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Bibliographische Angaben zur Publikation

Persönliche Budgets in der Behindertenhilfe als Beitrag zur strukturellen Weiterentwicklung


Autor/in:

Rohrmann, Albrecht


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Gemeinsam Leben, 2007, 15. Jahrgang (Heft 1), Seite 4-14, Weinheim: Juventa, ISSN: 0943-8394


Jahr:

2007



Abstract:


Die Ziele, die mit der Einführung des Persönlichen Budgets erreicht werden sollten, sind ein höheres Maß an Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen, den Interessen der Sozialleistungsträger an neuen Steuerungsinstrumenten nachzukommen - wobei sich Geld als ein gutes Steuerungsinstrument herausgestellt hat - sowie traditionelle, durch stationäre Versorgung geprägte Strukturen der Behindertenhilfe aufzubrechen.

Diese Ziele sind bisher nicht erreicht worden. Nach Auffassung des Autors hat das mehrere Gründe. So sei das Unterstützungsangebot unter zu vielen Rehabilitationsträgern aufgeteilt und damit zu zersplittert und wenig aufeinander abgestimmt. Außerdem wirkt das Verfahren zur Bewilligung des Persönlichen Budgets sehr bürokratisch und schwerfällig. Der Anspruch, dass das Persönliche Budget trägerübergreifend sein soll, wurde bisher nur unzureichend erfüllt; meist sind die Sozialhilfeträger die alleinigen Leistungsträger.

Um das Persönliche Budget mehr Menschen mit Behinderungen zugänglich zu machen, müssen deshalb Reformen in Angriff genommen werden. Damit diese auf realistischen Einschätzungen beruhen, müssen Bedingungen herausgearbeitet werden, die zu einer erfolgreichen Umsetzung der Reformidee notwendig sind. Entsprechend reflektiert der Autor kritisch die bisherige Umsetzung, aber auch die Chancen des Persönlichen Budgets in der Behindertenhilfe.

So stellt er heraus, dass das Persönliche Budget durch den selbstbestimmten Einsatz des Geldes Menschen mit Behinderungen dabei helfen kann, sich Abhängigkeiten zu befreien. Der Leistungsberechtigte kann dadurch die Position eines Bedürftigen verlassen und zu einem Verhandlungspartner für die Sozialleistungsträger und zu einem Kunden gegenüber den Dienstleistern im Pflegebereich werden. Allerdings merkt Rohrmann an, dass die Verhandlungen unter ungleichen Bedingungen laufen: der Kostenträger überprüft formal korrekt die Leistungsansprüche, während der Leistungsberechtigte auf Gewährung existentieller Leistungen wartet.

Nachbesserungsbedarf des Persönlichen Budgets besteht in der konzeptionellen Ausgestaltung von Beratungsangeboten sowohl bei der Auswahl des geeigneten Budgets als auch während der Auszahlung von Leistungen, also als Budgetunterstützung. So wird das Persönliche Budget nur Menschen mit geringem Hilfebedarf zugestanden, die entweder keine Budgetassistenz benötigen oder diese in ihrem Lebensumfeld unentgeltlich erhalten. Außerdem muss das Verfahren zur Feststellung des Bedarfes und der Ermittlung der Höhe des Budgets dahingehend weiterentwickelt werden. Die Hilfeplanung muss in unmittelbarer Auseinandersetzung mit den Leistungsberechtigten erfolgen und ihnen Möglichkeiten eröffnen, Alternativen bei der Inanspruchnahme zu prüfen. So wird sie den Vorgaben der SGB IX und XII gerecht werden.

Weiterhin ist die Inanspruchnahme des Persönlichen Budgets abhängig von dem Ausbau der regionalen Planung einer Infrastruktur, die es den Leistungsnehmern erleichtert, mit Hilfe des Budgets ihren Alltag zu organisieren. Eine solche Infrastruktur orientiert sich nicht an der Bereitstellung von Versorgungsangeboten, sondern vielmehr an der Herstellung einer Barrierefreiheit im umfassenden Sinne, wie sie im Gleichstellungsansatz vorgesehen ist.

Der Erfolg des Persönlichen Budgets ist nach Meinung des Verfassers abhängig von der Weiterentwicklung des Hilfeangebots insgesamt. Ein Unterstützungssystem ist dann tragfähig, wenn es auch maximal beeinträchtigten Personen Sicherheit bei der alltäglichen Lebensführung gibt. Das Persönliche Budget kann zur Stärkung der Position der NutzerInnen im Kontext der Weiterentwicklung der Behindertenhilfe hin zu mehr Selbstbestimmung führen, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Andernfalls bietet es lediglich einen Anreiz für einen vergleichsweise kleinen Kreis von Leistungsberechtigten, ihre Unterstützung außerhalb des organisierten Unterstützungsangebots zu realisieren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


§ 29 SGB IX Persönliches Budget




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Gemeinsam Leben
Homepage: https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/zeitschriften/gem...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0155/6023


Informationsstand: 01.06.2007

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