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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufsvorbereitung: Eine komplexe Entwicklungsaufgabe


Autor/in:

Sturm, Hartmut


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung e.V. (BAG UB)


Quelle:

Impulse, 2008, Nummer 45 (Ausgabe 1), Seite 30-33, Hamburg: Eigenverlag, ISSN: 1434-2715


Jahr:

2008



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Link zu 'Impulse' Nummer 45 (PDF | 1,64 MB)


Abstract:


Es gibt entwicklungspsychologisch betrachtet keine Unterschiede zwischen Menschen mit oder ohne Behinderungen. Um Verantwortung für den eigenen Entwicklungsprozess im Übergang Schule-Beruf übernehmen zu können, brauchen alle Jugendlichen geeignete Rahmenbedingungen. Im ESF-Projekt Kompass wurden Jugendliche mit Lernschwierigkeiten auf den Übergang in die Arbeitswelt vorbereitet.

Ausgehend von einem lebenslangen Entwicklungsprozess, der mit der Geburt beginnt und erst mit dem Tod endet, gewinnen die Lösungen alterstypischer Entwicklungsaufgaben immer mehr an Bedeutung. Diese neuen Herausforderungen bilden wichtige Funktionen in jedem Lebensabschnitt und erfordern eine fortwährende Anpassung an die gestellten Anforderungen.

Löst man eine solche Aufgabe erfolgreich, führt dieses zu Glück und Erfolg bei späteren Aufgaben, versagt man, führt dies nicht nur zu persönlichen Unglück sondern auch zur Missbilligung durch die Gesellschaft. Strategien zur Bewältigung typischer Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase hängen augenscheinlich davon ab, über welche Handlungskompetenzen oder Selbstkonzepte die Jugendlichen verfügen.

Auch der gesellschaftliche Kontext darf nicht außer Acht gelassen werden. Beispielsweise trägt man immer früher Entwicklungsaufgaben an Kinder heran, da es nach Meinung der Neurowissenschaften bestimmte Lebensabschnitte gibt, die für das Erlernen von bestimmten Fähigkeiten optimal sind. Die damit einhergehende gezielte Steuerung der Entwicklungsprozesse beruht nicht zuletzt auf dem mangelnden Vertrauen in die Selbstkompetenz und Selbstverantwortung der Jugendlichen in ihren eigenen Entwicklungsprozess.

In diesem Zusammenhang rücken besonders Schulen als Entwicklungsumgebung in den Fokus der Aufmerksamkeit. Dort werden nicht nur Lerninhalte vermittelt, sondern es ergeben sich auch Entwicklungsaufgaben, die im Jugendaltern unter anderem in der Anerkennung der eigenen Körperlichkeit, dem Erwerb geschlechtsspezifischer Rollenmuster und der emotionalen Unabhängigkeit gegenüber den Eltern liegen. Diese Aufgaben sind nicht isoliert zu betrachten, sondern sind voneinander abhängig oder bedingen sich.

Mit der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben führt der Autor den Begriff des Copings ein. Demnach definiert das Coping einen Prozess, der einsetzt, wenn das Individuum sich Anforderungen gegenübersieht, die große Wichtigkeit haben. Daraus ergeben sich unterschiedliche Wahrnehmungen von Problemen, die zum einen mit problemlösendem Coping, zum anderen mit emotionsregulierendem Coping bewältigt werden können. Während Ersteres auf die unmittelbare Lösung des Problems abzielt richtet sich Letzteres auf die mit dem Problem verbundenen Gefühle und Affekte.

Im Hinblick auf die Konsequenzen in der Begleitung und Unterstützung von Jugendlichen bei der Lösung von Entwicklungsaufgaben im Übergang Schule-Beruf müssen also Möglichkeiten für Coping-Prozesse geschaffen werden, um eine erfolgreiche Selbstständigkeit der Jugendlichen zu erreichen.

In der Pubertät befindet man sich in zwei Welten, die entscheidend zur Identitätsentwicklung beitragen, zum einen in den Peer-groups zu denen Erwachsene keinen Zutritt haben, zum anderen im Ausbildungsalltag, wo es sich auch in der Erwachsenenwelt zu behaupten gilt. Man kann daher davon ausgehen das Jugendliche versuchen ihre Probleme auf diesen zwei Ebenen zu bewältigen.

Erfahrungen und Wissenserwerb treten im Verhältnis zu den aktuellen Entwicklungsaufgaben in den Hintergrund. Gerade im Übergang Schule-Beruf bieten sich vielfältige Möglichkeiten, die Jugendlichen mit der Vermittlung von Handlungskompetenzen zu unterstützten, so dass ihre Selbstkompetenz gestärkt wird. Nach Meinung des Autors kann dies nur durch radikale Veränderungen der schulischen Lernumgebung realisiert werden. Lernen in Schule und Betrieb. Nur so erhalten die Jugendlichen die Gelegenheit, sich in verschiedenen Erwachsenenwelten zu erfahren und die dort gestellten Anforderungen erfolgreich zu bewältigen.

Dies erfordert eine zurückhaltende, aber Sicherheit signalisierende Begleitung durch Pädagogen, die sich als Bestandteil dieser neuen Lernumgebung in ihrer Rolle neu definieren müssen. Nur so können die Jugendlichen sich dem Tempo der wandelnden Gesellschaft angemessen anpassen und ihre Entwicklungsaufgaben erfolgreich bewältigen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Projekt Kompass




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Fachmagazin Impulse
Homepage: https://www.bag-ub.de/impulse

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0141/6756


Informationsstand: 21.10.2008

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