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Bibliographische Angaben zur Publikation

Kundenbindung durch Wahltarife - Neue Möglichkeiten im Krankenkassen-Marketing


Autor/in:

Weber, Guido W.


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Gesundheits- und Sozialpolitik, 2007, 61. Jahrgang (Heft 7/8), Seite 54-62, Baden-Baden: NOMOS, ISSN: 1611-5821


Jahr:

2007



Abstract:


Wahltarife sind ein neues Instrument von Krankenkassen. Als Teil des Marketing-Mix können Wahltarife die Versichertenprämie und die Mitglieder einer Kasse für mehrere Jahre vertraglich binden. Vor allem Krankenkassen mit überdurchschnittlich hohen Beitragssätzen können Wahltarife gezielt einsetzen um wechselgefährdete Mitglieder zu halten.

Die Kalkulation und Umsetzung von Wahltarifen stellt Krankenkassen jedoch auch vor Herausforderungen und Risiken. Die Anzahl und Risikostruktur der teilnehmenden Mitglieder können die Finanzierung der Tarife grundsätzlich gefährden. Wie viele Tarife es langfristig gibt, hängt unter anderem von der Bewertung durch die zuständige Aufsichtsbehörde ab. Laut Gesetz müssen sich die Tarife aus ihren Einnahmen, Einsparungen und Effizienzgewinnen selbst finanzieren. Ob dabei auch die Stärkung der Solidargemeinschaft durch die Bindung freiwilliger Mitglieder an das System der gesetzlichen Krankenkassen berücksichtigt wird, bleibt abzuwarten.

Freiwillige Wahltarife sind aber auch für die Mitglieder mit einem Risiko verbunden. Verbraucherschutzbehörden warnten daher bereits zu Beginn der Tarife vor einem voreiligen Abschluss. Das von den Mitgliedern empfundene Risiko gilt es durch geeignete Maßnahmen zu verringern. Neben einer einfachen und zielgruppenspezifischen Bewerbung kann auch eine Verbesserung der Abrechnungstransparenz die Akzeptanz von Wahltarifen erhöhen.

Mit einem Blick auf den regulierten Wettbewerb in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist die Einführung jedes zusätzlichen Wettbewerbsinstruments grundsätzlich zu begrüßen. Trotz der vielseitigen Kritik an dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz können Wahltarife dazu beitragen, das Angebot für die Versicherten zu verbessern. Krankenkassen sollten sich dabei jedoch nicht auf die vertragliche Bindung sondern auf das von den Versicherten wahrgenommene Preis-Leistungsverhältnis fokussieren. Nicht den Zustand der Gebundenheit im Sinne von Nicht-Wechseln-Können, sondern den Zustand der Verbundenheit im Sinne von Nicht-Wechseln-Wollen sollte eine Krankenkasse bei ihren Versicherten anstreben.

Dieser Zustand lässt sich nur über einen hohen Grad an Kundenzufriedenheit und dem Vertrauen der Mitglieder in die zukünftige Leistungsfähigkeit der Kasse erreichen. In diesem Zusammenhang wird der Such- und Entdeckungsprozess des Wettbewerbs zeigen, ob und welche Wahltarife von den Mitgliedern angenommen werden und welchen Beitrag sie im Rahmen des Kundenbindungsmanagements tatsächlich leisten können.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Gesundheit und Sozialpolitik
Homepage: https://www.gus.nomos.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0164/6379


Informationsstand: 20.11.2007

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