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Bibliographische Angaben zur Publikation

Raus mit der Sprache!

Wege der Verständigung - Unterstützte Kommunikation



Autor/in:

Obermayr, Ursula


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

HANDICAP, 2006, 13. Jahrgang (Heft 4), Seite 120-125, München: Belitz & Neumann


Jahr:

2006



Abstract:


Jeder Mensch kommuniziert auf seine Weise. Die Autorin Ursula Obermayer stellt fest, dass nichtbehinderte Gesprächspartner oftmals größere Schwierigkeiten bei der Kommunikation haben als die Menschen, die alternativ Sprechen.

Die Voraussetzung von Kommunikation ist, dass mindestens zwei Menschen beteiligt sind. Schon beim ersten Zusammentreffen werden nonverbale Signale ausgesendet, die oftmals unmissverständlich scheinen. Hingegen früherer Meinungen, ist heute anerkannt, dass keine bestimmten Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um Kommunikationsförderung zu erhalten.

Äußern Kinder keine Lautsprache, besteht bei Eltern und Fachleuten oft eine Unsicherheit darüber, ob dies körperliche Gründe hat oder auf kognitive Beeinträchtigungen zurückzuführen ist. Beim Erlernen der Kommunikation lernen Kinder zunächst, durch eine bestimmte Aktion etwas auszulösen. Dies wird dann durch zwei oder mehrere Taster für verschiedene Aktionen gesteigert. Um eine sprachliche Verständigung überhaupt erst möglich zu machen, muss die Verbindung zwischen einer Aussage und dem Erfolg erlernt werden.

Die fehlende Lautsprache kann durch technische oder nicht technische Hilfsmittel ersetzt werden. Schriftsprachbasierte Systeme bieten Menschen, die lesen und schreiben können, den Vorteil, dass ein beliebiger Text ausgesprochen werden kann. Ausgegeben werden kann Schriftsprache auch durch sogenannte Talker, bei denen eine geeignete Eingabemöglichkeit mit einem Sprachausgabegerät kombiniert wird.

Für Menschen mit geistiger Behinderung bieten Symbole die Möglichkeit eines differenzierten Ausdrucks. Die Symbole werden auf Karten, Tafeln oder direkt durch Gegenstände dargestellt. Die Symbole können anhand einer Software individuell angepasst werden. Die Symbole stellen auch Abkürzungen dar. Eine aus internationalen Symbolen bestehende Software macht sich dies zunutze. Zum Benutzen dieser Technik ist eine Lern- und Gedächtnisleistung vergleichbar mit dem Erlernen einer Fremdsprache notwendig. Der Umgang mit dem Talker erfordert somit einige Übung.

Ein Weg der Kommunikation ohne Lautsprache erfolgt über körpereigene Ausdrucksweisen wie Mimik und Gestik. Bei dieser Art zu Kommunizieren ist der Gesprächspartner sehr gefordert. Fragen auf die mit Ja und Nein geantwortet werde kann, erleichtern die Kommunikation.

Das Ja-Nein-System haben die Teilnehmer der Förderstätte Perspektive in Unterschleißheim perfektioniert. Stephanie Schuchmann bedient sich beim Sprechen der Hilfe eines Assistenten. Die spastisch gelähmte Frau kommuniziert am liebsten mit einer Augensprache, die der Assistent dem Gesprächspartner dann übersetzt. Die junge Frau lebt unabhängig von ihren Eltern in einer Wohnung, die mit Umfeldsteuerung ausgestattet ist. Unterstützt wird sie von fünf Assistenten, die ihr bei den Dingen helfen, die sie nicht selbstständig machen kann. Um ihre Erfahrungen zu teilen, leitet sie ehrenamtliche Workshops beim Verein Isaac und versteht sich hier als Mutmacher.

Die 43-jährige Gabi R. brachte sich selbst das Schreiben mit dem Fuß bei, nachdem sie die Eingabe mit dem Kopfschreiber aufgrund von gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr ausführen konnte. Auf den Delta Talker wurde Gabi Rennert auf einer Rehamaßnahme aufmerksam. Sie besuchte ein Seminar, um die Benutzung des Talkers zu erlernen und beherrschte dank fleißigen Übens die Handhabung rasch. Ohne einen Antrag zu stellen wurde ihr die nächste Generation des Kommunikationsgerätes, ein Power Talker, genehmigt. Dieser verfügt über zahlreiche Funktionen bei denen man sogar Vorträge speichern kann.

Kathrin L. steht kurz vor dem Abitur. Sie hat eine Cerebralparese und verständigt sich über Schriftsprache, die sie mit Blicken mitteilt. Hierzu verwendet sie eine Buchstabentafel und ihren MyTobii, ein modernes Computersystem mit Augensteuerung.

Trotz unterschiedlichster Sprechweisen sind die Erwartungen behinderter Menschen an ihre Gesprächspartner die gleichen. Sie wünschen sich, dass sie die Chancen und die Zeit bekommen, dass was sie sagen wollen zu sagen, dass nicht die eigenen Ansichten in das Gesagte interpretiert werden, und, dass sie die Möglichkeit bekommen auszureden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Kommunikationshilfen | REHADAT-Hilfsmittel




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


HANDICAP - Das Magazin für Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen und ihre Freunde
Homepage: http://www.handicap.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0130/6020


Informationsstand: 14.02.2007

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