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Bibliographische Angaben zur Publikation

Praxisbeispiele aus Europa


Autor/in:

Hagemeier, Ralf


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e.V. (BAG WfbM)


Quelle:

Werkstatt:Dialog, 2003, 19. Jahrgang (Heft 5), Seite 11-14, Frankfurt am Main: Eigenverlag


Jahr:

2003



Abstract:


In vielen Ländern Europas zeigt sich im Gegensatz zu Deutschland ein Trend weg von den Werkstätten hin zu Trainingszentren, mit dem Ziel der Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Hinsichtlich der künftig weitreichenden Kompetenzen der Europäischen Union in den Bereichen Sozial- und Beschäftigungspolitik muss Deutschland sich mit der Entwicklung in anderen Ländern auseinander setzen.

Der Artikel stellt die Modelle anderer europäischer Länder vor. Schwerpunkt bei diesen Vergleichen wurde auf folgende Aspekte gelegt:
- Wie viele Personen mit Behinderung nehmen die rehabilitativen Dienstleistungen in Anspruch?
- Welche Arten von Behinderung haben diese Personen?
- Welche Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln Sie den behinderten Personen?
- Welche Dauer haben die Maßnahmen zur berufliche Bildung des jeweiligen Landes?
- Welche generelle Zielsetzung haben die Einrichtungen, beziehungsweise Dienstleistungen?
- Sind die Reha-Konzepte beschützt, teilweise beschützend, gibt es unterstützte Beschäftigung oder ist diese ausschließlich am allgemeinen Arbeitsmarkt orientiert?

Anhand dieser Fragestellungen wird zunächst das in Irland angewandte Konzept zur beruflichen Rehabilitation vorgestellt. Das System dort ist im Umbruch. Die Umstrukturierung setzt auf möglichst weitgehende Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt. Mit Hilfe eines Expertenteams wird versucht, Hindernisse bei der Einbindung in den allgemeinen Arbeitsmarkt so früh wie möglich zu beseitigen. So ist es bereits gelungen, sowohl die Leistungsfähigkeit der behinderten Beschäftigten zu erhöhen, als auch die Arbeitszufriedenheit zu steigern. Außerdem konnten durch Anwendung des neuen Konzepts mehr Arbeitnehmer aus Werkstätten in den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Auch in Belgien gab es in den letzten Jahren Veränderungen im Bereich der Werkstättenarbeit und der beruflichen Rehabilitation. Die Werkstätten selbst, die mit Mitteln des 'Flämischen Fonds für die Soziale Integration von Menschen mit Behinderungen' finanziert wird, starteten eine Initiative, um den gewandelten Bedingungen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt Rechnung tragen zu können. Durch diese Aktionen sollen geeignete Personen in Tätigkeiten außerhalb der Werkstatt vermittelt werden.

In den Niederlanden sind etwa 90.000 Personen in rund 93 Werkstätten beschäftigt, die in einem Dachverband organisiert sind. Seit der Einführung des 'Gesetzes zur geschützten Beschäftigung' 1998 haben sich allerdings gravierende Veränderungen ergeben. Das Gesetz grenzte zunächst die Personengruppe ein, die in den Werkstätten eine Beschäftigung erhalten können. So will man sicherstellen, dass diese Plätze den Menschen zur Verfügung stehen, die wirklich darauf angewiesen sind. Außerdem werden durch die neue Regulierung alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für eigentlich in Werkstätten Tätige greifbar, da das für unterstütze Beschäftigung gezahlte Budget auch für Assistenzleistungen und Lohnzuschüsse aufgewendet werden kann. Allerdings haben auch in den Niederlanden die Werkstätten mit einem ständig schrumpfenden Budget zu kämpfen, so dass die Sicherstellung der Leistungen in den nächsten Jahren große eine Herausforderung sein wird.

Österreich bemüht sich ebenfalls um die Integration möglichst vieler Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Die wienwork-GmbH treibt diese Entwicklung voran. Ihre wichtigsten Bereiche sind dabei der Integrative Betrieb (IB), der Ausbildungsbereich (AB), in dem junge behinderte Menschen in drei bis fünf Jahren in verschiedenen Berufsfeldern geschult werden, und der sozialökonomische Betrieb (SÖB), in dem langzeitarbeitslose Personen tätig sind. Bei Einstellung in den Integrativen Betrieben werden die ersten drei Monate als Arbeitserprobung gesehen, anschließend erfolgt eine Übernahme in ein auf bis zu neun Monate befristetes geschütztes Dienstverhältnis. Erst nach diesen beiden Phasen wird die Integration in den ersten Arbeitsmarkt durch Outplacement beziehungsweise Integrationsbegleiter vorbereitet.

In Frankreich findet sich ein duales Werkstättensystem, dass von dem Dachverband SNAPEI (Syndicat National des Associations Gestionnaires d'Etablissements et services pour Personnes Handicappés Mentales) geleitet wird. Es gibt die Ateliers Protégés (AP) und die Centres d' Aide par le Travail (CAT). Die Vermittlung in diese Einrichtungen übernimmt die COTOREP (Commission Départmentale de l'Education Spéciale). In den CAT ist der Personenkreis der schwerbehinderten Menschen beschäftigt, die einer umfassenden Betreuung bedürfen. Dort werden für sie hauptsächlich zwei Leistungen erbracht: zum einen werden die beruflichen Fähigkeiten geschult, zum anderen Kompetenzen im Alltag vermittelt. Ein Problem stellt sich für CAT darin, genügend Aufträge zu erwerben, um allen Betroffenen eine Beschäftigung bieten zu können. Um dies umfassend zu erreichen, ist eine Zusammenarbeit möglichst vieler europäischer Dachverbände nötig.

In Norwegen sind rund 6000 behinderte Menschen in drei verschiedenen Beschäftigungsprogrammen erfasst. Dazu gehören die Werkstätten für behinderte Menschen (VTA), die Modelle unterstützter Beschäftigung (AB) und schließlich Arbeitsvorbereitungs-Zentren (APS). Diese Institutionen sind auf etwa 200 Standorte in Norwegen verteilt. Die meisten der behinderten Menschen weisen eine Lernbehinderung oder geistige Behinderung auf. Die in den Einrichtungen vermittelte berufliche Bildung sieht vor allem vor, eine Beschäftigung in einem ausgewählten Arbeitsgebiet vorzubereiten.

Nach dem Umbruch 1989 wurden in Polen private Werkstätten für behinderte Menschen gegründet, die im Dachverband POPON organisiert sind. Diese Werkstätten sind Privatunternehmen, in denen mindestens 30 Prozent der Beschäftigten behindert sein müssen. Diese sind steuerbefreit und bieten so die Möglichkeit, schnell gewinnbringend zu wirtschaften. Allerdings wurden in diesem Rahmen kaum rehabilitative Leistungen erbracht; auch die Vermittlung in den allgemeinen Arbeitsmarkt war nicht Ziel der Unternehmen. Erst in den letzten Jahren ist ein neuer Dachverband mit dem Namen 'OZON' gegründet worden, der vor allem Menschen mit leichteren Behinderungen in unterstützte Beschäftigung vermitteln möchte.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Werkstatt:Dialog
Homepage: https://www.bagwfbm.de/wdg

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Referenznummer:

R/ZS0117/0001


Informationsstand: 22.01.2004

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