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Ausbildungsformen

Ausbilderin schaut kritisch über die Schulter einer Auszubildenden am Computer

Ausbilden – wie möglich?

Junge Menschen mit Behinderung passgenau für einen Job qualifizieren – je nach Unternehmen, Beruf und Bewerber/in gibt es dazu unterschiedliche Ausbildungsformen.

Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf

Auch bei Jugendlichen mit Behinderung steht die Regelausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf an erster Stelle. In einigen Fällen können dazu spezielle Hilfen erforderlich sein, wie zum Beispiel

  • Einsatz von Arbeitshilfen,
  • Verlängerung der Ausbildungszeit,
  • Prüfungsmodifikationen oder
  • ausbildungsbegleitende Hilfen (abH).

Reichen diese Hilfen nicht aus, kommen Ausbildungen zum/zur Fachpraktiker/in oder Werker/in mit veränderten theoretischen oder praktischen Anteilen in Betracht.

Ausbildung in Teilzeit

In der Regel ist eine Berufsausbildung eine Vollzeitausbildung. Unter bestimmten Voraussetzungen können Azubis aber auch eine Teilzeitausbildung absolvieren. Dies ist beispielsweise möglich, wenn behinderungsbedingt eine ganztägige Ausbildung eine übermäßige Belastung darstellt. In diesem Fall kann sowohl bei der täglichen als auch bei der wöchentlichen Ausbildungszeit gekürzt werden, um die Belastung zu reduzieren. Die zu leistende Stundenzahl liegt dabei zwischen 20 und 30 Wochenstunden und kann wie folgend gestaltet werden:

  • ohne Verlängerung der Ausbildungszeit und mit einer Arbeitszeit von mindestens 25 Wochenstunden (inklusive Berufsschulunterricht)
  • mit Verlängerung der Ausbildungszeit um maximal ein Jahr und einer Arbeitszeit von mindestens 20 Wochenstunden (inklusive Berufsschulunterricht)

Eine Teilzeitausbildung wird gemeinsam vom Ausbildungsbetrieb und Auszubildender/m bei der zuständigen Kammer beantragt. Ob eine wöchentliche oder tägliche Verkürzung der Ausbildungszeit erfolgt und zu welchen Zeiten gearbeitet werden muss, besprechen Betrieb und Auszubildende/r miteinander und halten dies schriftlich im Ausbildungsvertrag fest.

Ausbildung zum/zur Fachpraktiker/in und Werker/in

Im Vergleich zu den Regelausbildungen können in Ausbildungen zum/zur Fachpraktiker/in oder Werker/in beispielsweise fachpraktische Inhalte stärker gewichtet sein, während die Fachtheorie reduziert wird. Welche Anteile stärker oder schwächer gewichtet werden, hängt von der Art der Behinderung bzw. der Einschränkung der oder des Auszubildenden ab. Die Ausbildungszeit kann ggf. auf zwei Jahre reduziert werden.
Wenn der Leistungsstand und die Behinderung es während der Ausbildung erlauben, kann die Ausbildung auch nach der regulären Ausbildungsordnung fortgesetzt werden.

Ausbildungsvoraussetzung für den Betrieb

Die Voraussetzung für die Ausbildung zum/zur Fachpraktiker(in) oder Werker/in in einem Beruf im Ausbildungsbetrieb ist, dass die zuständige Ausbilderin oder der zuständige Ausbilder eine Rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation für Ausbilder (ReZA) besitzt. Diese Zusatzqualifikation muss im Rahmen einer ca. 320 Stunden dauernden kostenpflichtigen Weiterbildung erworben werden. Da ReZA keine Prüfungsordnung beinhaltet, liegt es prinzipiell in der Kompetenz der Kammern, ob und auf welcher Grundlage ReZA anerkannt wird. Ausbildungen können beispielsweise auch von externen, qualifizierten Personen mit ReZA-Nachweis begleitet werden. Auch Betriebe, die die Ausbildung in Kooperation mit beruflichen Bildungseinrichtungen durchführen, müssen keinen Nachweis erbringen.

Zugang und Beantragung

Eine Ausbildung nach besonderen Regelungen für Menschen mit Behinderung muss bei der zuständigen Kammer (Handelskammer, Landwirtschaftskammer oder Industrie- und Handelskammer) durch den Jugendlichen oder die gesetzliche Vertreterin / den gesetzlichen Vertreter beantragt werden. Der Ausbildungsplatz muss zu diesem Zeitpunkt sicher sein.

Zunächst wird geprüft, ob mit entsprechenden Maßnahmen eine Regelausbildung möglich ist. Erst wenn deutlich wird, dass Art und Schwere der Behinderung entsprechende Ausbildungsregelungen erfordern, kann eine Ausbildung zum/zur Fachpraktiker/in oder Werker/in starten. Die Eignungsuntersuchung wird von der Agentur für Arbeit durchgeführt. Bei der Untersuchung werden Gutachten der Fachdienste der Agentur für Arbeit und Stellungnahmen der Schule berücksichtigt.

Ansprechpartner in der Agentur für Arbeit ist dabei die Berufsberatung für Menschen mit Behinderung bzw. das Reha-Team. Außerdem stehen Integrationsfachdienste bei Fragen beratend und unterstützend zur Seite.

Kooperative und Integrative Ausbildung

Diese Ausbildungsformen finden in Kooperation mit Bildungseinrichtungen statt, die auf die Ausbildung von Menschen mit Behinderung spezialisiert sind. Das sind zum Beispiel Berufsbildungswerke oder die Bildungswerke der Wirtschaft.

Die oder der Auszubildende schließt dabei den Ausbildungsvertrag mit der Bildungseinrichtung ab. Diese übernimmt den theoretischen Teil der Ausbildung. Die praktische Ausbildung findet teilweise oder ganz im Betrieb statt.

Der Unterschied zwischen kooperativer und integrativer Ausbildung besteht darin, dass bei der integrativen Ausbildung auch der praktische Teil der Ausbildung zum größten Teil beim Bildungsanbieter stattfindet.

Zur Ausbildung schließt der Betrieb einen Kooperationsvertrag mit der Bildungseinrichtung ab. Es können auch mehrere Betriebe beteiligt sein, in diesem Fall spricht man von einer Verbundausbildung. Diese Variante ermöglicht es kleineren Betrieben, die nur in Teilbereichen eines Berufsbildes ausbilden können, Jugendliche entsprechend der Vorschriften auszubilden. Die Anrechnung der oder des Auszubildenden auf die Ausgleichsabgabe bleibt bestehen.

Vorteile für Unternehmen

Es fallen weder Ausbildungsvergütung noch Sozialversicherungsbeiträge an. Das Fachpersonal des Bildungsträgers unterstützt den Betrieb während der gesamten Ausbildung.

Betriebe lernen so ohne Risiko motivierte Jugendliche mit Behinderung kennen und gewinnen mit der Bildungseinrichtung einen Kooperationspartner mit hohen didaktischen Qualitäten. Das kommt im Betrieb der gesamten betrieblichen Ausbildungspraxis zu Gute, denn was für Jugendliche mit Behinderung notwendig ist, ist in der Regel auch nützlich für Jugendliche ohne Behinderung.

Individuelle betriebliche Qualifizierung (InBeQ) im Rahmen Unterstützter Beschäftigung

Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf, für die eine Ausbildung nicht in Frage kommt, können durch eine InBeQ für Tätigkeiten im Betrieb qualifiziert und später nach der eigentlichen Einstellung bei Bedarf durch eine Berufsbegleitung weiter gefördert werden. Es soll so erreicht werden, dass ein Arbeitsvertrag und damit eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zustande kommt und gesichert wird.

Zur Qualifizierung und Berufsbegleitung werden Jugendliche, entsprechend ihrer Fähigkeiten und den Anforderungen der Tätigkeit, gezielt von externen Fachkräften (zum Beispiel Mitarbeiter/innen der Bildungsträger und Job-Coaches der Integrationsfachdienste) betreut. Für den Betrieb und Jugendlichen entstehen dabei keine Kosten.

Berufliche Teilqualifizierung / Qualifizierungsbausteine

Einige Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) bieten im Berufsbildungsbereich berufliche Teilqualifizierungsmaßnahmen an. Die Teilqualifizierungen können auch außerhalb der WfbM in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes stattfinden. Es handelt sich dabei um inhaltlich und zeitlich abgegrenzte Lerneinheiten, die aus den Inhalten anerkannter Ausbildungsberufe entwickelt und von den zuständigen Kammern als sogenannte Qualifizierungsbausteine bestätigt werden müssen.

Die Teilqualifizierungsmaßnahmen können durchgeführt werden

  • innerhalb der WfbM
  • außerhalb der WfbM in einem Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes
  • in Zusammenarbeit mit der WfbM und anderen Bildungsanbietern

Dabei entstehen für Betriebe und Jugendliche keine Kosten.

Für abgeschlossene Qualifizierungsbausteine erhalten die Teilnehmer/innen in der Regel ein Zertifikat. Normalerweise bauen die einzelnen Bausteine nicht aufeinander auf. Sie können unabhängig voneinander absolviert werden. Erfolgreich abgeschlossene Qualifizierungsbausteine verbessern die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

So können Betriebe beispielsweise nach der Teilqualifizierung entscheiden, ob eine weitere Qualifizierung oder direkt ein Arbeitsplatz / Ausbildungsplatz angeboten werden kann.

Ansprechpersonen

Personen und Institutionen unter:

Autorin / Autor: (vh) 2017