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Bibliographische Angaben zur Publikation

Wohnungsfürsorge nach dem Schwerbehindertenrecht


Autor/in:

Adlhoch, Ulrich


Herausgeber/in:

Sozialverband VdK Deutschland e.V.


Quelle:

Sozialrecht und Praxis, 1999, 9. Jahrgang (Heft 4), Seite 239-255, Bonn: Eigenverlag, ISSN: 0939-401


Jahr:

1999



Abstract:


Das Schwerbehindertengesetz (SchwbG) kennt eine Reihe von Leistungen an schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Eine dieser Hilfen stellen die Hilfen zur Beschaffung und Erhaltung einer behindertengerechten Wohnung dar. Da es sich bei den Wohnungshilfen um relativ arbeitsplatzferne Leistungen handelt, ist die Gewährung von Mitteln der Ausgleichsabgabe für Wohnungsfürsorgemaßnahmen konsequent und eng an dem Ziel der beruflichen Integration Schwerbehinderter und an den allgemeinen leistungsrechtlichen Vorgaben nach dem SchwbG (§§ 31 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 Buchstabe d) SchwbG, 22 SchwbAV) auszurichten.

Dazu gibt der Text zahlreiche detaillierte Hinweise.

Zunächst zählt der Autor die für die Gewährung von Wohnungsfürsorge maßgeblichen Regelungen auf. Bundesrechtlich sind einschlägig: das SchwbG, die SchwbAV sowie das WobauG II. Daneben gibt es vereinzelt relevante Bestimmungen des nordrhein-westfälischen Landesrechts. Bei der Darstellung der Leistungen im Rahmen der Wohnungsfürsorge wird allein auf die bundesrechtlichen Regelungen Bezug genommen.

1) Bei den Leistungen der begleitenden Hilfe im Arbeits- und Berufsleben handelt es sich um Ermessensleistungen. Der Autor zählt verschiedene Punkte auf, die bei der Ausübung des Ermessens zu berücksichtigen sind. Insbesondere ist wegen der Mittelknappheit eine Prioritätssetzung innerhalb der verschiedenen Leistungszwecke erforderlich. Arbeitsplatzfernere Leistungen, zu denen auch die Wohnungsfürsorge zählt, genießen grundsätzlich eine geringere Priorität als Leistungen unmittelbar zur Förderung des Arbeits- und Ausbildungsplatzangebots für Schwerbehinderte. Dies insbesondere auch unter Berücksichtigung der Herkunft der Ausgleichsabgabemittel als Zahlungen von Arbeitgebern und des Gebots, diese Mittel 'gruppennützig' zugunsten der Abgabepflichtigen zu verwenden.

2) Der in § 22 Absatz 1 Nummer 1 SchwbAV enthaltene Verweis auf § 2 Absatz 2 des II. WobauG betrifft vor allem die förderungsfähigen Wohnungstypen sowie die dabei im Rahmen des Förderrechts zu beachtenden zulässigen Wohnungsgrößen.

3) Die grundlegenden Leistungsvoraussetzungen für die Hilfen zur Beschaffung, Ausstattung und Erhaltung einer behindertengerechten Wohnung ergeben sich aus § 18 SchwbAV. Hier sei insbesondere auf eine Lockerung der Voraussetzungen durch die Neufassung (seit 1988) des § 18 Absatz 2 Nummer 1 SchwbAV hingewiesen: es muss nicht mehr kausal eine Notwendigkeit der konkreten Leistungsgewährung für die Eingliederung in das Arbeits- und Berufsleben nachgewiesen werden, sondern nur noch, dass die Eingliederung durch die Leistung 'ermöglicht, erleichtert oder gesichert' werden kann. Der Leistungstatbestand der Beschaffung behinderungsgerechten Wohnraums ist durch 2 Merkmale gekennzeichnet: Aufgabe der bisherigen Wohnung und Bezug einer anderen (Neubau-) Wohnung. Entsprechend dieser Zweistufigkeit ist auch förderungsrechtlich auf 2 Ebenen zu prüfen: ist die bisherige Wohnung behinderungswidrig und steht eine behinderungsgerechte Wohnung zur Verfügung beziehungsweise kann diese mit vertretbarem Aufwand behinderungsgerecht gestaltet werden.

Die Eingliederung in das Arbeits- und Berufsleben ist aber nicht nur Voraussetzung für Leistungsgewährung, sondern zugleich auch Zweck- und Zielbestimmung für den Einsatz von Ausgleichsmitteln: es geht immer um die 'Ermöglichung, Erleichterung und Sicherung' der Eingliederung. Allgemeine Voraussetzung ist ferner die Unzumutbarkeit für den Betroffenen, die erforderlichen Mittel selbst aufzubringen. Andernfalls sind seine Einkommensverhältnisse zu berücksichtigen. Wegen des Charakters der Leistungen als 'langfristig' sind an wiederholte Maßnahmen der Wohnungsfürsorge besonders strenge Anforderungen zu stellen. Hierunter fällt auch, dass grundsätzlich keine Förderung solcher Schwerbehinderter stattfindet, die in (längstens) 2 Jahren die Voraussetzungen der Altersrente für Schwerbehinderte gemäß § 37 SGB VI erfüllen werden.
4) Im Geltungsbereich der SchwbAV ist die Gewährung und Begrenzung finanzieller Hilfen anhand von Förderpauschalen und -höchstgrenzen möglich, so dass eine betragsmäßige Regel-Begrenzung von Leistungen der begleitenden Hilfe im Arbeitsleben nach dem SchwbG stattfinden kann.

5) Das Aufstockungsverbot (keine Aufstockung von Rehabilitationsleistungen durch die Hauptfürsorgestelle, § 1 Absatz 4 SchwbG) gilt auch hier: Leistungen der Wohnungsfürsorge nach § 22 SchwbAV dürfen nur erbracht werden, soweit Leistungen für denselben Zweck nicht von einem Rehabilitationsträger erbracht werden (Vorrang der Rehabilitationsleistungen, § 18 Absatz 1 Satz 1 SchwbAV). Bei der Abgrenzung kommt es auf die eindeutige Feststellung des Leistungszwecks an.

Demgegenüber stehen Leistungen der Krankenkasse, soweit es sich um Hilfsmittel gemäß § 33 Absatz 1 Satz 1 SGB V handelt, generell einer Leistung gemäß § 22 SchwbAV nicht entgegen. Zuschüsse der Pflegekassen für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnungsumfelds der Pflegebedürftigen gemäß § 40 Absatz 4 SGB XI sind zwar nicht vom Aufstockungsverbot des § 31 Absatz 4 SchwbG erfasst, da diese Leistungen begrifflich keine Rehabilitationsleistungen darstellen. Allerdings sind sie schon von Gesetzes wegen nur subsidiär zu gewähren und nachrangig gegenüber Leistungen der begleitenden Hilfe im Arbeitsleben nach dem Schwerbehindertenrecht.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Social accomodation according to the Severely Disabled Law


Abstract:


The (German) Severely Disabled Law (SchwbG) has a series of benefits for disabled employees. One of these is help in acquiring and maintaining suitable for the disabled accomodation.. As this accomodation help is relatively 'removed from workplace' benefits, the granting of funds from the Equalisation Taxation for social accomodation measures is consistent and close to the aim of vocational integration of the severely disabled and in line with the general legal benefit requirements of the SchwbG (paragraphs 31 para.3 pg.1 No.1 letter d) SchwbG, 22 SchwbAV). The text gives numerous detailled guides.

Firstly, the author lists all the substantial regulations for granting social accomodation. Relevant to Federal German Law are: SchwbG, SchwbAV as well as WobauG II.As well as this there are isolated relevant regulations of the North Rhine Westphalian Land Law.In presenting the benefits in the context of social accomodation only the Federal German regulations will be referred to.

1. The benefits of supporting help in working and vocational life concern discretionary benefits. The author lists various points to be taken into account in carrying out the estimation. Because of the shortage of funds setting priorities within the different benefit applications is especially necessary. Benefits removed from the workplace, which includes social accomodation, basically have less priority than benefits directly for the support of work and training place offers for the severely disabled. This especially takes into account the origin of the Equalisation Tax Funds as a payment from employers and the order to use these funds for 'group use' in favour of those who pay the taxes.

2. The in paragraph 22 para.1 No.1 SchbAV contained reference to paragraph 2 para.2 of II. WobauG especially concerns the type of accomodation to be supported as well as the permitted size of the accomodation to be observed in the context of the support law.

3. The basic benefit requirements for aid for acquiring, equipping and maintaining suitable for the disabled accomodation are found in paragraph 18 SchwbAV. Here in particular, reference is made to an easing of the requirements in the new version (since 1988) of paragraph 18 para. 2 No. 1 SchwbAV: a causal 'need' for concrete benefit allowance for integration into work and vocational life no longer must be shown, but only that the integration can be 'made possible, made easier or safeguarded' by the benefit.

The benefit state of affairs for the creation of disabled suitable living space is marked by 2 characteristics: function of the previous accomodation and relationship to other (new) accomodation. Corrosponding to these two steps,to be proven on 2 levels according to support law: is the previous accomodation unfavourable to disabled people and is there suitable for the disabled accomodation available or can this be organised for the disabled with acceptable expenditure.

The integration into working and vocational life is not only a requirement for granting the benefits but also the reason and aim for the use of the equalisation funds: it always concerns 'enabling, easing and safeguarding' integration. Furthermore, a general requirement is the unacceptability of those affected to provide the necessary funds themselves. On the other hand the income must be taken into account. Because the benefit characteristics are 'long-term' particularly strong demands are set for repeated measures for social accomodation. Included here is also that basically there is no support for those severely disabled people who fulfill in (at the most) 2 years the requirements of the olage pension for the severely disabled according to paragraph 37 SGB VI.

4. In the jurisdiction of the SchwbAV granting and limiting financial help on the basis of support lump sums and highest possible limits is possible, so that there is a rule limit according to the sum of benefits of supporting help in working life according to the SchwbG.

5. The prohibition of increases (no increases in rehabilitation benefits by the Main Welfare Office, paragraph 1 para. 4 SchwbG) is also valid here: Benefits for social accomodation according to paragraph 22 SchwbAV may only be available as long as benefits are not available 'for the same purpose' by a rehabilitation supporter (precedence of rehabilitation benefits, paragraph 18 para.1 p.1 SchbAV). In the limitation it depends on clearly establishing the benefit purpose.

In contrast to this are benefits from the medical insurances, in so far as this concerns aids according to paragraph 33 para.1 p.1 SGB V, in general not against a benefit according to paragraph 22 SchbAV. Subsidies from the nursing care insurance for measures of improving the individual accomodation environment of those in need of care according to paragraph 40 para.4 SGB XI are not affected by the increase prohibition, as these benefits do not represent 'rehabilitation benefits'. However, they are already granted by the law as only subsidies and are lower ranking compared with benefits of supporting help in working life according to the Severely Disabled Law.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


SGB IX Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen | REHADAT-Recht




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Sozialrecht + Praxis - Fachzeitschrift für Sozialpolitiker und Schwerbehindertenvertreter
Homepage: https://www.vdk.de/deutschland/pages/presse/6320/sozialrecht...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0102/2702


Informationsstand: 10.02.2000

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