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Angaben zum Praxisbeispiel

Umschulung eines Ingenieurs der Elektrotechnik mit psychischer Erkrankung zum Bürokaufmann

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Stadtverwaltung.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mannes:

Der Mann hat eine psychische Erkrankung. Er hatte beispielsweise Probleme bzw. Angst in einen Bus zu steigen, da er sich eingesperrt fühlte und nur an den Haltestellen aussteigen konnte. Außerdem hörte er nicht real existierende Stimmen. Er besuchte deshalb einen Facharzt für Psychiatrie und wurde von ihm zur stationären Behandlung in eine psychiatrische Klinik überwiesen. Zunächst wurden seine psychischen Störungen mit Medikamenten, dann mit Hilfe von psychotherapeutischen Methoden, Arbeitstraining und autogenem Training, behandelt. Behinderungsbedingt sollte er keine psychisch stark belastenden Tätigkeiten (z. B. Führungsaufgaben und Projektarbeiten) mehr ausüben, die zu Stresssituationen führen.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann absolvierte nach Abschluss der zehnte Klasse eine Ausbildung zum Elektriker. Im Anschluss holte er seine Fachhochschulreife an einer berufsbildenden Schule nach. Nach der Bundeswehr studierte er dann Elektrotechnik an einer Fachhochschule und schloss mit guten Ergebnissen ab. Er arbeitete danach zunächst im Bereich Projektplanung mit einem überschaubaren Aufgabenbereich. Nach zwei Jahren wurde er zum Objektbeauftragten mit Führungsaufgaben befördert. Als Objektbeauftragter war er für die Leitung von zwei bis drei Gruppen von Beschäftigten verantwortlich und hatte ein umfangreiches Aufgabengebiet, zu dem u. a. die Bauanlaufberatung, die Materialversorgung und die Monatsabrechnungen gehörten. Trotz anfänglicher Zufriedenheit über die Führungsverantwortung kam es durch Probleme in seinem Aufgabenfeld, wie z. B. Termindruck und -verzug, zu hohen psychischen Belastungen, denen er nicht mehr gewachsen war. Durch zusätzliche private Probleme, die mit einer permanenten Überforderung im Beruf einhergingen, kam es letztendlich zu seiner psychischen Erkrankung.

Umschulung:

Nach der Entlassung aus der psychiatrischen Klinik durfte der Mann nicht mehr in einer leitenden Tätigkeit oder als Ingenieur arbeiten. Er arbeitete deshalb zunächst auf Montage als Elektromonteur beim alten Betrieb. Von den Kollegen und Kolleginnen erhielt er viel Verständnis und Unterstützung. Trotzdem konnte der Mann behinderungsbedingt auch nicht länger als Monteur in seinem alten Betrieb eingesetzt werden. Er wandte sich deshalb an die Arbeitsagentur mit dem Anliegen ihn bei der Suche nach einer anderen Beschäftigung zur Teilhabe am Arbeitsleben zu unterstützen. Die Arbeitsagentur vermittelte den Mann dazu an ein wohnortnahes Berufsförderungswerks (BFW). Durch eine Arbeitserprobung sowie Berufsfindung im BFW und den Ergebnissen entschloss sich der Mann zu einer Ausbildung bzw. Umschulung zum Bürokaufmann. Mit den Dozenten bzw. Dozentinnen und Ausbildern bzw. Ausbilderinnen kam er gut zurecht. Problematisch für ihn war ein Wechsel beim Ausbildungspersonal, da der damit verbundene Methodenwechsel für ihn eine besondere Umstellung bedeutete. In die Gruppe der zu Rehabilitierenden lebte er sich gut ein. Trotz seines komplizierten Krankheitsbildes verlief die Umschulung und das damit verbundene Praktikum planmäßig, ohne Rückversetzungen und Unterbrechungen. Zum Ende der Umschulung nahm der Mann im BFW auch an einem Bewerbungstraining teil. Nach dem Bewerbungstraining - noch vor der Abschlussprüfung - bewarb er sich frühzeitig auf drei Stellenausschreibungen. Von den drei Arbeitgebern bekam er zwei Zusagen. Er entschied sich für die Stadtverwaltung als Arbeitgeber und unterschrieb einen Arbeitsvertrag.

Eigendarstellung des Mannes zur beruflichen Inklusion:

'Das Lernen ist mit 40 Jahren nicht so einfach. Auch muss ich feststellen, dass ich früher viel ehrgeiziger war. Trotzdem macht es mir Freude logisch zu denken." Insgesamt war er mit seinen während der Ausbildung erbrachten Leistungen zufrieden. Die Bürotätigkeit macht ihm Freude, wie er bereits während des Praktikums festgestellt hat. Er ist viel weniger angespannt und belastet als in seiner früheren Tätigkeit. Hinsichtlich seiner Abschlussprüfung ist er zuversichtlich und freut sich auf den bereits zugesicherten Arbeitsplatz.

Förderung und Mitwirkung:

Die Umschulung wurde von der Arbeitsagentur gefördert. Die Inklusion wurde vom BFW unterstützt und begleitet.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Arbeitsagenturen und Berufsförderungswerke.



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Referenznummer:

R/PB1749



Informationsstand: 07.02.2019