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Bibliographische Angaben zur Publikation

Merkmalblatt 6.1: Klima


Sammelwerk / Reihe:

Strukturierter Merkmalkatalog


Autor/in:

Wieland, Klaus; Weinmann, Sigbert; Schian, Hans-Martin


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 1990


Jahr:

1990



Abstract:


Merkmalblatt 6 Umgebungseinflüsse

6.1 Klima

Definition:

Unter 'Klima' werden diejenigen äußeren Bedingungen erfasst, die die Wärmeregulation des arbeitenden Menschen beeinflussen. Klimafaktoren sind: Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung (Zugluft) und Wärmestrahlung beziehungsweise Wärmestrom. Weitere Beurteilungsgrößen sind die Arbeitsschwere bei Muskelarbeit und die erforderliche Arbeitskleidung beziehungsweise Schutzkleidung.

Zur Beschreibung gleichwirksamer Klimabedingungen bei unterschiedlichen Klimafaktoren existieren Klimasummenmaße (Effektivtemperatur). Ein häufiges Klimasummenmaß ist die 'normale Effektiv-Temperatur' - NET (nach Jaglou) oder die 'korrigierte normale Effektiv-Temperatur' - CNET (nach Bedford) - die auch die Wärmestrahlung miteinbezieht. Unter dem thermisch neutralen Wert versteht man diejenigen Klimabedingungen, die ein Arbeiten im Behaglichkeitsbereich ermöglichen. Der jeweilige thermisch neutrale Wert ist abhängig von der Intensität der muskulären Arbeit (Arbeitsschwere), das heißt je stärker der Energieumsatz bei körperlicher Arbeit, desto niedriger liegt das ideale Klimasummenmaß.

Beanspruchung:

Arbeiten außerhalb der im Behaglichkeitsbereich liegenden Klimabedingungen bedeuten eine zusätzliche Arbeitserschwernis. Im Extremfall, an sogenannten Hitze- oder Kältearbeitsplätzen, tritt eine erhöhte Unfallgefährdung durch Hitzeschlag, Verbrennung, Unterkühlung oder lokale Erfrierung hinzu.
Hitze:Wärmebelastung durch hohe Umgebungstemperatur oder Strahlungswärme wird durch vermehrte Schweißabgabe des Körpers und durch Erhöhung der Hautdurchblutung ausgeglichen, wobei dieser Vorgang durch die erforderliche Kleidung (Schutzkleidung) erschwert werden kann.
Körperschäden oder Funktionseinschränkungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Nieren, der Leber, des Stoffwechsels, der allgemeinen Wärmeregulation oder konstitutionelle Faktoren wie Übergewicht oder erhebliches Untergewicht führen zu einer erhöhten Beanspruchung durch Klimabelastung.
Kälte: Niedrige Umgebungstemperaturen können nur bedingt durch Anpassungsreaktionen des Körpers ausgeglichen werden.

Durch adäquate Kälteschutzkleidung sind Arbeiten auch bei sehr tiefen Temperaturen möglich. Einige Erkrankungen (zum Beispiel Durchblutungsstörungen der Extremitäten, rheumatische Erkrankungen, Erkrankungen der Hornhaut und der Bindehaut des Auges).
Wechselnde Bedingungen: Arbeiten im Freien, besonders im Winterhalbjahr, Zugluft, häufiger Klimawechsel, Arbeiten in zu feuchter oder zu trockener (Heizung) Umgebungsluft sind Faktoren, die bei disponierten Personen krankheitsauslösende Bedeutung haben können ('Erkältungsgefahr')
Siehe auch: ---> Dauerbelastung 5.1 ---> Arbeitsschutzmittel 7.2

Normen, Richtlinien:

G 30: > 28 Grad CNET (korrigierte normale Effektiv-Temperatur); G 21: T < -25 Grad C; Bergverordnungen der Länder: Bestimmungen über Arbeitszeit und Tauglichkeitsuntersuchungen bei Hitzearbeiten unter Tage; UVV Kälteanlagen (VBG 20), Arb. STätt.V: § 6 und ASR (Arbeitsstättenrichtlinien) 5 'Lüftung', 6/1,3 'Raumtemperaturen'

Gestaltung:

Zum Beispiel Witterungsschutz an Freiluftarbeitsplätzen, geschlossenen Kran- oder Fahrzeugkabinen mit Klimatechnik, Schutzwände gegen Wärmestrahlung, Warmluftschleusen an Halleneinfahrten und -ausfahrten, Kälteschutzkleidung, Schuhe, Handschuhe u. a.

Bewertung:

Die Bewertung sollte Art (Kälte oder Hitze), Intensität und Dauer der Klimabelastung in Abhängigkeit von der Arbeitsschwere berücksichtigen. Messbare Parameter sind die Effektiv-Temperatur (beziehungsweise die korrigierte normale Effektiv-Temperatur in Grad C), Wärmestrahlung (KJ/m2h oder Kcal/m2h) und die Arbeitsschwere (gestuft in leicht - mittelschwer - schwer).

Bewertung: (I)
Der Intensitätsschlüssel erfasst die Abweichung vom jeweils auf die erforderliche Bekleidung und Arbeitsschwere abgestimmten Behaglichkeitsbereich.
Stufendefinition:
* Arbeiten im Behaglichkeitsbereich
* geringe Abweichungen von thermisch neutralen Wert
* Raumklima in der Nähe der oberen Toleranzgrenze (Erträglichkeitsbereich)
* Toleranzgrenze wird überschritten (nur kurzfristiges Arbeiten ohne Gefährdung möglich)

Bewertung: (Z)
Zusätzlicher Zeitschlüssel, der angibt, welche Zeit der Arbeitsschicht oder wie häufig in ungünstigem Klima gearbeitet werden muss.

Differenzierung:

6.1.2.1 Hitze:
Tätigkeiten bei erhöhter Effektiv-Temperatur oder Wärmestrahlung außerhalb des Behaglichkeitsbereiches (Erträglichkeitsbereiches)
Arbeiten in tropischen Klimazonen

6.1.2.2 Kälte:
Tätigkeiten bei niedriger Umgebungstemperatur außerhalb des Behaglichkeitsbereiches.

6.1.2.3 wechselnde Bedingungen:
Arbeiten im Freien unter Witterungseinflüssen
'Erkältungsgefahr'
Zugluft (Luftbewegung > 0,2 m/sek.)
Arbeit in häufig wechselnden Umgebungstemperaturen.

(- G 30 'Hitzearbeiten',
-G 21 'Kältearbeiten' in: Berufsgenossenschaftliche Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften e.V.; Gentner V., Mai 1981
* UVV (VBG 20): Unfallverhütungsvorschrift Kälteanlagen, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Carl Heimanns Verlag, Köln 1974; Arb. Stätt.V.: Arbeitsstättenverordnung vom 20.03.1975 und Änderungen vom 02.01.1982 und 01.08.1983, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung,
* ASR 5: (Arbeitsstättenrichtlinie), Oktober 1979
* ASR 6/1,3: April 1976 Arbeitsstätten - Vorschriften und Richtlinien 1988, Bundesanstalt für Arbeitsschutz - Rw2, Dortmund 1988)


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk 'Strukturierter Merkmalkatalog' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/publikationen.h...

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Referenznummer:

VT0155


Informationsstand: 27.10.1992

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