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Bibliographische Angaben zur Publikation

Billigversorgungen werden belohnt

AOK-Prothesenvertrag mit fatalen Auswirkungen



Autor/in:

Müller, Ralf


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

HANDICAP, 2008, 15. Jahrgang (Heft 1), Seite 152-154, München: Belitz & Neumann


Jahr:

2008



Abstract:


Rechtsanwalt Ralf Müller beleuchtet die Auswirkungen des Beinprothesenvertrags zwischen dem AOK Bundesverband und dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV) für die Versicherten. Der Vertrag ist im Zuge der Gesundheitsreform 2007 umgesetzt worden und hat eine einheitliche Abrechnung zwischen Sanitätshaus und Versicherung zum Ziel. Demnach muss ein Sanitätshaus, das nach dem 31.12.2008 Versicherte versorgen will, einen Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse des Patienten schließen.

Durch den Vertrag sollen grundsätzlich Streitigkeiten bei der Abrechnung vermieden, möglichst günstige Preise geschaffen werden und die Versorgung des Versicherten sichergestellt werden. Infolge dessen wird sich die Bewilligung des Hilfsmittels erheblich verkürzen und der Orthopädie-Techniker wird mit dem Patienten gemeinsam die Versorgung besprechen.

In den Anlagen des Vertrages finden sich konkrete Leistungsbeschreibungen einzelner Versorgungen mit den für das Sanitätshaus abrechnungsfähigen Positionen. Problematisch seien hierbei die Abrechnungspositionen für Definitiv-Versorgungen und Nachbesserungen, denn die Leistungserbringer müssen beispielsweise eine sechsmonatige Passformgarantie auf Schäfte abgeben, ohne dass Nachbesserungen erneut abgerechnet werden dürfen. Schließlich werde sich dies auf die Versorgungsqualität der Versicherten auswirken.

Im Bereich der Liner- und Kniegelenkversorgung werden zudem kostengünstige Produkte durch höhere Aufschläge belohnt. Bestraft werde also das Sanitätshaus, das seinen Patienten eine hochwertige Versorgung empfiehlt. Insgesamt bestehe durch den Vertrag mehr Klarheit und die Feststellung der medizinischen Erfordernisse einer individuellen Prothesenversorgung werde für die Beteiligten transparenter - durch Profilerhebungsbögen und die Begründung von Kostenvoranschlägen bereits bei Antrag auf Kostenübernahme. Dennoch würden sich die im Vertrag festgelegten Preisgestaltungen negativ auf die Versorgungsqualität auswirken. Prothesenträger sollten sich daher im Vorfeld selbst über die bestmögliche Versorgung informieren.

Dass es sich lohnt, für eine gute Versorgung zu kämpfen, zeigt das Beispiel eines oberschenkelamputierten Mannes. Das Sozialgericht Nürnberg entschied mit Urteil vom 26.3.2008, Aktenzeichen: S 11 KR 467/06 zu Gunsten des Klägers. Der Mann hatte gegenüber dem Sozialhilfeträger und auch gegenüber der Krankenkasse die Versorgung mit einem computergesteuerten energy Kniegelenk beantragt. Dies wurde von den zuständigen Stellen abgelehnt. Trotz negativer medizinischer Gutachten bekam der Mann vor Gericht Recht und die Kosten mussten von der Krankenkasse übernommen werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


HANDICAP - Das Magazin für Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen und ihre Freunde
Homepage: http://www.handicap.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0130/6659


Informationsstand: 27.05.2008

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