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Bibliographische Angaben zur Publikation

Es gibt eine Menge Gründe, warum in unserer Gesellschaft immer mehr Leute verrückt werden

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz - Teil 2



Autor/in:

Bungart, Jörg


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung e.V. (BAG UB)


Quelle:

impulse, 2006, Nummer 37 (Ausgabe 1), Seite 28-35, Hamburg: Eigenverlag, ISSN: 1434-2715


Jahr:

2006



Link(s):


Ganzen Text lesen (in: Impulse 01.2006) (PDF | 1,1 MB)


Abstract:


Jörg Bungart von der BAG UB gibt im zweiten Teil seines Artikels zunächst eine kurze Übersicht über das Rehabilitationssystem in Deutschland, stellt einige grundlegende Unterstützungskonzepte dar und skizziert abschließend Modelle zur Erhaltung und Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit.

Die Situation von Menschen mit psychischen Erkrankungen wird in den Sozialgesetzbüchern gesondert hervorgehoben. Um die Koordination der Leistungen geht es in § 10 des ersten Teils des SGB IX. Die Leistungsträger haben demnach die erforderlichen Leistungen festzustellen und ein nahtloses Ineinandergreifen zu gewährleisten.

Einige der zentralen Zielsetzungen des Paradigmenwechsels sind Selbstbestimmung und Teilhabe sowie persönliches Budget. § 20 SGB IX verweist zudem auf die Erfordernisse einer umfassenden Qualitätssicherung. Die Umsetzung dieser Grundlagen stößt jedoch oft auf Probleme, nicht selten aufgrund eines Streits um die Zuständigkeit. Hinzu kommt, dass das Rehabilitationssystem zwar sehr ausdifferenziert, jedoch selbst für Fachleute oftmals unübersichtlich ist.

Die Aktion Psychisch Kranke weist auf die regional sehr unterschiedlichen Hilfsangebote hin und fordert gleiche Bedingungen für alle Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Kritisiert werden außerdem die nach wie vor bestehenden Barrieren beim Zugang zu erforderlichen und berechtigten Leistungen.

Im Folgenden nennt Bungart einige Konzepte, anhand derer man konkrete Maßnahmen zur Erhaltung und Erlangung der Arbeitsfähigkeit bestimmen und prüfen kann.

Dem Konzept des Fallmanagements liegt die Idee einer koordinierenden Bezugsperson bei der Umsetzung der Hilfeplanung zugrunde. Entwickelt wurde das Konzept in den USA in den 70er Jahren und umfasst soziale Einzelfallhilfe. Im Rahmen des Fallmanagements werden erforderliche Dienste und Dienstleistungen zusammengeführt und koordiniert. Hierbei sind die Betroffenen die Hauptakteure, deren Eigenverantwortung und Selbstbestimmung es zu stärken gilt. Der Prozess des Case-Managements verläuft in verschiedenen Phasen, der Bedarfsabklärung, Maßnahme- und Prozessplanung, Durchführung, Kontrolle und Evaluation.

Im englischen Sprachraum wurde das Konzept der Recovery (Wiedererlangung) entwickelt. Die Betroffenen selbst bestimmen hierbei die Zielsetzung der Rehabilitation. Unter anderem liegen dem Konzept die Thesen: Recovery kann auch ohne professionelle Intervention geschehen sowie: Recovery ist ein individueller, ganz persönlicher Prozess zugrunde.

Beim Konzept des Managing Diversity sollen die unterschiedlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten der Menschen geachtet und genutzt werden. Vor diesem Hintergrund gilt es Strategien für einen nicht-diskriminierenden Umgang mit der Verschiedenheit der Menschen zu entwickeln.

Mit dem Konzept der unterstützten Beschäftigung wurde in den USA ein Konzept zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung entwickelt und 1984 gesetzlich verankert. Von großer Bedeutung ist hierbei, dass die Menschen erst platziert werden und dann direkt am Arbeitsplatz qualifiziert werden. Zusammenfassen lässt sich, dass das Konzept auf dauerhafte und bezahlte Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt abzielt, eine ambulante Maßnahme ist und sich an den individuellen Fähigkeiten orientiert.

Die Auswahl der Konzepte soll dem Autor zufolge zeigen, dass bei psychischer Erkrankung, ausgehend von den individuellen Voraussetzungen, Strategien entwickelt werden müssen. Zu beachten ist dennoch, dass psychische Erkrankung im Betrieb noch immer auf Vorbehalte bei allen Beteiligten stößt und eine solche Erkrankung oftmals nur schwer erkennbar ist. Grundsätzlich sind einige Prinzipien im Umgang mit einer psychischen Erkrankung zu beachten. Für Menschen mit psychischer Erkrankung ist eine Umgebung förderlich, die von Klarheit und Verlässlichkeit sowie Ruhe und Gelassenheit geprägt ist. Wichtig ist zudem, dem Betroffenen und seinen Angehörigen Hilfe zum Verständnis und zur Akzeptanz zu geben und sich auf die vorhandenen Fähigkeiten zu konzentrieren.

Den Ergebnissen einiger Projekte zufolge ist betriebliche Gesundheitsförderung dann erfolgreich, wenn im Betrieb psychische Belastungen abgebaut werden, Handlungs- und Entscheidungsspielräume der Beschäftigten erhöht werden sowie das Verständnis aller Beteiligten gefördert wird.

Generell sollte betriebliche Gesundheitsförderung dauerhafter Bestandteil der Personal- und Organisationsentwicklung eines Unternehmens sein. Nur dann können Fehlzeiten und damit verbundene Kosten gesenkt werden. Bei der Auswertung von Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung wird die oftmals fehlende Zusammenarbeit zwischen Krankenkassen und anderen Leistungsträgern kritisiert. Projekte zur betrieblichen Gesundheitsförderung sind außerdem zu wenig kontinuierlich angelegt. Es gibt also insgesamt noch erhebliche Potenziale zur Verbesserung der betrieblichen Gesundheitsförderung.

In SGB IX in § 83 und § 84, Absatz 2 werden ebenfalls wichtige Rahmenbedingungen zur Erhaltung und Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit festgelegt. Das Eingliederungsmanagement bezieht sich auf Beschäftigte, die innerhalb eines Jahres mehr als sechs Wochen ununterbrochen arbeitsunfähig sind. Vergleichbar sind die Maßnahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements mit denen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Ein Erfolg wird davon abhängig sein, wie effektiv und nahtlos die Zusammenarbeit der Beteiligten funktioniert. Voraussetzung hierfür ist eine vertrauliche Absprache zwischen den Akteuren, vor allem beim Hinzuziehen von externen Diensten. Der Integrationsfachdienst könnte hier eine besondere Rolle übernehmen.

Dies wird auch aus der Studie zur Einführung eines betrieblichen Eingliederungsmanagements beim BMW-Werk in Regensburg deutlich. Dieser zufolge sind die Integrationsfachdienste geeignet, Betriebe beim Aufbau eines betrieblichen Eingliederungsmanagements zu unterstützen und die Eingliederungsarbeit zu begleiten.

Um eine bestmögliche Zusammenarbeit der IFD und dem betrieblichen Integrationsteam zu gewährleisten, sei eine enge Anbindung an das Integrationsamt und eine vertiefte Qualifizierung der Integrationsfachdienstmitarbeiter notwendig.

Abschließend ist festzuhalten, dass unter Berücksichtigung der Wünsche und Ressourcen der Betroffenen Teilhabe gesichert und eine effiziente Kosten-Nutzen-Relation erlangt werden kann, wenn eine effektive Koordination der Bereitstellung adäquater Hilfen und eine Optimierung betrieblicher Rahmenbedingungen erfolgt.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Teil 1 des Artikels | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


impulse - Fachmagazin
Homepage: https://www.bag-ub.de/veroeffentlichung/typ/958

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0141/0108B


Informationsstand: 09.02.2021

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