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Bibliographische Angaben zur Publikation

Disability Studies - ein anderer Blick auf Behinderung


Autor/in:

Faber, Brigitte


Herausgeber/in:

Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe e.V. (BEB)


Quelle:

Orientierung, 2004, Heft 4, Seite 9-11, Reutlingen: Grafische Werkstätte, ISSN: 0720-2172


Jahr:

2004



Abstract:


Wie ist der Begriff 'Behinderung' definiert? Eine einheitliche Bestimmung gibt es in Deutschland bisher noch nicht. Aber es gibt zwei Ansätze, wie man 'Behinderung' betrachten kann:

Zum einen kann man auf dem Standpunkt stehen, dass behinderte Menschen im Gegensatz zu gesunden Menschen ein Defizit haben und man wird dann versuchen, dieses Defizit durch verschiedene Bemühungen auszugleichen. Das ist das sogenannte 'medizinische Modell'.

Man kann aber auch der Ansicht sein, dass eine 'Behinderung' nicht an und für sich besteht, sondern dass sie eine soziale Konstruktion ist. Eine solche Betrachtungsweise bringt es mit sich, dass die Normvorstellungen und Werte sowie die Strukturen und Bedingungen analysiert und geändert werden müssen, die zu der Behinderung führen. Diese Herangehensweise wird das 'soziale Modell' genannt.

Grundlage der Disability Studies ist das soziale Modell. Seit Beginn der 80er Jahre werden sie in den USA und in Großbritannien gelehrt und haben, wenn sie ernst genommen werden, immer auch eine politische Dimension. Dabei ist das Forschungsfeld der Disability Studies weit gesteckt: Welches Bild von Behinderung haben und transportieren die verschiedenen Wissenschaften? In welcher Weise wird dieses Bild durch Forschung, Veröffentlichung sowie Methoden für die Praxis weiter verfestigt?

Außerdem erforschen die Disability Studies die Vorstellungen von Behinderung in unterschiedlichen Kulturen und den Wandel der Vorstellung im Laufe der Geschichte einer einzelnen Kultur. Fragestellungen aus der Praxis kommen hinzu. So zum Beispiel die Arbeitsmarktlage oder Wohnmodelle für behinderte Menschen.

Inzwischen gibt es auch in Deutschland das Vorhaben, die Disability Studies als eigenständige Wissenschaft einzuführen. Seit April 2002 gibt es eine Arbeitsgruppe 'Disability Studies - Wir forschen selbst', an der bislang nur Menschen mit Behinderung teilnehmen dürfen. Diese Entscheidung wurde aufgrund der Erfahrungen in den USA und Großbritannien getroffen, wo die Disability Studies von WissenschaftlerInnen belegt wurden, die die Sichtweise des medizinischen Modells beibehielten.

Zudem soll in Deutschland einem Handlungs- und Kompetenzgewinn zuliebe der biografische Ansatz verfolgt werden. Die Erfahrungen behinderter Menschen sollen dabei helfen, ihre Situation zu verbessern - es soll nicht über ihren Kopf hinweg für sie etwas entschieden werden, mit dem sie gar nichts anfangen können.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Orientierung
Homepage: https://www.beb-orientierung.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0157/0011


Informationsstand: 29.11.2004

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