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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufliche Lebensläufe und Entwicklungsperspektiven behinderter Personen

Was wird aus Personen, die aus Werkstätten für behinderte Menschen in der Region Niedersachsen Nordwest ausgeschieden sind?



Autor/in:

Spiess, Ilka


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung e.V. (BAG UB)


Quelle:

impulse, 2006, Nummer 39 (Ausgabe 3), Seite 22-24, Hamburg: Eigenverlag, ISSN: 1434-2715


Jahr:

2006



Link(s):


Ganzen Text lesen (in: Impulse 03.2006) (PDF | 1,7 MB)


Abstract:


Die Integration in das Arbeits- und Berufsleben sei der Prüfstein für soziale Integration. Vor allem in einer Gesellschaft, in der das Ansehen eines Menschen wesentlich über seine berufliche Tätigkeit realisiert oder gar definiert werde. Gute Voraussetzungen, die Gemeinschaft zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen aufzubauen und somit den Integrationsprozess voranzutreiben, biete die Arbeit am gemeinsamen Gegenstand.

Es sei die Aufgabe von Integrationsfachdiensten, mit ihrer Arbeit die behindertenpädagogischen Zielsetzungen Integration und Selbstbestimmung, Normalisierung der Lebensumstände und Steigerung der Lebensqualität zu realisieren. Berufliche Integration sei dann erfolgreich, wenn nicht nur die Tatsache der Vermittlung in einen Betrieb Beachtung finde, sondern auch die mittel- und langfristige Entwicklung der Person im Arbeitsleben und im allgemeinen Prozess der Lebensbewältigung.

Ilka Spiess zeigt die Ergebnisse der Untersuchung über die Lebensgestaltung von Personen auf, die vor einiger Zeit den Schritt aus der Werkstatt für behinderte Menschen in den Arbeitsmarkt gewagt haben. Insgesamt bildeten 84 Personen aus acht Werkstätten die Zielgruppe (16 Frauen und 68 Männer). Schwerpunkte waren die Erfahrungen, Hoffnungen und Wahrnehmungen der Teilnehmer. 36 wurden in ausführlichen Interviews zu ihrem Leben nach der Werkstatt befragt, um damit Wahrheiten über ihre Lebens- und Berufsperspektiven zu erhalten.
Das umfangreiche und vielfältige Datenmaterial half bei der Erarbeitung eines differenzierten Bildes von Berufs- und Lebenswegen, die die behinderten Personen beschritten haben.

In dem Artikel werden exemplarisch die beruflichen Werdegänge von drei befragten Personen dargestellt. Dabei handle es sich jedoch nur um eine kleine Auswahl aus der Vielzahl der Möglichkeiten und Facetten in den Entwicklungen und Wendungen im Leben der einzelnen Persönlichkeiten. Im weiteren Verlauf erläutert Ilka Spiess, dass die Chancen zur beruflichen Integration nicht durch die Lage auf dem Arbeitsmarkt bestimmt werden, sondern durch das Angebot professioneller beruflicher Integrationsarbeit und die Qualität des Angebotes. Somit sei die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht ausschlaggebend für das sehr geringe Angebot an Arbeitsplätzen, was eine wichtige Bestätigung der Arbeit von Integrationsfirmen sei.

Um effektive Unterstützungsangebote leisten zu können sei es nötig, dass die Integrationsfachkräfte die komplexe Lebenswelt der Personen ganzheitlich wahrnehmen, ihre Fertigkeiten, Möglichkeiten und Probleme einschätzen und Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Lebensbereichen erkennen. Entscheidende Variable für den Verlauf des Integrationsprozesses sei die Koordination und Kooperation der Arbeit aller Beteiligten. Ferner habe die Qualität des sozialen Netzwerkes wesentlichen Einfluss auf die individuelle Lebensqualität und somit auch auf das Selbstverständnis und die Stärke, die eine Person am Arbeitsplatz einbringen kann.

Die Frage nach zufrieden stellenden Lebens- und Wohnformen sei ebenfalls bedeutsam, da ein Wohnraum ein Zuhause sei und Rückzugsmöglichkeiten und Geborgenheit biete. Keiner der Befragten wohne heute mehr in einem Heim, sondern selbstständig. Einige benötigen zwar noch die Begleitung in einer Wohngemeinschaft, doch die Entwicklung strebe dabei klar in Richtung selbstbestimmtes Wohnen. Eine dauerhaft zuverlässige Hilfe, zum Beispiel im Umgang mit Geld und im Schriftverkehr, sei jedoch notwendig.

Aktuelle Aufgabe sei es, sowohl die Integrationsfachdienste der Integrationsämter als auch die Integrationsfachdienste unter dem Dach von Werkstätten flächendeckend in den Städten und Regionen auszubauen, zu vernetzen und von den Fesseln der Bürokratie, des quantitativen Denkens und der statistischen Erhebungen zu befreien. Gesellschaftspolitisches und pädagogisches Ziel sei es, für die berufliche Integration behinderter und benachteiligter Menschen in den Arbeitsmarkt zu wirken und ihnen dort unterstützend zur Seite zu stehen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Berufliche Lebensverläufe und Entwicklungsperspektiven behinderter Personen




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


impulse - Fachmagazin
Homepage: https://www.bag-ub.de/veroeffentlichung/typ/958

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0141/6011


Informationsstand: 09.02.2021

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