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Bibliographische Angaben zur Publikation

Neue Technologien, Technikeinsatz und Werkstätten für Behinderte

Anforderungen an das Qualitätsniveau der Fachkräfte und Produzenten



Autor/in:

Huß, Gottfried


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e.V. (BAG WfbM)


Quelle:

Berichte Informationen Meinungen, 1994, 10. Jahrgang (Heft 3), Seite 22-29, Frankfurt am Main: Eigenverlag


Jahr:

1994



Abstract:


Heute existieren nicht nur in Deutschland in vielerlei Formen die Werkstätten für Behinderte. Sie sind in der Anzahl der Arbeitsplätze so schnell gewachsen, dass bis heute keine rechte Zeit zum grundlegenden Durchdenken der vielschichtigen Inhalte einer Werkstatt für Behinderte gefunden werden konnte. Diese Inhalte werden meistens von den Geschäftsführern oder Verantwortlichen geprägt.

Nach Stuffer führt die Berufsgrundbildung in der Werkstufe die Allgemeinbildung der Sonderschule weiter und ergänzt sie. Als erste Phase der eigentlichen beruflichen Bildung führt sie gezielt zur Arbeitswelt und Berufswahl hin und entwickelt Verhaltensweisen, die zu einer beruflichen Ausbildung befähigen. Die Werkstufe bildet jedoch selbst noch nicht für spezielle Tätigkeiten an bestimmten Arbeitsplätzen aus.

Nach Aufnahme des geistig behinderten Mitarbeiters in den AT-Bereich darf nun nicht all das Erlernte wiederholt werden, sondern die WfB sollte ihn als zukünftigen Mitarbeiter technisch orientiert unter Berücksichtigung ihrer Arbeitsfelder auf sein Arbeitsleben vorbereiten. Stuffer fordert die Notwendigkeit einer bilateralen Zusammenarbeit zwischen den verantwortlichen Personen und Institutionen in Sachen Berufsbildung Geistigbehinderter. Es geht dabei erstens um die Mitarbeit eines Werkstattvertreters im Team der Werkstufe. Zum zweiten erscheint es erforderlich zu sein, dass künftig ein Sonderpädagoge in der WfB mitarbeitet.

Heutige Situation und welches Ziel erreicht werden sollte:
Die weitere Entwicklung eines behinderten Mitarbeiters innerhalb einer WfB unterliegt bislang keiner systematischen Förderung. Zwar ist es durchaus möglich, dass dem behinderten Mitarbeiter eine Weiterqualifizierung ermöglicht wird, jedoch hängt diese von verhältnismäßig zufälligen Randbedingungen ab. So besteht beispielsweise in produktionsärmeren Zeiten die Möglichkeit, einzelne Mitarbeiter fallweise weiterzubilden. Auch ist es aus organisatorischen Gründen einem Gruppenleiter nicht möglich, alle seine Mitarbeiter systematisch weiterzubilden. Oftmals verbleibt der Mitarbeiter auf unbestimmte Zeit an seinem Arbeitsplatz und damit im Bereich seiner einmal für ihn als adäquat anerkannten Tätigkeit. Eine systematische geplante, organisierte und regelmäßig durchgeführte Weiterqualifizierungsmaßnahme soll an diesem Problem angreifen.

Ziele:

- Verbreiterung der beruflichen Qualifizierung der behinderten Mitarbeiter
- Erhöhung des spezifischen Anforderungsniveaus innerhalb des Tätigkeitsbereiches
- Minimierung von Arbeitsmonotonie
- Steigerung des Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins der Mitarbeiter

Die Werkstätten für Behinderte sind mit der deutschen Wirtschaft eng verbunden. Sie haben sich zum Partner der Industrie und des Handwerks emporgearbeitet und müssen deren Qualitätsmerkmale erfüllen.Die Verantwortlichen in den WfB müssen sich intensiv mit den Bausteinen der neuen Technologie vertraut machen. Sie müssen mit ihnen umgehen können, weil sie mit ihnen sinnvolle Vorrichtungen, Handhabungsmaschinen, Montageeinrichtungen und vieles mehr realisieren können und somit in die Lage versetzt werden, Aufträge anzunehmen, die sie bis jetzt nicht annehmen konnten.

Zur Zuordnung von Mitarbeitern und Tätigkeit
Es geht um die Zuordnung des richtigen Mitarbeiters an den richtigen Arbeitsplatz. Um eine Zuordnung in diesem Sinne leisten zu können, müssen mindestens vier Voraussetzungen erfüllt sein:
- Man braucht angemessene Arbeit in ausreichender Menge und von entsprechender Dauer (Auftragsbeschaffungsproblematik).
- Die Arbeitsgestaltung muss personenangemessen erfolgen. Hierbei sind insbesondere ergometrische Erfordernisse hinsichtlich physischer und psychischer Bedürfnisse des behinderten Mitarbeiters zu beachten. Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, inwieweit die Arbeit selbst den spezifischen Anforderungen des behinderten Mitarbeiters überhaupt gerecht werden kann (Sinnproblem).
- Der Mitarbeiter muss für die entsprechende Arbeit qualifiziert werden, sofern er bislang noch nicht über eine ausreichende Qualifikation verfügt (Qualifikationsproblem).
- Qualifizierte Mitarbeiter müssen den entsprechenden Arbeitsplätzen zugeordnet werden (Zuordnungsproblem).

Fortbildungsveranstaltungen können angeboten werden:
- von den Fachschulen für Technik in ihrer vorlesungsfreien Zeit. Diese stehen auch mit Rat und Tat, zum Beispiel durch Studien- oder Diplomarbeiten gerne den WfB zur Verfügung.
- von gewerblichen Berufsschulen, wenn sie entsprechend der Ferienzeit Kapazitäten frei haben und ihre qualifizierten Labors, zum Beispiel für Steuerungstechnik, zur Verfügung stellen können,
- durch die Handwerkskammern,
- durch einzelne Firmen

Beispiele von Fortbildungsmaßnahmen:
- Fortbildungskurs für Werkstatt- und Gruppenleiter im Erlernen von pneumatischen Steuerungen einschließlich der Einbindung der speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) an der Fachhochschule für Technik in Esslingen.
- Kurs für den Einsatz neuer Technologien in der WfB, Lehrangebot des Verbandes evangelischer Einrichtungen für geistig und seelisch Behinderte im IHK-Zentrum Grunbach.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e.V. (BAG WfbM)
Homepage: https://www.bagwfbm.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0117/896


Informationsstand: 15.08.1994

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