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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für einen Produktionshelfer mit Blindheit

Arbeitgeber:

Das mittelständische Unternehmen stellt u. a. Auslaufsicherungen her. Aus Kostengründen verlagerte der Arbeitgeber die Produktion der Auslaufsicherungen ins Ausland und baute die entsprechenden Arbeitsplätze in Deutschland ab.
Der Arbeitgeber versetzte einen Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung deshalb aus diesem Produktionsbereich in einen anderen. Dort konnte er nur eingeschränkt die Vorgaben in Bezug auf Qualität und Quantität erfüllen. Der Arbeitgeber beantragte deswegen beim Integrationsamt die Zustimmung zur Kündigung.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist blind. Er hat nach eigener Aussage auf beiden Augen eine Restsehfähigkeit von unter 2 Prozent. Seine Behinderung bedingt eine Einschränkung bei der Ausübung der Tätigkeit, da der Mann Gegenstände, z. B. Werkzeuge und Werkstücke, nur sehr eingeschränkt sehen kann. Er benötigt deshalb u. a. auch mehr Zeit zur Erfüllung seiner Arbeitsaufgaben, was eine geminderte quantitative Arbeitsleistung zur Folge hat. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis beinhaltet die Merkzeichen B, Bl, H und RF.

Beruf:

Der Mann ist seit zwei Jahren als Produktionshelfer beim Arbeitgeber tätig. Vor seiner Festeinstellung arbeitete der damals arbeitslose Mann drei Monate lang zur Probe beim Unternehmen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mitarbeiter hat bis zur Auslagerung der Produktion Auslaufsicherungen montiert und geprüft. Danach wurde der Mitarbeiter versuchsweise für die Montage von Kabelkanälen eingesetzt. Hier erreichte er jedoch behinderungsbedingt nur eine Ausbringmenge von 32 Stück pro Stunde, bei einer Vorgabe von 200 Stück pro Stunde. An diesem Arbeitsplatz ist auch durch den Einsatz von technischen Arbeitshilfen eine Leistungssteigerung auf annähernd 100%, nach Meinung des beratenden Ingenieurs des Integrationsamtes, nicht möglich. Weiterhin wurde der Mitarbeiter für die Montage von Winkelverschraubungen aus Kunststoff eingesetzt. An diesem Arbeitsplatz muss manuell auf ein Winkelstück eine Überwurfmutter gesteckt und anschließend ein Dichtring in die Mutter gedrückt werden. Behinderungsbedingt lag auch an diesem Arbeitsplatz die Leistung des Mitarbeiters mit nur etwa 30 bis 40 Prozent deutlich unter der von den nichtbehinderten Kollegen. Hinzu kam, dass der Mitarbeiter nicht in der Lage war, die Dichtungen einer Sichtkontrolle zur Qualitätssicherung zu unterziehen. Es wurden von ihm daher häufig eingerissene und poröse Dichtungen eingedrückt, die zu aufwendigen Nacharbeiten bei der Montage der fertigen Verschraubungen führten. Aufgrund dieser Probleme beantragte der Arbeitgeber die Zustimmung zur Kündigung des Mitarbeiters beim Integrationsamt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Bei einem Betriebsbesuch schlug der zuständige beratende Ingenieur des Integrationsamtes vor, durch eine Teilautomatisierung der Montagevorgänge und des Prüfvorganges die Leistung des Mitarbeiters auf 100% zu erhöhen, um für ihn so den Arbeitsplatz zu erhalten. Es wurde schließlich ein Montageautomat angeschafft, bei dem der Mitarbeiter nur noch das Winkelstück und die Mutter ineinanderstecken und dann in die Aufnahmestation des Automaten legen muss. Die Dichtringe werden, nachdem zuvor eine vollautomatische Dichtigkeitsprüfung erfolgte, über einen Vibrationsförderer und Roboterarm zu den Muttern befördert sowie eingedrückt. Danach montiert der Automat die Winkelverschraubungen und wirft sie aus. Die Anlage ist auf eine Kapazität von ca. 900 Teilen pro Stunde ausgelegt.
Durch die Maßnahme wurde der Mitarbeiter in die Lage versetzt, eine mit Nichtbehinderten vergleichbare Arbeitsleistung zu erbringen. Für den Arbeitgeber ergab sich durch den Einsatz des Automaten der Vorteil, dass eine hundertprozentige Prüfung der Dichtringe erfolgt und somit keine undichten Verschraubungen mehr bei der Montage anfallen. Die bisher durchgeführte Sichtkontrolle der Dichtungen konnte auch bei größter Sorgfalt eine gewisse Fehlerrate nicht ausschließen. Andere geeignete Arbeitsplätze für den Mitarbeiter sind in dem Betrieb nicht vorhanden, so dass das Arbeitsverhältnis nur durch die durchgeführte Maßnahme aufrechterhalten werden konnte.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrationsamt zu 80% gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
Die Integration des Mannes in das Arbeitsleben wurde zusätzlich von der Arbeitsagentur durch die Zahlung eines Lohnkostenzuschusses (dreimonatige Probebeschäftigung und dreijährige Eingliederungshilfe) gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Arbeitsagenturen und Integrationsämter.



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  • IMBA - Sehen


Referenznummer:

R/PB3041



Informationsstand: 12.06.2018