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Angaben zum Praxisbeispiel

Berufliche Teilhabe und Arbeitsgestaltung für einen Datenverarbeitungskaufmann mit Blindheit in der Materialverwaltung einer Hochschule

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Hochschule.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist blind - er erblindete durch ein Glaukom (Grüner Star) |. Er ist nicht fähig optische Informationen (Texte in Schwarzschrift usw.) wahrzunehmen. Für ihn müssen deshalb optische Informationen so umgewandelt werden, dass sie taktil mit den Fingern (z. B. Brailleschrift) oder akustisch wahrgenommen werden können. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis beinhaltet die Merkzeichen B, Bl, H und RF.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist ausgebildeter Datenverarbeitungskaufmann und war mehrere Jahre arbeitslos. Auf einer Messe erfuhr er von den Angeboten der Berufsförderungswerke (BFW). Anschließend nahm er bei einem BFW an einer einjährigen Integrationsmaßnahme für sehbehinderte und blinde Menschen teil, mit dem Ziel der Wiedereingliederung in das Arbeitsleben. Im Rahmen der Maßnahme wurden im BFW zu Beginn seine Kenntnissen und Fertigkeiten gefestigt. Danach wurde er für ein langes betriebliches Praktikum an die Hochschule vermittelt. Nach dem Praktikum wurde er von der Hochschule für den Bereich der Materialverwaltung eingestellt.
In REHADAT finden Sie auch Berufsförderungswerke, die sehbehinderte und blinde Menschen ausbilden.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mann arbeitet an einem neu eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz in der Materialverwaltung. Seine Tätigkeit besteht aus einer Kombination von Materialbestandserfassung und -pflege sowie der Ausgabe von Büchern aus Regalen in seinem Büro und Büromaterial / -geräte (Lasertoner, Bildschirme usw.) aus einem separaten Lager mit Regalen in der Nähe seines Büros. Um seine Tätigkeit ausüben zu können, nutzt er eine Braillezeile in Verbindung mit einem Screenreader (spezielle Software) für den Computer. Die Braillezeile wandelt mit Hilfe des Screenreaders die optischen Inhalte der Standard-Software (Betriebssystem, E-Mail, Textverarbeitung usw.) in Computerbraille bzw. Informationen um, die mit den Fingern gelesen werden können. Alternativ dazu kann er sich die Inhalte auch über die Sprachausgabe vorlesen lassen. Eingaben erfolgen über eine übliche Tastatur mit Hilfe des 10-Finger-System, das sonst auch von sehenden Personen genutzt wird.
Damit die Materialverwaltung auch mit Hilfe des Screenreaders und der Braillezeile am PC erfolgen konnte, wurde eine spezielle und barrierefreie Software mit einem Datenbank- und Verwaltungssytem eines Unternehmens für innovative Lösungen zur beruflichen Integration von Menschen mit Blindheit eingesetzt. Auch die Einarbeitung des Mitarbeiters fand in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen statt.
Der Mitarbeiter kann nun das auszugebende Material in seinem Büro über die barrierefreie Software am Computer suchen bzw. aufrufen. Der Computer überträgt die Daten anschließend an einen RFID-Reader zum Orten der speziellen Stelle in den Regalen, dabei wird der Reader in der Hand gehalten und an den Regalflächen vorbeigeführt. Über akustische Anweisungen (nach rechts, nach unten usw.) und Informationen (Klingel-Sound und Ansage des Objektes) des Readers erfolgt dann das eigentliche Finden des Materials (Bild 1). Dafür sind die einzelnen Regalfächer mit RFID-Chips gekennzeichnet, die vom Reader ausgelesen werden können.
Zum Orten des Materials im separaten Lager muss zusätzlich ein PDA und Bedien-Panel als mobile Einheit eingesetzt werden (Bild 2), da aufgrund der Entfernung keine direkte Verbindung zwischen Computer und Reader hergestellt werden kann. Das Finden erfolgt im separaten Lager vom Ablauf sowie für das Material in seinem Büro (Bild 3).
Entnommenes Material gleicht er anschließend wieder mit der Datenbank am Computer ab und füllt die Lagerbestände bei Bedarf wieder auf.
Einen kurzen Film zum Praxisbeispiel können Sie unten über den Link: Video bei YouTube vom Arbeitsplatz aufrufen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Arbeitsumgebung - Mobilität:

Der Mann erreicht seinen Arbeitsplatz mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Er nutzt dabei seinen weißen Langstock (Blindenstock) als Orientierungshilfe.

Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung und die Maßnahme zur Integration wurden von der Arbeitsagentur gefördert. Außerdem erhielt der Arbeitgeber von der Arbeitsagentur einen Lohnkostenzuschuss als Eingliederungshilfe.
Die Beratung erfolgte durch das BFW und dem Unternehmen Dräger & Lienert, das innovative Lösungen zur berufliche Integration von Menschen mit Blindheit anbietet (Kontakt siehe unter Eingesetzte Hilfsmittel: ISO 28 21 12).
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Arbeitsagenturen.



Link:

Video bei YouTube vom Arbeitsplatz



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Referenznummer:

Pb/110842



Informationsstand: 12.06.2018