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Angaben zum Praxisbeispiel

Umschulung einer Referendarin mit psychischer Erkrankung und Alkoholabhängigkeit zur Industriekauffrau

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist nach einer Umschulung ein Unternehmen, das medizinische Geräte vertreibt.

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Die Frau hat eine Borderlinestörung (Persönlichkeitsstörung) mit ständigem Wechsel zwischen einer Neurose und Psychose. Sie fühlte sich während des Referendariats in der Unterrichtssituation mit jugendlichen Schülern überfordert, da sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch die Funktion der Erzieherin übernehmen musste. Diese für sie als permanent empfundene Stress-Situation führte zur Alkoholabhängig und Ess-Störungen. Der Alkoholkonsum bedingte Selbstverstümmelungstendenzen sowie verschiedene Verhaltensauffälligkeiten einer Suchterkrankung. Die Frau ist behinderungsbedingt nur psychisch eingeschränkt belastbar (bei Stress, Leistungsdruck, Verantwortung usw.).

Ausbildung und Beruf:

Der Vater der Frau arbeitete als Schlosser und wollte, dass seine Kinder einmal 'etwas Besseres' werden als er. Das führte bei der Frau zu Überforderungen. Sie absolvierte ihr Abitur und studierte anschließend ein Lehramt der Sek. I, das sie mit dem 1. Staatsexamen beendete. Während des Referendariats traten dann Schwierigkeiten in erheblichem Maße auf. Durch die hohen fachlichen, erzieherischen und pädagogischen Aufgaben musste sie stressbedingt ihren Beruf bzw. das Referendariat vorzeitig beenden.

Im Vorfeld der beruflichen Rehabilitation fanden schon stationäre Behandlungen in Landeskrankenhäusern wie auch in einer psychosomatischen Klinik statt. Die Frau nahm auch, über ein Jahr lang, an einer ambulanten Psychotherapie in der Nähe ihres Heimatortes teil. Während einer stationären Behandlung gab der Psycho-Soziale Dienst der Klinik den Anstoß zur beruflichen Rehabilitation. Das zuständige Reha-Team der Arbeitsagentur war sofort mit der Durchführung der beruflichen Reha-Maßnahme einverstanden.

Nach Einschaltung der verschiedenen Fachdienste der Arbeitsagentur wurde die Durchführung einer Berufsfindung in einem Berufsförderungswerk (BFW) vereinbart. Das Gutachten dieses Berufsbildungswerkes kam u. a. zu dem Schluss, dass aufgrund derzeitiger mangelnder Belastbarkeit sowie aufgrund von Verhaltensauffälligkeit der Frau derzeit noch keine qualifizierende Umschulung empfohlen werden kann. Anschließend wurde die Frau in eine Trainingsmaßnahme für Menschen mit einer seelischen Erkrankung vermittelt, wo sie körperlich recht schwere Gartenarbeiten zu verrichten hatte. Hier fühlte sie sich völlig fehl am Platze, fühlte sich nicht leistungsadäquat eingesetzt, von männlichen Arbeitskollegen missverstanden und bedrängt, so dass es zu Krankheitsrückfällen kam.

Nach einem einjährigen Aufenthalt in der Trainingsmaßnahme nahm der dortige Soziale Dienst mit dem Reha-Team der Arbeitsagentur Kontakt auf. Hier wurde eine Umschulung zur Industriekauffrau, nach der erfolgreichen Durchführung eines dreimonatigen Reha-Vorbereitungslehrgangs (RVL) in Vollzeitform, bewilligt. Bereits zu Beginn des Reha-Vorbereitungslehrgangs wandte sich die Frau an den Psycho-Sozialen Dienst des Berufsförderungswerkes. Der Kontakt zum Psycho-Sozialen Dienst wurde von ihr kontinuierlich bis zur Abschlussprüfung aufrechterhalten. Krankheitsbedingte Fehlzeiten waren so kaum zu verzeichnen. Die Abschlussprüfung beendete sie mit befriedigendem Erfolg. Leistungsmäßig gehörte sie durchgängig zu den besten in der Klasse, und sie wirkte außerordentlich bildungs- und leistungsmotiviert. Die Ausbildung empfand die Frau zeitweise als ziemlich stresserzeugend. Sie gab an, vergleichsweise viel gelernt zu haben. Gut gefallen hat ihr das mehrmonatige Betriebspraktikum, wo sie einen realitätsgerechten Einblick in berufsspezifische Tätigkeiten gewinnen konnte.

Das im BFW durchgeführte Bewerbungstraining hat sie sehr ernst genommen und auch davon profitiert. Vier Monate nach Abschluss der Prüfung gelang es ihr, eine Tätigkeit als Industriekauffrau bei ihrem Arbeitgeber im heimatnahen Raum zu finden. Sie schildert ihre gegenwärtig ausgeübte Tätigkeit als ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten angemessen. Die beruflichen und auch privaten Erfolge führt die Frau auf die gut verlaufene Reha-Maßnahme zurück.

In einer Einschätzung des derzeitigen Arbeitgebers wird ihr korrektes und diszipliniertes Arbeitsverhalten positiv hervorgehoben, gleichzeitig aber auch die krankheitsbedingte mangelnde Flexibilität bei Terminarbeiten erwähnt. Weiterhin positiv vermerkt werden die in der Ausbildung vermittelten Kenntnisse, wodurch eine nur verhältnismäßig kurze Einarbeitungszeit nötig war.

Förderung und Mitwirkung:

Die Kosten für die Ausbildung im BFW wurden von der Arbeitsagentur getragen. Die Inklusion wurde vom BFW unterstützt und begleitet.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Telefonnummer der Arbeitsagenturen und Berufsförderungswerke.



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  • Therapie /
  • Umschulung /
  • Vollzeitarbeit /
  • Vorbereitungslehrgang

  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Ausdauer (psychisch) /
  • IMBA - Kontaktfähigkeit /
  • IMBA - Kritikfähigkeit /
  • IMBA - Kritisierbarkeit /
  • IMBA - Misserfolgstoleranz /
  • IMBA - Ordnungsbereitschaft /
  • IMBA - Teamarbeit /
  • IMBA - Umstellung /
  • IMBA - Verantwortung /
  • MELBA - Ausdauer (psychisch) /
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  • MELBA - Kritikfähigkeit /
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Referenznummer:

R/PB1755



Informationsstand: 11.02.2019