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Bibliographische Angaben zur Publikation

Evidenzbasierung ohne Kontrollgruppen: Wie können effektive Maßnahmen der betrieblichen Prävention erkannt werden?


Autor/in:

Bödeker, Wolfgang


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie, 2011, Band 61 (Heft 3), Seite 78-83, Heidelberg: Haefner, ISSN: 0944-2502 (Print); 2198-0713 (Online)


Jahr:

2011



Abstract:


Betriebliche Prävention unterliegt dem Legitimationsdruck nachzuweisen, dass präventive und gesundheitsförderliche Maßnahmen zur Verbesserung des gesundheitlichen Befindens der Beschäftigten oder der Verringerung des Krankheitsgeschehens beitragen. Zunehmend wird als nicht ausreichend gesehen, dass ein solches Urteil durch einzelne Experten und Verfahrensbeteiligte gefällt wird, sondern eine wissenschaftliche Evidenzbasierung gefordert.

Mit der Evidenz basierten Medizin (EBM) liegt ein Konzept für die Beurteilung vor, ob angestrebte Ziele mit bestimmten medizinischen Maßnahmen tatsächlich erreicht werden. Die Übertragbarkeit der Verfahren der Evidenz basierten Medizin auf die Prävention wird kontrovers diskutiert. Aufgrund von gesetzlichen Regelungen bleibt zum Beispiel in manchen Handlungsfeldern (Unfallverhütung) kein Spielraum für Beobachtungsstudien mit Kontrollgruppen.

Für die betriebliche Gesundheitsförderung und die primäre Prävention kann von einer guten Evidenzlage gesprochen werden. Wissenschaftlich besteht Konsens, dass durch entsprechende betriebliche Maßnahmen Gesundheitsrisiken reduziert, Krankheitshäufigkeiten gesenkt sowie Krankheitskosten vermieden und krankheitsbedingte Fehlzeiten verringert werden. Für den Bereich der betrieblichen sekundären oder tertiären Prävention und damit für wesentliche Handlungsfelder der betriebsärztlichen Praxis liegt dagegen auffallend wenig Evidenz vor.

Wo fehlende Evidenz Folge der komplexen oder normativen Interventionen ist, kann die Wirkungsbeurteilung der betrieblichen Prävention nur auf einem erkenntnistheoretisch niedrigeren Evidenzniveau erfolgen. Ein die Evidenzbasierung umfassender Qualitätsentwicklungsprozess ermöglicht aber dennoch Einschätzungen über die Begründetheit, Akzeptanz und Zielgruppengerechtigkeit der Maßnahmen.

Politisch gesetzte Präventionsziele sind, insbesondere ohne ausreichende empirische Evidenzbasis, Gegenstand eines kontroversen Diskurses und somit Teil des beschriebenen Qualitätsentwicklungsprozesses. Komplexität und Normativität von Interventionen dürfen hierin nicht als Ausnahmegrund von der Evidenzbasierung, sondern als methodische Herausforderung betrachtet werden.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Building the evidence without controls - how to select effective interventions in workplace health promotion and prevention?


Abstract:


Workplace health promotion as well as occupational health and safety faces the question whether preventive actions actually show the promised effects on employees' health and well-being. Against this backdrop it is considered necessary to rely on a sound scientific evidence base. Evidence based medicine (EBM) has been introduced as a concept for the assessment of the effects of medical interventions. However, it is argued that evidence based medicine is not suitable for health promotion and prevention as for example interventions take place in a legal framework not allowing controlled trials.

Based on empirical basis there is scientific consensus that workplace health promotion and primary prevention has pointed effects on the improvement of the health of employees as well as on the economic position of enterprises. It is emphasized that preventive measures lead to a reduction of risk factors and diseases and have a positive return on investment with respect to sickness absence and costs of treatment. In contrast, there is rather a weak evidence base for effects of secondary and tertiary prevention which is addressed by many common activities in occupational health.

When evidence cannot be gained from controlled intervention studies, because interventions need to be complex or because the legal framework limits the availability of the control group, the evidence level will be low from the theory of knowledge point of view. However, limited evidence may not circumvent political decisions as long as they remain part of a process for quality development. In this way complexity and normativity of interventions are considered methodological challenges, not a reason to avoid evidence building.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie
Homepage: https://link.springer.com/journal/40664

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0064/8805


Informationsstand: 23.05.2011

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