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Bibliographische Angaben zur Publikation

Kostenerstattung in der Gesetzlichen Krankenversicherung

Empirische Evidenz ihrer Effizienzwirkungen



Autor/in:

Freytag, Antje; Albrecht, Martin; Klein, Silvia [u. a.]


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Gesundheits- und Sozialpolitik, 2007, 61. Jahrgang (Heft 7/8), Seite 46-53, Baden-Baden: NOMOS, ISSN: 1611-5821


Jahr:

2007



Abstract:


Die literatur- und theoriebasierte Untersuchung befasst sich mit den Fragen, welche ökonomischen Wirkungen mit dem Prinzip der Kostenerstattung verbunden sind und inwieweit ein weitergehender Einsatz des Kostenerstattungsprinzips in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geeignet ist, die Effizienz des Gesundheitssystems zu erhöhen.

Im Ergebnis lässt sich nicht belegen, dass eine durch das Kostenerstattungsprinzip erzeugte Kosten- und Leistungstransparenz zu einer Reduzierung der Leistungsinanspruchnahme führt. Wie die Evaluierung eines Modellversuchs der Krankenversicherung Rheinhessen im Jahr 2003 zur Ausstellung einer Patientenquittung sowie eine Erprobungsregelung der IKK Mettmann zur Kostenerstattung (Jacobs und Reschke 1993) zeigten, existieren im Gegensatz sogar Hinweise darauf, dass ohne Kombination mit einem Selbstbehalt sogar eine erhöhte Inanspruchnahme resultieren kann.

Ein senkender Einfluss auf die Leistungsinanspruchnahme kann insofern weniger von einer isolierten Kosten und Leistungstransparenz als vielmehr von einer damit gekoppelten finanziellen Eigenbeteiligung der Versicherten ausgehen, ist allerdings abhängig von deren Ausgestaltung. Felder und Werblow (2006) konnten für das Selbstbehalt-Modell der Techniker Krankenkasse TK-Programm 240 einen selektionsbereinigten inanspruchnahmesenkenden Effekt von durchschnittlich 17 bis 25 Prozent jährlich nachweisen. Inwieweit die mit dem Kostenerstattungsprinzip üblicherweise verbundene finanzielle Vorleistungsverpflichtung die Leistungsinanspruchnahme senkt, ist empirisch bislang nicht explizit untersucht worden.

Zu beobachten ist eine verbreitete versichtertenseitige Präferenz für mehr Kosten- und Leistungstransparenz, wie eine aktuelle Forsa-Befragung von GKV-Versicherten (2006) sowie die Janssen-Cilag-Bevölkerungsbefragung 2002 zeigten. Leicht dämpfend wirkt dabei, dass Patienten die Möglichkeit einer negativen Beeinträchtigung des Arzt-Patienten-Verhältnisses sehen.

Für GKV-Versicherte liegt der spezielle Nutzen der Kostenerstattung in dem Quasi-Status als Privatversicherte aufgrund der Möglichkeit für Ärzte, privat abzurechnen und nicht den Budget-Restriktionen der GKV (zum Beispiel Honorarverteilung, Arzneimittelbudgets) zu unterliegen. Dennoch wählten nur wenige freiwillig GKV-Versicherte Kostenerstattung - insgesamt waren es zwischen 0,4 und 3,4 Prozent aller GKV- Versicherten des Jahres 2005.

Diese geringe Zahl ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass dem geannten Vorteil aus Sicht des Versicherten bislang das Zuzahlungsrisiko beziehungsweise die Kosten einer Zusatzversicherung gegenüber standen. Um hier eine stärkere Ausrichtung an den Präferenzen der Versicherten zu erreichen und gleichzeitig inanspruchnahmeerhöhende Auswirkungen zu bremsen, stehen den Krankenkassen die erweiterten Gestaltungsmöglichkeiten gemäß § 53 SGB V zur Verfügung: beispielsweise lassen sich nun Tarife konzipieren, die eine Vergütung der Ärzte zu höheren Honorarsätzen gegen entsprechende Zusatzprämie in Kombination mit einem Selbstbehalt vorsehen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Gesundheit und Sozialpolitik
Homepage: https://www.gus.nomos.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0164/6378


Informationsstand: 20.11.2007

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