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Außergewöhnliche Belastungen

Wenn Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerinnen aufgrund ihrer Behinderung weniger leisten können, entsteht Arbeitgeber/inne/n unter Umständen ein höherer personeller und/oder finanzieller Aufwand. Für den Ausgleich dieser so genannten Außergewöhnlichen Belastungen können Arbeitgeber/innen Leistungen für Personelle Unterstützung und/oder wegen Minderleistung* am Arbeitsplatz beantragen. Zuvor allerdings müssen alle anderen Hilfsmöglichkeiten ausgeschöpft worden sein.

Formen Außergewöhnlicher Belastungen

Man unterscheidet vor allem zwei verschiedene Formen der Außergewöhnlichen Belastungen:

  • Personelle Unterstützung: Manche schwerbehinderte Mitarbeiter/innen brauchen wegen ihrer Behinderung am Arbeitsplatz regelmäßige Unterstützung durch andere Personen wie beispielsweise Vorgesetzte oder Kolleg/inn/en. Eine außergewöhnliche Belastung liegt vor, wenn ein schwerbehinderter Mensch mehr Unterstützung braucht, als üblich ist, und wenn die Unterstützungsperson dem schwerbehinderten Menschen während ihrer Arbeitszeit in der Regel mindestens eine Stunde am Tag hilft. Das Integrationsamt zahlt Arbeitgeber/inne/n einen Zuschuss zum Ausgleich dieser Belastung. Wenn es im eigenen Betrieb keine Person gibt, die als Unterstützungsperson in Frage kommt, kann der schwerbehinderte Mensch Arbeitsassistenz beantragen.
  • Minderleistung: Es gibt Mitarbeiter/innen, die wegen ihrer Behinderung weniger leisten, als es im Betrieb üblich ist – wenn aufgrund einer Behinderung über längere Zeit mindestens 30 % weniger geleistet wird, nennt man das Minderleistung. Das Integrationsamt zahlt Arbeitgeber/inne/n einen Zuschuss als Ausgleich für die Belastung, die ihnen durch die Minderleistung entsteht (Minderleistungszuschuss* oder Minderleistungsausgleich).

*Der Begriff "Minderleistungszuschuss" wird künftig durch den Begriff "Beschäftigungssicherungszuschuss" (BSZ) ersetzt, Stand: 12/2015.

Voraussetzungen für den Ausgleich Außergewöhnlicher Belastungen

Es gelten folgende Voraussetzungen für den Ausgleich Außergewöhnlicher Belastungen in Form eines Zuschusses durch das Integrationsamt an den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin:

  • Der schwerbehinderte Mensch muss zu dem im SGB IX genannten besonders betroffenen Personenkreis gehören (SGB IX §§ 72, 75).
  • Der schwerbehinderte Mensch erhält das tarifliche bzw. ortsübliche Arbeitsentgelt und ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
  • Trotz der Notwendigkeit besonderer Betreuung bzw. der Minderleistung am Arbeitsplatz liegt noch ein wirtschaftliches Verhältnis zwischen Arbeitsentgelt und Arbeitsleistung des schwerbehinderten Menschen vor.
  • Es wurden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, den schwerbehinderten Menschen z. B. durch behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung, berufliche Weiterbildung, Umsetzung, Arbeitsorganisation, Einsatz technischer Arbeitshilfen, Training oder anderes mehr zu befähigen, ohne fremde Hilfe zu arbeiten und/oder eine ihrem Arbeitsentgelt entsprechende Arbeitsleistung zu erbringen.
  • Es kann dem oder der Arbeitgeber/in nicht zugemutet werden, die außergewöhnlichen Belastungen selbst zu tragen. Dabei sind u. a. die Aufwendungshöhe, die Betriebsgröße, die Erfüllung der Beschäftigungspflicht nach SGB IX und die Dauer der Betriebszugehörigkeit des schwerbehinderten Menschen und Möglichkeiten zur Lohnanpassung zu berücksichtigen.
  • Leistungen zur Abgeltung der Personellen Unterstützung und der Minderleistung können auch gleichzeitig gewährt werden.


Die Empfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) sowie entsprechende landesrechtliche Vorschriften (Ministerialerlasse, Verwaltungsrichtlinien) regeln die Details zu den gewährten Zuschüssen und zur Zuschusshöhe.

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(ml) 2017