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Bibliographische Angaben zur Publikation

Schwerbehindert und arbeitslos - aussichtslos?

Praktische Wege aus der Beschäftigungskrise



Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Deutsche Behinderten Zeitschrift, 2000, 37. Jahrgang (Heft 1), Seite 32, Remagen: Reha-Verlag, ISSN: 0939-4702


Jahr:

2000



Abstract:


Nicht nur Menschen mit Behinderung leiden unter der aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Folgen von (Langzeit-) Arbeitslosigkeit sind für diese Personengruppe aber erheblich gravierender. Über den Umgang mit der Krise und neue Wege der beruflichen Integration Schwerbehinderter sprach REHA INFO mit Hartmut Elsner, Hauptfürsorgestelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

WIE STELLT SICH DIE AKTUELLE SITUATION AUF DEM ARBEITSMARKT FÜR MENSCHEN MIT SCHWERBEHINDERUNG DAR? WAS HAT SICH IN LETZTER ZEIT VERÄNDERT?
Das Schwerbehindertengesetz, das Arbeitgeber mit mindestens 16 Arbeitsplätzen verpflichtet, 6 Prozent Schwerbehinderte zu beschäftigen, ist in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden. Nachdem die tatsächliche Beschäftigungsquote von damals 3,8 Prozent bis 1982 auf 5,9 Prozent anstieg, hat sie sich seitdem immer mehr verringert. Sie liegt jetzt nur noch bei 4 Prozent und hat damit fast den Ausgangspunkt von vor 25 Jahren erreicht. Damit können wir natürlich nicht zufrieden sein. Neben der allgemeinen Wirtschaftslage haben in den letzten zehn Jahren vor allem Rationalisierungen, Automatisierungsprozesse und Spezialisierungstendenzen die Einstellung arbeitsloser Schwerbehinderter erschwert. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wird die Einstellung und Beschäftigung von besonders betroffenen Arbeitslosen oder von der Arbeitslosigkeit bedrohten, älteren Schwerbehinderten zum Beispiel vom Beginn des neuen Jahres an durch die Arbeitsämter mit degressiven Lohnkostenzuschüssen bis zur Dauer von acht Jahren gefördert werden können.

WELCHES SIND DIE WESENTLICHEN PROBLEME BEI DER VERMITTLUNG VON ARBEITS- UND AUSBILDUNGSSTELLEN?
Die Anforderungen an Schwerbehinderte im Beruf sind stark gestiegen. Mobilität und Spezialisierung sind auch hier wesentliche Einstellungskriterien. Inzwischen ermöglichen ins Internet gestellte Datenbanken eine bundesweite Übersicht der Stellenangebote, so dass Bewerber nicht nur regional vermittelt werden können. Es ist aber zum Beispiel schwer, von Körperbehinderten den Wohnortwechsel zu fordern, weil sie auf ein bestimmtes Umfeld angewiesen sind. Besonders wichtig ist gerade für Behinderte eine hinreichende Basisqualifikation durch Schule und Ausbildung. Der persönliche Betriebskontakt des Schwerbehindertenvermittlers beim Arbeitsamt wirkt sich vorteilhaft aus. Durch die Vermittlung von Praktika, Trainingsmaßnahmen und zeitlich begrenzten Arbeitsverträgen haben Unternehmen die Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit Behinderten kennen zu lernen und sich mit der rechtlichen Situation vertraut zu machen.

Die Erfahrungen der Integrationsdienste zeigen, dass der Einstieg in ein Dauerarbeitsverhältnis imm häufiger über ein vorgeschaltetes Praktikum läuft. Integrationsdienste kümmern sich sehr individuell um Praktika, Ausbildungs- und Arbeitsstellen für schwerbehinderte Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten unterstützen den behinderten, wenn erforderlich, inner- und außerbetrieblich. Ein weiteres Problem: Trotz umfangreicher Informationen und Aufklärung glauben viele Arbeitgeber immer noch an die Unkündbarkeit behinderter Arbeitnehmer. Der Kündigungsschutz für Schwerbehinderte setzt aber erst nach sechsmonatiger Beschäftigungszeit ein und berücksichtigt das Interesse des Arbeitgebers an einer wirtschaftlichen und reibungslosen Betriebsführung ebenso wie das Interesse des Behinderten an der Erhaltung des Arbeitsplatzes. Häufig tragen fachliche Beratung und finanzielle Hilfen der Hauptfürsorgestelle dazu bei, die Kündigungsabsicht fallen zu lassen und den Arbeitsplatz für Schwerbehinderte zu sichern.

GIBT ES NEUE, BEHINDERTENGERECHTE BERUFSBILDER UND AUSBILDUNGSWEGE?
Es zeichnet sich ab, dass sich der Bereich der Telekommuniaktion besonders für Menschen mit Behinderung eignet. Lehrgänge zum Call-Center-Agent, im Bereich des Telefonmarketings und Online-Bankings sind nur einige neue Möglichkeiten. Neben den neuen Ausbildungswegen spielen vor allem Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen eine ganz entscheidende Rolle.

WIE SEHEN SIE ZUKÜNFTIG DIE CHANCE DER BERUFLICHEN INTEGRATION SCHWERBEHINDERTE MENSCHEN?
Dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer bereit zeigen, soweit wie möglich auf die andere Seite zuzugehen, stimmt uns positiv. Die Hauptfürsorgestellen versuchen diesen Trend - neben der finanziellen Unterstützung - durch immer umfangreichere Beratung der Unternehmen aufzunehmen und ihren Teil zur Integration beizutragen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Behinderten Zeitschrift
Homepage: https://www.reha-verlag.com/dbz/index.html

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0112/2851


Informationsstand: 15.08.2000

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