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Angaben zum Praxisbeispiel

Beruflicher Werdegang eines Metallbearbeiters mit einer Gehörlosigkeit bei Mercedes-Benz

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber Mercedes-Benz gehört zur Daimler AG und produziert in seinem Geschäftsfeld Pkw und Transporter.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Jugendlichen:

Der Jugendliche erkrankte als einjähriges Kind an Meningitis (Hirnhautentzündung) und ist seit diesem Zeitpunkt gehörlos. Er ist nicht fähig akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, wahrzunehmen. Behinderungsbedingt müssen deshalb hörbare Informationen so verändert werden, dass sie von dem Jugendlichen optisch oder taktil wahrgenommen werden können. Eine Verständigung bzw. Kommunikation mit ihm ist über die Gebärdensprache oder das Lippenablesen möglich. Damit der Jugendliche die Lippen des Gesprächspartners ablesen kann, muss sich dieser ihm zuwenden und nicht zu schnell sprechen.

Übergang Schule - Ausbildung:

An einer Schule für gehörlose Personen erlangte der Jugendliche die Berufsbildungsreife bzw. den Hauptschulabschluss. Über bestehende Kontakte zwischen der Schule und der Schwerbehindertenvertretung des Unternehmens bekam der damalige Schüler die Möglichkeit ein Betriebspraktikum zu absolvieren. Nach drei erfolgreichen Praktika bewarb er sich zunächst schriftlich um einen Ausbildungsplatz beim Automobilhersteller. Aufgrund der Bewerbung und der guten Erfahrungen während der Praktika, lud das Unternehmen den Jugendlichen zum Vorstellungsgespräch ein. Mit Hilfe eines Gebärdensprachdolmetschers, welcher von der Schwerbehindertenvertretung einbezogen wurde, verlief das Vorstellungsgespräch ohne Schwierigkeiten. Am Ende des Bewerbungsverfahrens erhielt der Jugendliche einen Ausbildungsplatz zum Metallbearbeiter.
In REHADAT finden Sie auch Ausbildungseinrichtungen für gehörlose Menschen und die Kontaktdaten zu Gebärdensprachdolmetschern.

Ausbildung und Beruf:

An einem speziellen Berufskolleg für schwerhörige und gehörlose Menschen erlernte der Jugendliche die theoretischen Inhalte während der Berufsausbildung. In den mehrwöchigen Phasen des Blockunterrichtes wurde er im Internat des Berufskollegs untergebracht, da die Entfernung zwischen Wohnort und Berufskolleg für das tägliche Pendeln zu groß war. Im Ausbildungsbetrieb bzw. beim Automobilhersteller erfolgte der praktische Teil der Ausbildung. Dabei lernte der Jugendliche im Ausbildungsbereich (Lehrwerkstatt) und in den verschiedenen Abteilungen des Automobilherstellers unterschiedliche Fertigungsverfahren (Bohren, Drehen, Fräsen, Schweißen usw.) und Produktionsabläufe (Montage, Reparatur, Qualitätssicherung, Anlagenbedienung usw.) kennen. Dank seines schnellen optischen Auffassungsvermögens viel es ihm leicht die gezeigten bzw. gesehenen Arbeitsabläufe und Sachverhalte zu verstehen und umzusetzen.
Der theoretische Teil der Abschlussprüfung wurde im Berufskolleg durchgeführt, da dort geschulte Lehrer und entsprechenden Personen mit Gebärdensprachkenntnissen zur Verfügung standen. Außerdem wurden die Prüfungstexte in eine für hörgeschädigte Personen verständliche Sprache - unter Beibehaltung der Prüfungsinhalte - übersetzt, um die Auswirkungen der Gehörlosigkeit im Bereich des Sprachverstehens auszugleichen. Dies ist in der Regel erforderlich, da gehörlose Menschen Schwierigkeiten mit der üblichen rein sprachlich bedingten Formulierung von Texten bzw. Prüfungsaufgaben haben. Der praktische Teil der Abschlussprüfung fand dagegen im Ausbildungsbereich des Automobilherstellers statt. Auch hier war ein Gebärdensprachdolmetscher anwesend, der entsprechende Aussagen der Prüfungsaufsicht und Fragen des Auszubildenden übersetzte. Der Jugendliche schloss seine Ausbildung erfolgreich ab und wurde vom Automobilhersteller in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.

Arbeitsorganisation:

Bei Kommunikationsschwierigkeiten und speziell für Unterweisungen im Ausbildungsbereich (Sicherheitsunterweisung, Gruppengespräche usw.) stand einmal pro Woche ein Gebärdendolmetscher zur Verfügung. Auch die Einarbeitung am späteren Arbeitsplatz bzw. in der Arbeitsgruppe erfolgte mit Hilfe des Gebärdensprachdolmetschers. Um vorab Missverständnisse zu vermeiden, wurde die Arbeitsgruppe durch die Schwerbehindertenvertretung und den Gebärdensprachdolmetscher entsprechend auf mögliche Schwierigkeiten vorbereitet.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Metallbearbeiter wird im Schichtdienst an einem Teilabschnitt des taktgebundenen Fließbandes des Automobilherstellers als Monteur eingesetzt. In seinem Einsatzbereich arbeitet der Metallbearbeiter oft zusammen mit einem anderen gehörlosen Kollegen. Die Kommunikation zwischen ihnen erfolgt dabei über die Gebärdensprache. Die Kommunikation mit den anderen hörenden Kollegen und Vorgesetzten erfolgt über die Lautsprache bzw. das Lippenablesen, Gesten oder kurze schriftliche Texte. Im Falle einer Störung oder eines Notfalls wird der Metallbearbeiter entweder durch Lichtsignale oder Kollegen darauf aufmerksam gemacht.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung:

Der Arbeitgeber erhielt von der Arbeitsagentur Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung. Die Arbeitsagentur förderte zusätzlich die Kosten für das Internat und trug auch die Fahrtkosten während der Ausbildung, damit der Jugendliche am Blockunterricht im Berufskolleg für schwerhörige und gehörlose Menschen teilnehmen konnte. Die erhöhten Kosten für die Abschlussprüfung bzw. Prüfungsgebühren übernahm das Integrationsamt. Das Integrationsamt förderte bzw. fördert außerdem den Einsatz des Gebärdensprachdolmetschers.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Arbeitsagenturen und Integrationsämter.



Link:

Bundesagentur für Arbeit mit Informationen zum Beruf Metallbearbeiterin bzw. Metallbearbeiter



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Referenznummer:

Pb/110707



Informationsstand: 29.12.2010