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Bibliographische Angaben zur Publikation

Wie sich der Gesamt-GdB zusammensetzt

Zu den Anhaltspunkten im Schwerbehindertenrecht



Autor/in:

Braun, Werner


Herausgeber/in:

Sozialverband VdK Deutschland e.V.


Quelle:

Sozialrecht und Praxis, 2006, 16. Jahrgang (Heft 3), Seite 159-161, Bonn: Eigenverlag, ISSN: 0939-401


Jahr:

2006



Abstract:


Dr. Werner Braun diskutiert die aufkommenden Fragen bei der Bildung des Gesamtgrades der Behinderung.

Die Zahl der Zivilbehinderten hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Zurückzuführen ist dies auf den Rückgang der Kriegsbeschädigten sowie die zahlreichen Selbsthilfeorganisationen, welche die behinderten Menschen über ihre Möglichkeiten informieren. Auf Grund der Mehrfachbehinderungen wäre die Bildung eines Gesamt-GdB (Gesamtgrad der Behinderung) angebracht.

Nach dem Schwerbehindertenrecht sei die Addition der Einzelschäden weder richtig noch gerecht. Das Verbot der Addition kann bei der Feststellung der Ausweismerkzeichen G und B jedoch nicht uneingeschränkt praktiziert werden. So kann die Funktionsbeeinträchtigung zur Feststellung eines Gesamt-GdB anders sein als die zur Feststellung zur Einschränkung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr.

Der Autor ist hingegen der Meinung, dass im Einzelfall die Werte zu addieren sind. Er macht dies anhand des folgenden Beispiels deutlich:

Schädigungsfolgen am rechten Bein, Lockerung der Kreuzbänder, Zustand nach Wadenbeinbruch, Parkinson-Syndrom, degeneratives Wirbelsäulensyndrom mit Lumbago bedingen jeweils einen GdB zwischen 10 und 30. Eine Gesamtwürdigung ergäbe keinen Grad der Behinderung von 50. Dies hätte zur Folge, dass der Betroffene ohne Schwerbehindertenausweis und ohne G im heutigen Straßenverkehr eine große Gefahr darstellen würde.

Käme hierzu noch ein Leistenbruch, der sich einschränkend und ermüdend auf das linke Bein auswirkt, wäre eine Addition unverzichtlich, da die Beeinträchtigung vom linken bis zu rechten Bein ginge. Eine zusätzliche Einschränkung des Sehvermögens und Schwerhörigkeit würden im Straßenverkehr selbst das Erkennen kleinerer Hindernisse unmöglich machen.

Das Beispiel überschneidet sich mit dem Ausnahmebeispiel 19.4 der Anhaltspunkte. Das Bayerische Landessozialgericht (LSG) kam in seinem Urteil vom 10. Oktober 1996 (L 11 VS 93/95) zu eben diesem Ergebnis. Demnach ist für das Merkzeichen G die Art und das Ausmaß des Gesamtleidenszustandes unter Berücksichtigung der Gesundheitsstörungen zu berücksichtigen sei. Das Gericht kam zu dem Entschluss, dass dies aus den Anhaltspunkten von 1983 folgte.

Im angeführten Fall ging das Gericht von einem GdB von 30 für die unteren Gliedmaßen aus. Ebenfalls mit einem GdB von 30 wurden die inneren Leiden bewertet. Das Gericht stellte fest, dass es dem Kläger nicht möglich sei eine Strecke von zwei km in einer halben Stunde zurückzulegen. Das LAG schloss sich der Auffassung, dass das Merkzeichen 'G' erst dann gerechtfertigt wäre, wenn die Leistungsbeeinträchtigung für sich allein einen GdB von 50 ergebe, nicht an.

Als Fazit fasst der Autor zusammen, dass es auf Art und Ausmaß aller Gesundheitsstörungen abzustellen sei, und es im Endeffekt nicht wichtig sei, ob dies durch die Additionsmethode oder über eine Zusammenfassung aller Gesundheitsstörungen erfolge.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Sozialrecht + Praxis - Fachzeitschrift für Sozialpolitiker und Schwerbehindertenvertreter
Homepage: https://www.vdk.de/deutschland/pages/presse/6320/sozialrecht...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0102/0081


Informationsstand: 08.05.2006

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