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Bibliographische Angaben zur Publikation

Disability Studies - Konturen einer neuen Forschungslandschaft


Autor/in:

Waldschmidt, Anne


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Gemeinsam leben, 2006, 14. Jahrgang (Heft 2), Seite 67-74, Weinheim: Juventa, ISSN: 0943-8394


Jahr:

2006



Abstract:


Anne Waldschmidt stellt die neue wissenschaftliche Disziplin der Disability Studies vor. Nach Meinung der Autorin erfassen diese Studien über/zu Behinderung die Bandbreite der nützlichen Erforschung besser als lediglich Studien in Medizin, Heil- und Sonderpädagogik, da sie sich mit dem Gegenstand umfassender befassen. Schließlich integrieren die Disability Studies neben rehabilitationswissenschaftlichen Fragestellungen auch soziolokulturelle Aspekte von Behinderung.

Die Disability Studies weisen drei Hauptziele auf:
Erstens geht es darum, das Thema aus seiner Randlage herauszuholen und in den Mittelpunkt eines theoretisch und methodologisch anspruchsvollen Forschungsprogramms zu stellen. So soll Behinderung als neues, interdisziplinäres Forschungsfeld überhaupt sichtbar werden.

Zweitens soll gezeigt werden, dass Behinderung zur Vielfalt des menschlichen Lebens gehört, somit eine allgemeine Lebenserfahrung darstellt, deren Erforschung zu Kenntnissen führt, die für alle Menschen und die Gesellschaft generell relevant sind. Aus diesem Grund gehören neben den Sozialwissenschaften gerade auch die Geisteswissenschaften zu den Disability Studies.

Drittens ist mit dem Forschungsfeld auch ein Teilhabe- und Emanzipationsversprechen verknüpft. Dieses Ziel fand seinen Ausgang in internationalen Behindertenbewegungen, welche die konkrete Utopie hegen, mit Hilfe von Wissenschaft gesellschaftliche Einstellungen zu Gunsten von Behinderung und behinderten Menschen zu verändern, um eine uneingeschränkte gesellschaftliche Partizipation zu ermöglichen.

In ihren theoretischen Ansätzen gehen die Disability Studies von drei Ansätzen von Behinderung aus: von dem individuellen Modell, von dem sozialen Modell und von dem kulturellen Modell.

Als zentral in den Disability Studies kann das soziale Modell betrachtet werden, das Behinderung nicht als (natur-)gegebene Schädigung sieht, sondern als Produkt (schlechter) sozialer Organisation. Damit einher geht die Einstellung, dass Menschen mit Behinderungen nicht passive Empfänger von Sozialleistungen sind, sondern mündige Bürgerinnen und Bürger, die zu Selbstbestimmung und demokratischer Partizipation fähig sind.

Schließlich zeichnen sich die Disability Studies auch dadurch aus, dass sie in engem Kontakt zu den sozialen Bewegungen von Menschen mit Behinderungen stehen. So setzen sie sich, wie oben angedeutet, für eine Zukunftsgesellschaft ein, in der nichtbehinderte und behinderte Menschen gleichberechtigt miteinander leben und Behinderung als Ausgrenzungskategorie überflüssig geworden ist.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Gemeinsam Leben
Homepage: https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/zeitschriften/gem...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0155/0039


Informationsstand: 12.05.2006

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