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Bibliographische Angaben zur Publikation

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz - was ist das und wie stellt man das fest?


Autor/in:

Roth, Ulrike; Jänisch, Christina


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Die BG, 2009, 121. Jahrgang (Heft 2), Seite 56-58, Berlin: Schmidt, ISSN: 0723-7561


Jahr:

2009



Abstract:


Die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken, beschreibt den Begriff der psychischen Belastung in der DIN EN ISO 10075-1. Dabei ist zu betonen, dass der Begriff psychische Belastung in dieser Norm wertneutral definiert und zur psychischen Beanspruchung abgegrenzt wird. Psychische Beanspruchungen sind unmittelbare Auswirkungen der psychischen Belastungen. Sie sind als Resultat der Verarbeitung der Belastungen zu sehen.

Heutzutage werden psychische Belastungen stärker thematisiert. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen hat sich der Gesundheitsbegriff verändert, das heißt, dass erst 1946 psychische und soziale Faktoren zum Krankheitsbegriff integriert wurden und zum anderen hat sich die Arbeitswelt so verändert, dass Belastungen anderer Art hinzukommen. Neue Medien oder die Angst um den Arbeitsplatz spielen heutzutage eine große Rolle.

Die Ursachen von psychischen Belastungen werden laut der DIN EN ISO 10075-1 in folgenden Bereichen gefunden:
1. Aufgaben und Tätigkeit
2. Arbeitsmittel
3. Arbeitsumgebung
4. Arbeitsorganisation
5. Zeitliche Organisation der Arbeit

In allen Bereichen der Arbeitswelt lassen sich also psychische Belastungen finden. Über- oder Unterforderung spielen hier eine weitere Rolle. Neue EDV-Programme, hohe Anforderungen, Leistungsdruck und ständige Erreichbarkeit führen zu Stresssymptomen und somit zu psychischen Belastungen.

Ein Fallbeispiel soll zeigen, wie man die psychischen Belastungen konkret feststellen kann. In diesem Beispiel wird ein Unternehmen angegeben, dass aus drei verschiedenen Standorten in neu gestaltete Büros an einem neuen Standort umzieht. Die neuen Arbeitsplätze sorgen für Unzufriedenheit der Mitarbeiter. Zum Beispiel gibt es Mitarbeiter, die vorher in einem Einzelbüro saßen und nun in einem Großraum arbeiten müssen. Die klimatischen Verhältnisse werden bemängelt, die Geräuschkulisse als störend empfunden und mangelnder Blendschutz sorgt für Unzufriedenheit.

Der Betriebsrat sorgt dafür, dass ein externer Arbeitschutzexperte die Situation beurteilt. Dieser stellt fest, dass das Platzangebot nicht ausreichend ist. Er schlägt Änderungen vor und empfiehlt eine Analyse der psychischen Belastungen der Mitarbeiter. Ein Betriebsarzt erstellt einen Fragebogen, der die Situation im Unternehmen erfragen soll und macht eine Befragung bezüglich des Betriebsklimas, die er als Interview durchführt. Wegen der Anonymität der Befragten wird die Auswertung der Ergebnisse nicht abteilungsweise durchgeführt. Die Auswertung zeigt, dass die Arbeitssituation neutral bis leicht negativ bewertet wurde.

Seit einigen Jahren gibt es immer mehr psychische Belastungen am Arbeitsplatz. Seit Einführung des Arbeitsschutzgesetzes 1996 ist eine Gefährdungsbeurteilung der Arbeitsplätze vorgeschrieben. Zur Analyse der psychischen Belastung am Arbeitsplatz werden verschiedene Verfahren eingesetzt. Das Verfahren sollte im besten Falle von einer Gruppe bestehend aus Sicherheitsfachkraft, Betriebsarzt und Betriebsrat, ausgewählt werden.

Dabei sollten folgende Frage gestellt werden:
1. Welches Problem liegt vor?
2. Welche Nutzergruppe soll die Analyse durchführen?
3. Welche Analysetiefe wird angestrebt?
4. Welche Arbeitsplätze sollen analysiert werden?
5. Welche Methode der Datengewinnung soll angewendet werden?

Bei dem Fallbeispiel wurde es dem Betriebsarzt überlassen, welches Verfahren er wählt. Die Ablehnung des Betriebsrates, die Daten abteilungsweise auszuwerten, führte zwar zu einer neutralen Gesamtwertung, wurde aber den geäußerten Beschwerden nicht gerecht und es ließen sich auch schlecht konkrete Maßnahmen ableiten. Hätte man bei der Planung und Einrichtung des Umzugs des Unternehmens Personen des Arbeitsschutzes, zum Beispiel einen Betriebsarzt oder Fachkräfte der Arbeitssicherheit hinzugezogen, so hätte man die psychischen Belastungen der Mitarbeiter vermeiden können.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Betriebliche Prävention (vormals BPUVZ, die BG)
Homepage: https://www.beprdigital.de/archiv.html

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0156/7028


Informationsstand: 24.03.2009

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