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Bibliographische Angaben zur Publikation

Arbeitsassistenz für alle!


Autor/in:

Schulz, Jörg


Herausgeber/in:

Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe e.V. (BEB)


Quelle:

Orientierung, 2006, Heft 3, Seite 32-34, Reutlingen: Grafische Werkstätte, ISSN: 0720-2172


Jahr:

2006



Abstract:


Die Arbeitsassistenz für körper- und sinnesbehinderte Menschen ist ein bereits etabliertes System an Hilfeleistung für den betroffenen Personenkreis. Für Menschen mit Lernbehinderungen, Autismus oder psychischer Erkrankung jedoch ist die Assistenz noch nicht verbreitet und wird nur zögerlich eingesetzt. Daran zeigt sich, dass die Zielgruppenfrage auch sechs Jahre nach Einrichtung des Rechtsanspruchs nicht zureichend geklärt ist.

Im Rechtstext aus Oktober 2000, der den Rechtsanspruch festlegt, finden sich lediglich die Formulierungen, die ausdrücken, dass Arbeitsassistenz eine Leistung im Rahmen personaler Unterstützung schwerbehinderter ArbeitnehmerInnen ist. Über alles Weitere besteht Diskussionsbedarf. Zwar wurde zwischenzeitlich in den Empfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen aufgenommen, dass geistig beziehungsweise erheblich lernbehinderte Menschen zur Zielgruppe gehören, in der Ausgabe von 2005 ist diese Formulierung jedoch nicht mehr zu finden.

Bedingt durch die Tatsache, dass vor allem hoch qualifizierte Menschen mit Körper- und Sinnesbehinderungen ihren Anspruch auf Arbeitsassistenz deutlich machten und gleichzeitig als Beispiele für deren Wichtigkeit angeführt wurden, rückte die Gruppe der geistig behinderten Menschen in den Hintergrund.

Das derzeitige Konzept der Arbeitsassistenz behält für Menschen mit Lern- oder psychischen Behinderungen weitere Hürden in der Praxis: die Assistenz ist vor allem für Personen gedacht, die weitestgehend selbstständig arbeiten können und weiterhin ihre Assistenten selbstständig anleiten können.

Weiterhin sollen laut den Empfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen die Leistungen für Arbeitsassistenz und Einkommen des Nutzers in einem 'vertretbaren Verhältnis' stehen, was ein vergleichsweise hohes Einkommen bei den Assistenznehmern voraussetzt, beziehungsweise ein Einkommen, dass erheblich höher ist als die Ausgaben für die Assistenz. Menschen mit Schwerst- oder Mehrfachbehinderung sowie Personen, die Hilfstätigkeiten ausüben, können damit kaum Betreuung in Anspruch nehmen.

Inhaltlich ergibt sich bei Inanspruchnahme von Assistenz ein konzeptionelles Problem: sowohl Arbeits- als auch Persönliche Assistenz beruhen auf dem Gedanken von Selbstbestimmung. So hat der Assistenznehmer Anleitungskompetenz. Diese kann von der Personengruppe der geistig oder psychisch behinderten Menschen oft nicht umgesetzt werden, da diese Menschen selbst häufig Anleitung brauchen. So entsteht der Eindruck, diese Gruppe hätte gar nicht die Chance, (Arbeits-)Assistenz zu nutzen.

Deshalb fordert der Autor, mit folgenden Maßnahmen die Assistenz für alle Gruppen von Menschen mit Behinderungen zugängig zu machen:
- Sowohl Leistungsträger als auch Selbsthilfeorganisationen müssen in Diskussionen um Arbeitsassistenz explizit Menschen mit Lernbehinderung und psychischen Erkrankungen als Zielgruppen benennen.
- Die Selbstvertretungsorganisationen dieser Zielgruppen müssen ihren Anspruch auf Arbeitsassistenz selbst aktiv in die Diskussion einbringen.
- Arbeitsassistenz muss explizit auch für Menschen mit Behinderungen nutzbar sein, die über ihre AssistenznutzerInnen nicht jederzeit die volle Anleitungskompetenz haben.
- Arbeitsassistenz muss als Unterstützungsleistung unabhängig von Arbeitsumfang und Qualifikation des/der AssistenznutzerIn zugänglich sein.
- Es muss deutlich gemacht werden, dass das Konzept der Persönlichen Assistenz ausdrücklich nicht Personen von der Nutzung von persönlicher Assistenz ausschließt, weil sie dafür ncht selbstständig genug seien.
- Es gilt zu zeigen, dass persönliche Assistenz und damit auch Arbeitsassistenz für Menschen mit Behinderung eine wichtige Möglichkeit darstellt, personale Unterstützung zu bekommen und dabei ihre Selbstständigkeit zu behalten bezieungsweise auszubauen. Diese Möglichkeit ist für Menschen mit Lern- oder psychischer Behinderung ebenso wichtig wie für körper- und sinnesbehinderte Menschen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Orientierung
Homepage: https://www.beb-orientierung.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0157/0023


Informationsstand: 29.08.2006

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