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Bibliographische Angaben zur Publikation

Ich bin ein absoluter Hörmensch - Blinde Staatsanwältin ermittelt


Autor/in:

Rothfels, Jasper


Herausgeber/in:

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS); Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)


Quelle:

horus, 2005, 67. Jahrgang (Heft 6), Seite 267-268, Marburg: DVBS, ISSN: 0724-7389


Jahr:

2005



Abstract:


Kerstin S. ist eine von zwei blinden Staatsanwältinnen in Deutschland. Die 41-jährige gebürtige Niedersächsin leidet an einer angeborenen Augenkrankheit, welche die Netzhaut lichtundurchlässig macht.

Sie besuchte Schulen für nichtbehinderte Schüler und absolvierte nach einer abgebrochenen Ausbildung, ihr Jurastudium. Als sie mit dem zweiten Staatsexam ihre Ausbildung beendete, 'hatte sie sich bereits mit ihrer Blindheit abgefunden und ihre Brille weggeworfen'.

Bei der Jobsuche musste sie sich stets durchgeboxen und besser sein als nichtbehinderte Menschen. Als sich nach dem Mauerfall die Arbeitsmarktsituation für Juristen besserte, fand sie eine Anstellung als Richterin und Staatsanwältin in Niedersachsen, später wechselte sie nach Frankenthal.

Kerstin S. ist in Frankenthal für ein Betäubungsmitteldezernat und für jugendliche, heranwachsende und erwachsene Beschuldigte zuständig. Zwar kann sie Blindenschrift lesen, lässt sich aber von einer Assistentin die Akten vorlesen. Von sich selbst sagt sie, sie sei ein 'absoluter Gehörmensch'. Dies helfe ihr bei Vernehmungen, denn 'man kann die Stimme weniger gut bewusst steuern als Äußerlichkeiten' und so könne sie schnell erkennen, ob einer die Wahrheit sagt. Für Fragen über Äußerlichkeiten steht ihr die Assistentin zur Seite und in den Prozessen greift sie zu Hilfsmittel.

Kerstin S. fordert, dass noch mehr Menschen mit Behinderung die Teilnahme am Erwerbsleben ermöglicht wird. Nur 15 Prozent seien in einem Arbeitsverhältnis, viele hingegen arbeitslos oder 'irgendwie mit bestimmten Maßnahmen beschäftigt'.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Praxisbeispiele zu Blindheit




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


horus - Marburger Beiträge
Homepage: https://www.dvbs-online.de/index.php/publikationen/horus

Die Fachzeitschrift erscheint viermal jährlich in Schwarzschrift, Blindenschrift und als 'horus digital' auf CD.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0073/0029


Informationsstand: 03.01.2006

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