Inhalt

in Praxisbeispielen blättern

  • Beispiel

Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsorganisation und Minderleistungsausgleich für einen Produktionshelfer mit Sehbehinderung

Arbeitgeber:

Das Unternehmen stellt Thermostatventile, Feinwasserfilter, Druckminderer, Sicherungsarmaturen sowie Raum- und Heizungsregelungen her.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist hochgradig sehbehindert. Bei ihm liegt ein Hornhautödem vor. Der Mann sieht, wegen des Ödems bzw. Wassers in seinen Augen, morgens alles verschleiert. Nach Aussagen des Mannes hat sich das Ödem durch eine lokale Therapie bis 10 Uhr soweit zurückgebildet, dass er seine Arbeiten verrichten kann. Er benötigt jedoch mehr Zeit beim Ablesen der Messgeräte. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 90.

Beruf:

Der Mann ist als ungelernte Hilfskraft bei dem Unternehmen beschäftigt.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation (Istzustand):

Zu den Arbeitsaufgaben des Mitarbeiters gehört der Kantinendienst von 7.00 - 9.00 Uhr und 14.00 - 15. 00 Uhr. Der Mitarbeiter holt für die Kollegen, die im Werkzeugbau beschäftigt sind, das Essen. Die Bestellungen der Kollegen notiert er auf einen Zettel. Der Mitarbeiter führt außerdem noch Transportarbeiten innerhalb der Halle und zum Teil auch im Freien, mittels eines Palettenhubwagens, aus. Zu seinen Tätigkeiten gehört auch die Abfallentsorgung mit handelsüblichen Mülleimern mit Rollen sowie die Reinigung der Werkzeugmaschinen und des Hallenbodens (Kehrarbeiten). Zusätzlich erledigt er Einlegearbeiten an einer CNC-Werkzeugdrehmaschine sowie einfache routineartig ausführbare Tätigkeiten als Produktionshelfer.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation (Sollzustand):

Den Kantinendienst von 7.00 - 9.00 Uhr kann der Mitarbeiter behinderungsbedingt nicht ausführen, weil er nicht fähig ist die schriftlichen Bestellungen zu erkennen. Nach 9.00 Uhr hat sich seine Sehfähigkeit soweit stabilisiert, dass er die übrigen Tätigkeiten ausführen kann.
Die derzeitigen Tätigkeiten des Mitarbeiters, in der Zeit zwischen 7.00 und 9.00 Uhr, können nicht so umgestaltet werden, dass sie von ihm ausgeführt werden können.
Also muss ihm für diese Zeit eine andere Arbeitsaufgabe übertragen werden, die er trotz der erheblich eingeschränkten Sehfähigkeit ausführen kann. Ein Vormontageplatz, an dem nur wenige Teile mit eindeutigen Konturen zusammengefügt werden müssen, erschien besonders geeignet. Hier wurde der Mitarbeiter in den Morgenstunden schließlich eingesetzt. Der Vorgesetzte teilte nun dem Integrationsamt mit, dass die Arbeitsleistung des Mitarbeiters an diesem Arbeitsplatz 44% der Normalleistung beträgt, wobei die Arbeitsqualität sehr gut sei. Der stellvertretende Meister im Werkzeugbau, in dem der Mitarbeiter die restlichen 6 Stunden pro Tag arbeitet, schätzt seine Arbeitsleistung auf ca. 70 - 80% der Normalleistung. Der Mann arbeitet seit 10 Jahren im Werkzeugbau, sei angenommen und integriert und verweigere keine Arbeit, wobei er überwiegend mit Reinigungsarbeiten beauftragt sei. Der Arbeitgeber war bisher und ist auch weiterhin bereit, die Minderleistung des Mitarbeiters im Werkzeugbau selbst zu tragen. Es ist jedoch erforderlich, dem Arbeitgeber die Minderleistung am Vormontagearbeitsplatz abzugelten.

Förderung und Mitwirkung:

Die Minderleistung des Mitarbeiters an beiden Arbeitsplätzen beträgt durchschnittlich ca. 33%. Wird jedoch nur die Minderleistung am Vormontagearbeitsplatz berücksichtigt, so errechnet sich eine durchschnittliche Minderleistung des Mitarbeiters von 14%.
Das Integrationsamt zahlt dem Arbeitgeber daher einen monatlichen Beschäftigungssicherungszuschuss (Minderleistungsausgleich) für die Tätigkeit des schwerbehinderten Mitarbeiters am Vormontagearbeitsplatz.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrationsämter.



Schlagworte und weitere Informationen

  • Abfallentsorgung /
  • Arbeitgeber /
  • Arbeitnehmer /
  • Arbeitsaufgabe /
  • Arbeitsleistung /
  • Arbeitsorganisation /
  • Arbeitstempo /
  • Auge /
  • berufliche Rehabilitation /
  • Beschäftigungssicherungszuschuss /
  • Erwerbstätigkeit /
  • Hilfskraft /
  • Industrie /
  • Informationsaufnahme /
  • Integrationsamt /
  • Lohnkostenzuschuss /
  • Maschine /
  • Maschinenarbeit /
  • Maschinenbediener /
  • Maschinenbedienung /
  • Material /
  • Materialtransport /
  • Metall /
  • Metallbearbeitung /
  • Minderleistung /
  • Montage /
  • Organisation /
  • Produktion /
  • Produktionshelfer /
  • Sehbehinderung /
  • Sehen /
  • Sinnesbehinderung /
  • technische Beratung /
  • Teilhabe /
  • Teilhabe am Arbeitsleben /
  • Transport /
  • Vollzeitarbeit

  • ERGOS - Sehen /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Sehen


Referenznummer:

R/PB4230



Informationsstand: 04.06.2018