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Bibliographische Angaben zur Publikation

Psychotrauma-Ambulanz

Spezialambulanz für psychische Störungen nach Arbeitsunfall



Autor/in:

Tegenthoff, Martin; Frettlöh, Jule


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Die BG, 2007, Heft 6, Seite 227-229, Berlin: Schmidt, ISSN: 0723-7561


Jahr:

2007



Abstract:


Prof. Dr. Martin Tegenthoff und Prof. Dr. Jule Frettlöh stellen die Spezialambulanz für psychische Störungen nach Arbeitsunfall des Klinikums Gergmannsheil vor.

Versicherte mit organisch begründeten Gesundheitsschäden nach Arbeitsunfällen werden in der Regel durch das seit Jahren etablierte D.-Arzt-Verfahren kompetent behandelt. Seit einigen Jahren lassen sich auch zunehmend psychische Gesundheitsschäden nach Arbeitsunfällen beobachten. In Fällen mit psychischen Traumen handelt es sich oft um komplikationsbehaftete Heilverfahren mit teilweise frustranem oder unbefriedigendem Ergebnis. Daraus folgen eine erschwerte berufliche Wiedereingliederung von Versicherten und erhebliche Kostenbelastungen.

Am Klinikum Bergmannsheil wurde vor zweieinhalb Jahren auf Initiative der Bergbau-Berufsgenossenschaft als Modellprojekt eine BG-Spezialambulanz für Versicherte mit psychischen Störungen nach Arbeitsunfall eingerichtet. Hierbei handelt es sich um eine interdisziplinäre Einrichtung, in der Neurologen, Psychiater, Psychosomatiker, Psychologen und Schmerztherapeuten zusammenarbeiten. Zielsetzung dieser Spezialambulanz ist es, durch eine kompetente Diagnostik psychische Störungen nach Arbeitsunfall frühzeitig zu erkennen, um durch die Einleitung zeitnaher angepasster Therapiemaßnahmen ein besseres Behandlungsergebnis zu erzielen. Für den Versicherten ergibt sich in den meisten Fällen eine Verbesserung des Behandlungsergebnisses und für die Unfallversicherungsträger eine Kostenersparnis.

Die Erfahrungen in der BG-Sondersprechstunde zeigen, dass der Beurteilung des Unfallzusammenhangs bei vorhandenen psychischen Störungen wesentliche Bedeutung zukommt. So seien bei der Beurteilung des Unfallzusammenhangs nur bei etwa 40 Prozent der vorgestellten Fälle eine unfallbedingte psychische Störung feststellbar. Bei einem etwa gleich großen Teil konnten zwar psychische Störungen festgestellt werden, diese standen jedoch nicht in Zusammenhang mit dem Unfall. Für die Berufsgenossenschaft bedeutet eine solche Beurteilung eine deutliche Kosteneinsparung.

Um die komplexen Verflechtungen körperlicher und psychischer Prozesse zu beurteilen, ist ein hoch kompetentes und interdisziplinär zusammengesetztes Team notwendig. In der BG-Spezialambulanz erfolgt nach kurzfristiger Terminvergabe die Untersuchung durch einen Psychiater und ein Psychologen. Zusätzlich kommt es zu einer neurologischen und schmerztherapeutischen Untersuchung.

In der Sondersprechstunde wurden in einem Zeitraum von zwei Jahren insgesamt 275 bei der Berufsgenossenschaft versicherte Patienten untersucht. Die Patienten waren durchschnittlich 43 Jahre alt, zu 85 Prozent männlich und die Heilverfahren dauerten zum Zeitpunkt der psychiatrischen Untersuchung bereits durchschnittlich 2,8 Jahre an. Bei den untersuchten Personen wurde die unfallabhängige Diagnose 'Anpassungsstörung' deutlich häufiger gestellt als die Diagnose 'Posttraumatische Belastungsstörung'. Eine der am häufigsten vergebenen unfallunabhängigen Diagnosen war die 'Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen'.

Auch wenn bereits bekannt ist, dass eine rasche Einleitung notwendiger psychotherapeutischer Maßnahmen lang dauernde Verläufe verhindern kann, zeigte sich, dass die Betroffenen häufig von einem Arzt zum nächsten geschickt werden. Die Autoren fassen zusammen, dass alle an der Therapie Beteiligten bei Unfallverletzen an die Möglichkeit psychischer Störungen als einen wesentlichen Krankheitsfaktor denken und bei Verdacht entsprechende Schritte einleiten sollten.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Betriebliche Prävention (vormals BPUVZ, die BG)
Homepage: https://www.beprdigital.de/archiv.html

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0156/6251


Informationsstand: 18.09.2007

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