbesondere bemüht sich, da gibt es ein Institut, was für die Stützkurse zuständig sind, die sich bemühen und die auch viel machen. Und da ist schon einiges. Das ist nicht so, dass man sagen muss, das läuft alles nicht, sondern hauptsächlich ist der Ansatz in der Schule da. Das ist so das Hauptproblem.

GINKO:

Welche Möglichkeiten sehen Sie noch, um hörbehinderte Mitarbeiter auf dem Weg zur Teilhabe im Arbeitsleben zu unterstützten?

Arbeitgeber:

Eigentlich, ich bin da nicht ganz auf dem Laufenden, aber der IFD ist in irgendeiner Funktion bisschen beschnitten, denn in der letzten Zeit, also irgendwie haben sie abgenommen. Früher hat es so funktioniert, dass jemand vom IFD halt in die Betriebe reingeht, versucht Praktika erst einmal zu bekommen und dann auf die Art und Weise die Leute in Ausbildung zu kriegen. Also das ist eigentlich das, wie es funktioniert. Also wenn ein Betrieb keine oder wenig Erfahrung hat, dann ist das keine andere Chance, als die Leute auf die Art und Weise in die erste Ausbildung zu kriegen. Und das hat bei uns recht gut funktioniert und hat sich danach zu einem Selbstläufer noch entwickelt, aber halt in der Richtung ja, kann das nur funktionieren, dass man da Betriebe anspricht. Das ist viel Arbeit, aber anders geht es nicht. Also eine andere Möglichkeit da, also die Zuschüsse, das weiß, denke ich mal jeder, dass es welche gibt, aber die Frage ist auch, ob jemand die Relation von Arbeitsaufwand zu Zuschüssen dann so sieht. In der Regel, wenn man halt nicht weiß, ob man da gut Mitarbeiter kriegen kann und natürlich auch bereit ist, sich mit denen so zu beschäftigen und die so zu motivieren, dann werden die meisten eher sagen: "Das ist mir zu viel Arbeit, da lass ich das mal lieber sein." Könnte natürlich jetzt so ein bisschen die Altersstruktur der Bevölkerung mit den Schwerbehinderten auch mal mit rein spielen. Dass natürlich dann vielleicht die Leute ein bisschen mehr suchen müssen und dann auch eher bereit sind, wenn sie überhaupt jemanden finden, dann jemanden, der halt ein Handicap hat, was sich aber dann beruflich nicht so dramatisch widerspiegelt, also das macht natürlich nur Sinn, Leute mit Handicaps in Berufen unterzubringen, wo man das kompensieren oder ausgleichen kann. Und wie gesagt, es gibt genug Tätigkeiten, die man trotz einer gewissen Behinderung ausführen kann und man muss den richtigen Beruf und das richtige Hilfsmittel finden. Dann klappt das bei vielen Sachen.

GINKO:

Wie sehen Sie die besonderen Schutzgesetze, haben diese vielleicht einen Einfluss auf die Entscheidung, jetzt einen hörbehinderten Mitarbeiter einzustellen, sei es in
Ausbildung oder fest?

Arbeitgeber:

Bei mir ist das jetzt in dem Fall nicht so ganz dramatisch, weil wir zuerst ausbilden und die Ausbildung hat normal den Vorteil: sie ist begrenzt, das heißt, der Anstellungs- oder Ausbildungsvertrag gilt halt erst einmal für drei Jahre. Man hat eine Probezeit wie bei jedem anderen auch, das heißt also, das Risiko, wenn einer nach drei Monaten und vorher auch schon Praktikum gemacht hat, wenn der sich da komplett verändert - in der Regel hat man das bis dahin raus, ob jemand überhaupt geeignet ist. Dann muss man halt bis dahin handeln. Und wenn jemand sauber durch die Zeit durchkommt, sich vernünftig verhält, dann muss man gucken, dass wir denjenigen in Griff kriegen. Also dass einer so einen Totalausfall macht, ist relativ selten. Also meistens zeichnet sich das vorher ab und wie gesagt, wenn einer sich komplett falsch verhält, ist das ein Fakt und kann man dem trotzdem kündigen, das ist kein Unterschied. Aber das ist sicherlich dann noch einmal eine andere Hausnummer, wenn man halt jemanden, den man fast nicht kennt, festeinstellen muss, der grundsätzlich noch eine andere Ausrichtung, Kündigungsschutz hat. Das ist sicherlich, denke ich mal auch ein Faktor, bei dem die meisten Arbeitgeber erst einmal Bedenken haben.

GINKO:

Das Gesetz legt ja auch fest, wie ein hörbehindertengerechter Arbeitsplatz auszusehen hat. Wie realisieren Sie die Anforderungen an einen solchen Arbeitsplatz?

Arbeitgeber:

Also, ich habe jetzt da ehrlich gesagt noch nicht reingelesen oder reingeguckt, weil wir eigentlich die Arbeitsplätze so ausstatten, wie wir das intuitiv denken, also der Arbeitsplatz so ausgestattet wird, wie für einen Hörenden und alles was jetzt an Alarmsignalen oder Sicherheitssachen ist, die also ein Gehörloser nicht hört, die haben wir nachrüsten lassen. Also das hält sich sehr in Grenzen. Die meisten Maschinen heutzutage sind immer so ausgelegt, dass wenn sie irgendeine Sicherheitskappe wegmachen, oder es muss so sein, dann stoppt die Maschine und Sie haben Displays, Sie haben alles schriftlich dokumentiert, also es gibt keine sprachgesteuerten, es gibt eigentlich nur Warnsignale und bei vielen Geräten ist es, also wenn es nötig wäre, wenn das Warnsignal so wichtig ist, dass es entweder Gesundheitsprobleme oder Maschinenprobleme gäbe, dann haben wir die in Vergangenheit auch immer durch Blitzlichter oder Rundumleuchten ersetzt. Aber ist relativ wenig der Fall und das ist eigentlich alles, was wir an Sonderausstattung brauchen. Sonst im täglichen Umgang guckt man natürlich, was ein Problem sein könnte und das versucht man zu beheben. Und sonst wie gesagt, muss ich zugeben, habe ich in das Gesetz nicht wirklich reingeguckt, weil es in der Praxis dann auch keine Probleme gab. Und ich weiß nicht, was da spannendes drinsteht. Ich denke mal, es wird eine allgemeine Formulierung sein, dass es halt so sicherheitstechnisch ausgestattet sein muss, dass es geeignet ist. Und das tun wir ja. Also das wird sicherlich keine konkrete Arbeitsanweisung hier sein, welche Geräte mit welchem Warnlicht auszustatten sind. Deswegen die allgemeinen Sachen sind eigentlich auch logisch im eigenen Interesse, weil ich möchte nicht, dass derjenige verletzt wird und ich möchte natürlich genauso wenig, dass eine Maschine kaputt geht, weil sie stundenlang eine Störung hat und die einen Defekt verursachen würde, also eigentlich ein logisches Eigeninteresse.

GINKO:

Ich bin dann eigentlich so ziemlich am Schluss. Ich habe jetzt noch so einen Ausblick. Wir sind jetzt im Jahr 2011. Wenn wir mal einen Blick in die Zukunft wagen, wie würden Sie die Situation Ihrer hörbehinderten Mitarbeiter in 5 Jahren beurteilen?

Arbeitgeber:

Ja im Moment, wie gesagt, ist es ja so, dass wir also da jetzt einen Festangestellten haben, der wird in 5 Jahren, da gehe ich relativ sicher von aus, noch weiter hier beschäftigt sein. Wir haben Auszubildende, die im Moment ja eine Ausbildung machen. Wenn sie fertig sind, also wir können nur einen gewissen Anteil übernehmen oder bestimmte Stellen durch Expansion ergeben sich erst, weil wir nahezu gar keine Fluktuation haben. Das heißt, die festen Stellen die wir im Moment haben, sind besetzt. Wir versuchen natürlich, noch ein bisschen zu expandieren, dann versuchen wir natürlich aus dem Pool der insbesondere hörgeschädigten Auszubildenden natürlich dann welche in die Festanstellung zu übernehmen. In 5 Jahren haben wir so grob geplant, könnten das dann noch einmal 2 Stellen sein, wenn alles planmäßig läuft. Und für die geht es dann ganz normal im Betrieb hier weiter. Die anderen müssten dann halt nachschauen, wenn sie die Ausbildung durchhaben, dass sie mit der Ausbildung, die wir hoffentlich hier sehr gut dann vermittelt haben, entsprechend weiter in dem Beruf oder in einem verwandten Beruf unterkommen können, aber als ausgebildete Kräfte und nicht als unausgebildete Kräfte. Das ist so in der Hinsicht die Perspektive.

GINKO:

Jetzt haben Sie erst ja schon angesprochen, Sie haben auch eine Mediengestalterin jetzt da in Ausbildung. Was könnte aus ihr werden?

Arbeitgeber:

Ja im Prinzip, wir haben mehrere Mediengestalter und das gilt für eigentlich für alle, dass die eigentlich schauen müssten, ob sie es kompensiert kriegen und als vollwertige Kraft, aber bei jedem Hörgeschädigten muss man einfach offen sagen, also die Chance haben die eigentlich bei Verbänden und Betrieben, die halt entweder die nötige Größe haben, um halt jemanden einen etwas eingeschränkteren Arbeitsbereich machen zu lassen oder eben die notwendige Zeit, Unterstützung im Verband, hatten wir auch schon einmal. Wo man ein Heft im Monat macht, wo man sagt, da brauchen sie einen für, aber da muss man nicht Volldampf arbeiten. Und da kann man auch hier und da Unterstützung anbieten. So, dann wäre das so was, wie eine geeignete Stelle. Ja, ich sehe "Mediengestalter" ist so ein schwerer Bereich, also auch für Hörende. Es gibt tausende Mediengestalter, es ist einfach ein Lieblingsberuf, den es schon lange gibt. Da ist es so oder so schwierig. Dann müssen sie so oder so gucken, wie sie in dem Bereich unterkommen. So, von daher, je nach Berufsart ist es mal besser, mal leichter oder schwieriger. Da muss man eigentlich gucken, wie die Wirtschaft sich entwickelt, welche Arbeitsstellen gefragt sind und eben was Ausbildung und Handwerk angeht, dass mehr der Mangel... Die sind eher froh, wenn sie überhaupt Leute finden, die geeignet sind. Und das wird sich ja später dann in den Berufen dann auch fortführen, dass dann auch die Festangestellten und die Arbeiter fehlen, sie werden da auch nicht genug finden, tatsächlich genug Möglichkeiten haben. Und das ist bei Hörgeschädigten halt immer leider so, dass die wahrscheinlich mehr in den praktischen Bereich reingehen als in Wissensberufe, weil sie einfach praktisch Sachen machen können, da ist die Grammatik nicht so von Nöten. Und gerade in der Produktion ist dann das Hören vielleicht unter Umständen ja ausgleichbar zumindest durch Geräte, Leuchten und so weiter. Dass das noch mal leichter wird und auch für die anderen wird es halt schwerer werden. Auch der Druckbereich ist ja nicht so super gut am Laufen. Die Branche wird auch eher kleiner und es ist natürlich auch sehr viel schwieriger, wenn weniger Betriebe da sind, die diese Tätigkeit ausführen. Aber für alle. Also sowohl für die Hörenden als auch für die Nichthörenden. Muss man gucken, dass man bei den Besseren dabei ist, dann wird man auch eine Stelle finden.

GINKO:

Vielen Dank für das Interview.

Arbeitgeber:

Sehr gern.



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Pb/110822



Informationsstand: 12.08.2014