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Bibliographische Angaben zur Publikation

Der Beginn eines anderen Lebens


Autor/in:

Bartz, Elke


Herausgeber/in:

Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe e.V. (BEB)


Quelle:

Orientierung, 2006, Heft 3, Seite 1-5, Reutlingen: Grafische Werkstätte, ISSN: 0720-2172


Jahr:

2006



Abstract:


Elke Bartz erzählt die Geschichte ihres Lebens mit Behinderung: 1976, als junge Frau von 20 Jahren, hatte sie einen schweren Autounfall, bei dem sie sich zwei Halswirbel brach. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt. Durch die Schwere ihrer Verletzung gehören zu den Beeinträchtigungen auch Blasen- und Mastdarmlähmung, gestörte Atmung und Temperaturregulierung des Körpers sowie Sensibilitätsstörungen. Mit ihrer Behinderung kam die junge Frau zunächst in ein Behindertenwohnheim. Sie fühlte sich dort jedoch zunehmend unwohl, da sie ihr Leben nicht selbst bestimmen konnte. Außerdem wurde sie durch mangelnde Pflege krank.

Durch Zufall erfuhr die Autorin von der Möglichkeit, ambulant durch Zivildienstleistende betreut zu werden. Mit Hilfe ihres späteren Ehemanns setzte sie diese Möglichkeit auch bei Ämtern und Behörden durch und erhielt so die notwendige Förderung für ihr Vorhaben. Mit Einzug in ein Eigenheim begann auch die ambulante Versorgung, die sie sich erhofft hatte.

Zwischenzeitlich gab es auch Rückschläge: im Jahr 1990 wurde die zeitliche Verkürzung des Zivildienstes beschlossen. Für das Ehepaar Bartz war dies eine schwierige Situation. Schon vorher hatten sie öfters Schwierigkeiten gehabt, Zivis zu finden, die sie als passend empfanden. Nun wurde es fast unmöglich.

Eine Weile halfen Familienmitglieder, Elke Bartz zu pflegen. Es war jedoch schwer, ständig eine dringend benötigte helfende Hand im Hause zu haben. Endlich erfuhr jemand aus der Familie von der 'Selbstbestimmt-Leben-Bewegung'. Ein Anruf dort brachte Hoffnung, vor allem, da der beim Verbund arbeitende Mitarbeiter selbst schwerstbehindert war und mit persönlicher Assistenz lebte. Im Gegensatz zu allen anderen Ansprechpartner vorher zeigte er Verständnis für die Lage von Frau Bartz und empfand es als durchaus realistische Vorstellung, dass sie zu Hause bei ihrem Mann bleiben wollte, anstatt in ein Heim zu gehen.

Für das Ehepaar Bartz war schnell klar: die Inanspruchnahme von persönlicher Assistenz durch sie als Arbeitgeber war die Lösung ihres Problems. Die Finanzierung ihres Projekts stellte sich als weiteres Hindernis auf dem Weg heraus. Konnten sie die Zivis vorher bezahlen, überstiegen die Kosten für eine festen Assistenten ihre Möglichkeiten. Deshalb stellten sie bei der zuständigen Behörde einen Antrag auf Kostenübernahme nach § 69 a und b Bundessozialhilfegesetz (BSHG).

Dieser Antrag wurde jedoch teilweise abgelehnt. Ein Widerspruch von Elke Bartz wurde vom Amt damit beantwortet, dass die geringere Kosten für ein Heim bezahlt werden würden, weshalb der Sozialhilfeträger die Forderung nach einer Trennung des Ehepaars stellte und Frau Bartz ins Heim beorderte. So war eine Klage von Herrn und Frau Bartz vor dem Verwaltungsgericht gegen die Sozialbehörde unumgänglich. Gegen ihre Erwartungen wurde dem Ehepaar Recht zugesprochen. Dem Arbeitgebermodell stand nichts mehr im Wege.

Doch auch dieser Erfolg war nur von kurzer Dauer. Im Jahr 1995 wurde die Pflegeversicherung eingeführt, die die Versorgung wieder einmal bedrohte. Schließlich lautete die Regelung damals, dass vorrangig Sachleistungen übernommen werden könnten. Für Arbeitgeber/innen mit Behinderung standen nur niedrige Geldleistungen zur Verfügung. Durch die vormals erfolgreich verlaufene Klage am Verwaltungsgericht konnte Elke Bartz von dem für sie zuständigen Sozialhilfeträger jedoch das Geld für ihre ambulante Versorgung erwirken.

Seit mittlerweile sechs Jahren wird Elke Bartz nun ambulant versorgt und kann selbstbestimmt leben. So haben sich aus ihrer Sicht rückblickend ihre zahlreichen und anstrengenden Bemühungen gelohnt.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Orientierung
Homepage: https://www.beb-orientierung.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0157/0016


Informationsstand: 11.08.2006

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