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Bibliographische Angaben zur Publikation

Hinein in normale Betriebe!

Ein innovatives Modellprojekt in Saarland bringt berufliche Integration



Autor/in:

Schüler, Bernd


Herausgeber/in:

Verein Initiativ für behinderte Kinder und Jugendliche


Quelle:

Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft, 2004, 27. Jahrgang (Heft 6), Seite 4-5, Graz: Eigenverlag, ISSN: 1561-2791


Jahr:

2004



Abstract:


Psychisch erkrankte Menschen sind besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen. Wer durch eine seelische Behinderung gar chronisch eingeschränkt ist, hat auf dem ersten Arbeitsmarkt wenig Chancen. Die Virtuelle Werkstatt für seelisch behinderte Menschen ist ein Modellprojekt, mit dem das saarländische Arbeits- und Gesundheitsministerium die berufliche Integration fördern will.

Hinein in normale Betriebe, lautet das Motto, und zwar an einem geschützten Arbeitsplatz mit eigenen Regeln. Damit beide Seiten zusammenkommen, geht die Werkstatt zunächst wie eine Leiharbeitsagentur vor. Die vermittelte Arbeitskraft ist Angestellter der Werkstatt, die zunächst die Vergütung übernimmt.

Nach einer Übergangszeit soll der Arbeitgeber die Leistung zunehmend selbst entlohnen und den Betroffenen auch ein reguläres Beschäftigungsverhältnis anbieten. Gestützt wird das Ganze durch eine intensive Betreuung. Auch die Arbeitgeber werden von Beginn an begleitet und mit krankheitsbedingten Eigenheiten der neuen Kollegen vertraut gemacht.

Die Einsatzstellen sind vielfältig: Produktionsbetriebe gehören ebenso dazu wie Bibliotheken, ein Pfarramt oder ein Geldinstitut. Die zumeist schizophren erkrankten Menschen im Alter von 30 bis 55 Jahren verrichten dort hauptsächlich Hilfstätigkeiten im Bürobereich.

Für psychisch Behinderte eröffnet sich mit dem Modellprojekt eine neuen Option: Wie von manchen Betroffenen gewünscht, können sie außerhalb von Behindertenwerkstätten tätig sein - und erhalten gleichwohl den arbeits- und sozialrechtlichen Status der dort Beschäftigten. Dies sei in Deutschland ein Novum, heißt es aus dem saarländischen Ministerium.

Allerdings könnte sich ein problematischer Anreiz für Arbeitgeber ergeben, da sie angesichts der kostenlosen Arbeitskräfte geneigt sein könnten, reguläre Stellen einzusparen. Ein Verdacht, den Projektleiterin Axt nicht bestätigen kann. Auch der Referent des Arbeits- und Gesundheitsministeriums, Christian Groß, weist einen möglichen Mitnahme-Effekt zurück, da die Arbeitsplätze bisher alles Nischenarbeitsplätze sind, die sonst bei normaler Bezahlung nie entstanden wären.

Für die öffentliche Hand lohnt sich die angepeilte Form der Integration psychisch Behinderter allemal, da dadurch weniger Eingliederungskosten anfallen. Ebenso können Investitionskosten für den Neubau von Werkstätten vermieden werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Menschen. Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten
(vormals: Behinderte Menschen)
Homepage: https://www.zeitschriftmenschen.at

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0069/0016


Informationsstand: 24.02.2005

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