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Bibliographische Angaben zur Publikation

Merkmalblatt 7.1: Unfallgefahr


Sammelwerk / Reihe:

Strukturierter Merkmalkatalog


Autor/in:

Wieland, Klaus; Weinmann, Sigbert; Schian, Hans-Martin


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 1990


Jahr:

1990



Abstract:


Merkmalblatt 7 Arbeitssicherheit

7.1 Unfallgefahr

Definition:

Ein Unfall ist ein von außen einwirkendes, unbeabsichtigtes,
gesundheitlich schädigendes, plötzliches, zeitlich begrenztes Ereignis, dessen Eintritt zeitlich nicht vorhersehbar ist. Unfallgefahr bezeichnet das (abstrakte) auf einen Arbeitsplatz oder eine Tätigkeit bezogene Risiko des Eintritts eines solchen Ereignisses. Mögliche Ansatzpunkte zur Bemessung der Unfallgefährdung ergeben sich aus der betrieblichen Unfallstatistik oder der Statistik der Unfallversicherungsträger.

Die Einschätzung der individuellen Gefährdung, der eine bestimmte Person unterliegt, an ihrem Arbeitsplatz einen Unfall zu erleiden, ist nur möglich, wenn vorliegende Gesundheitsschäden und vorhandene Funktionseinschränkungen bekannt sind sowie in Kenntnis eventuell vorhandener kognitiver und verhaltensbedingter Auffälligkeiten.

Die Kenntnis der arbeitsplatzbezogenen Unfallgefahren hinsichtlich der vorwiegend wirksamen Unfallmechanismen ist eine notwendige,aber nicht hinreichende Voraussetzung der personenbezogenen Risikobeurteilung. Die vorgeschlagene Klassifizierung (Differenzierung) der Gefährdung des Arbeitsplatzes nach Unfallarten soll eine spätere personenbezogene Einschätzung des Unfallrisikos ermöglichen.

Bewertung: (S)
Vorschlag eines zu jedem Differenzierungsmerkmal anwendbaren Bewertungsschlüssels:
- keine Gefährdungsmöglichkeit
- Unfallgefahr entspricht derjenigen bei normalen Alltagsgeschäften (bei Vorliegen von bestimmten gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen kann durchaus erhöhte Unfallgefahr bestehen)
- erhöhte Unfallgefahr am Arbeitsplatz oder durch die Tätigkeit (auch für normal leistungsfähige und gesunde Personen)
- Nachweis spezieller Kenntnisse oder Fertigkeiten aus Unfallschutzgründen erforderlich (zum Beispiel spezielle Fachkundenachweise oder praktische Prüfungen)
- Überprüfung der gesundheitlichen Eignung nach staatlichen oder berufsgenossenschaftlichen Rechtsvorschriften oder betrieblichen Vorschriften erforderlich
- gesundheitliche Eignung und Nachweis von Kenntnissen (Fertigkeiten) erforderlich (zum Beispiel Fachkundenachweise nach Strahlenschutzverordnung, RöV, ärztliche Überwachung, Führerscheine etc.)

Differenzierung:

7.1.1 Gefährdung durch sich bewegende Teile:
zum Beispiel an laufenden Maschinen, an handgeführten rotierenden Arbeitsgeräten (zum Beispiel Schleifmaschinen)
7.1.2 Gefährdung durch Kanten, Ecken:
zum Beispiel scharfkantige Bleche, auf Baustellen, in dunklen Räumen, Kesseln, unter Tage

Gefährdung durch Absturz, Versinken (Ertrinken):
zum Beispiel auf Leitern, Gerüsten, Dächern und geneigten Flächen, Schornsteinen, Masten, Brückenbauten, an ungesicherten Baugruben, Versinken in losem Schüttgut (zum Beispiel Zement-, Getreidesilos) oder Flüssigkeiten

7.1.4.1 Gefährdung durch Verkehr (aktiv):
zum Beispiel Fahren und Steuern von Fahrzeugen und Kranen (Risiko der Eigen- und Fremdgefährdung)

7.1.4.2 Gefährdung durch Verkehr (passiv):
Mitfahren auf Fahrzeugen, Aufenthalt in verkehrsreichen Zonen (Eigengefährdung)

7.1.5 Gefährdung durch Verschüttung:
zum Beispiel auf Baustellen, bei Arbeiten unter Tage

7.1.6 Gefährdung durch Luftdruckveränderung, Explosion:
zum Beispiel Barotrauma durch Druckluft (Arbeiten mit Druckluft), Dekompressionstrauma (bei Taucharbeiten), Explosionsgefahr (bei Arbeiten mit entzündlichem Staub, Sprengstoffen usw.)

7.1.7 Gefährdung durch Infektion:
zum Beispiel Entsorgung von Müll und Abwässern, Arbeit in mikrobiologischen oder medizinischen Laboratorien, im Gesundheitsdienst, Kranken- und Altenpflege, Tropenaufenthalte

7.1.8.1 Gefährdung durch ionisierende Strahlung:
zum Beispiel Röntgen- und Bestrahlungsanlagen, nuclearmedizinische und kerntechnische Laboratorien, Kernkraftwerke, vgl. ---> Strahlen 6.7.1

7.1.8.2 Gefährdung durch nicht ionisierende Strahlung (UV-Licht, Laserlicht):
zum Beispiel Schweißarbeiten (Wärmestrahlung s. unter ---> Verbrennung 7.1.9)

7.1.9 Gefährdung durch Verbrennung, Erfrierung, elektrischer Strom:
zum Beispiel Verbrennungen durch Wärmestrahlungen, heiße Oberflächen, heiße Massen (Metall- und Glasschmelzen, Bitumen), lokale Erfrierung durch Trockeneis oder flüssige Gase, Unkühlung bei Arbeiten im Kältekammern.


Weitere Informationen:


Schlagworte:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk 'Strukturierter Merkmalkatalog' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/publikationen.h...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

VT0164


Informationsstand: 02.11.1992

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