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Bibliographische Angaben zur Publikation

Trägerübergreifendes Persönliches Budget

Vortrag anlässlich der Bundesfachtagung der BBW und BFW am 25. Januar 2008 in Bonn



Autor/in:

Rombach, Wolfgang


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e.V. (BAG BBW)


Quelle:

Berufliche Rehabilitation, 2008, 22. Jahrgang (Heft 2), Seite 69-77, Freiburg im Breisgau: Lambertus, ISSN: 0931-0889


Jahr:

2008



Abstract:


Mit dem SGB IX, dem Behindertengleichstellungsgesetz und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ist in der Behindertenpolitik ein grundlegender Wechsel vollzogen worden. Im Mittelpunkt steht hierbei der Mensch mit Behinderung als selbstbestimmte Person mit individuellem Anspruch auf Rehabilitation und Teilhabe. Die im SGB IX festgelegten Regelungen fordern einen schnellen Zugang zu Leistungen sowie eine individuell abgestimmte Leistungserbringung. Dieser Paradigmenwechsel wird besonders im Persönlichen Budget deutlich.

Mit dem Persönlichen Budget können behinderte Menschen anstelle von Dienst- oder Sachleistungen eine Geldleistung oder Gutscheine erhalten. Außerdem wird das klassische Leistungsdreieck zwischen Leistungsträger, Leistungserbringer und Leistungsempfänger aufgelöst und bei Bedarf können Leistungen verschiedener Leistungsträger zu einer Komplexleistung zusammengeführt werden.

Anspruch auf ein Persönliches Budget haben alle behinderten Menschen, unabhängig von der Art und grundsätzlich auch der Schwere der Behinderung. Voraussetzung für die Beantragung ist nicht das Vorliegen einer formalen Geschäftsfähigkeit, lediglich der Wille zur Inanspruchnahme eines Persönlichen Budgets muss deutlich werden. Das Persönliche Budget wird so bemessen, dass der individuell festgestellte Bedarf gedeckt wird und auch die erforderliche Beratung und Unterstützung berücksichtigt wird. Allerdings soll das Persönliche Budget die Kosten der bisherigen Leistungen nicht überschreiten.

In zahlreichen europäischen Ländern wie Schweden und Großbritannien gibt es schon seit Jahren Persönliche Budgets, doch auch in einigen Bundesländern in Deutschland gab es schon entsprechende Modelle. Rheinland-Pfalz hat beispielsweise bereits 1998 Persönliche Budgets eingeführt. Bundesweit wurde das Persönliche Budget bis Ende 2007 erprobt und bis Juni 2007 vor allem in den Modellregionen wissenschaftlich begleitet. Seit Januar 2008 besteht nun ein Rechtsanspruch auf Leistungen in Form eines Persönlichen Budgets.

Wissenschaftlich begleitet wurde das Modellprojekt von der Universität Tübingen zusammen mit der Universität Dortmund und der Fachhochschule Reutlingen. Die Begleitforschung basierte insbesondere auf den dokumentierten Budgets in den Modellregionen. In den Modellregionen gab es 494 bewilligte Persönliche Budgets, 31 davon waren trägerübergreifend. Außerhalb der Modellprojekte gab es 353 bewilligte Persönliche Budgets. Die größte Gruppe unter den Budgetnehmern bilden Menschen mit psychischen Erkrankungen, gefolgt von Personen mit kognitiver Beeinträchtigung. Die meisten von ihnen hatten einen Schulabschluss und lebten allein in Privatwohnungen.

Durchschnittlich betrug die Dauer der Bearbeitung der Anträge etwa drei Monate. 66 Prozent der Anträge bezogen sich auf nur eine Leistungsart, zum Beispiel ambulante Eingliederungshilfe oder Hilfe zur Pflege. Bei den trägerübergreifenden Persönlichen Budgets überwog eine Kombination aus Sozialhilfeleistung zur Pflege und Pflegegeld. Im Durchschnitt betrug die Höhe des monatlichen Budgets 1.041 Euro und lag zwischen 36 Euro und 12. 150 Euro.

Es sei deutlich geworden, dass das Persönliche Budget hervorragend geeignet ist, die Selbstbestimmung und Teilhabe behinderter Menschen zu fördern und Benachteiligungen zu vermeiden. Allerdings würde es Menschen mit Behinderung und Trägern häufig noch an Wissen und Informationen fehlen. Aus diesem Grund wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit verstärkt. Zudem ist im Bundeshaushalt 2008 und der Finanzplanung bis 2011 ein neuer Haushaltstitel für Maßnahmen und Projekte zur Verbesserung der Inanspruchnahme des Persönlichen Budgets enthalten. Schwerpunkte weiterer Projekte sind beispielsweise Budgets für Kinder oder Budgets für Arbeit.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Berufliche Rehabilitation - Beiträge zur beruflichen und sozialen Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen
Homepage: https://www.bagbbw.de/verband/fachzeitschrift/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0062/6741


Informationsstand: 02.09.2008

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