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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufliche Eingliederung Schwerbehinderter


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Arbeitsgemeinschaft der deutschen Hauptfürsorgestellen


Quelle:

ZB Zeitschrift: Behinderte Menschen im Beruf, 1998, Heft 3, Seite 14-15, Wiesbaden: Universum, ISSN: 1433-4070


Jahr:

1998



Abstract:


Das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung hat beschlossen, je Bundesland einen Integrationsfachdienst und ein Beschäftigungs- und Integrationsprojekt modellhaft zu fördern. Das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung plante schon seit längerer Zeit, neue Wege zur beruflichen Eingliederung Schwerbehinderter im Rahmen von Modellvorhaben zu erproben. Ende April 1998 wurde diese vom Beirat für die Rehabilitation der Behinderten, dem Vertreter der Behindertenverbände, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen sowie der gesetzlichen Leistungsträger angehören, verbindlich beschlossen. Aus Mitteln des vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung verwalteten Ausgleichsfonds werden in jedem Bundesland je ein 'Integrationsfachdienst' und ein 'Beschäftigungs- und Integrationsprojekt' gefördert, insgesamt also 32 Modellvorhaben.

Integrationsfachdienste sollen die Arbeitsämter, Träger der beruflichen Rehabilitation und Hauptfürsorgestellen** bei der beruflichen Eingliederung von Schwerbehinderten unterstützen, bei denen die Vermittlung und die Sicherung eines Arbeitsplatzes besonders schwierig ist. Typisch hierfür ist die Gruppe der psychisch und geistig Behinderten, soweit sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können. Erfahrungsgemäß lässt sich dieser Personenkreis nur mit Hilfe von Zwischenschritten wie etwa Praktika und Probebeschäftigungen dauerhaft integrieren. Diese Schritte müssen eng begleitet werden und setzen eine intensive Abklärungsphase und aufwendige Arbeitsplatzakquise voraus. Der Integrationsfachdienst übernimmt dabei Aufgaben, die bisher weder von den Arbeitsämtern, Reha-Trägern, noch den Hauptfürsorgestellen geleistet werden konnten.

Beschäftigungs- und Integrationsprojekte verfolgen einen anderen Ansatz. Bei ihnen handelt es sich um besondere Beschäftigungsfirmen oder um Betriebsabteilungen, die Betrieben des ersten Arbeitsmarktes angegliedert sind, in denen Schwerbehinderte, um ihre berufliche Wiedereingliederung zu erleichtern, über einen längeren Zeitraum beschäftigt und qualifiziert werden. Beide Teile der Modellvorhaben sind inhaltlich völlig neu. Die Beschäftigungsprojekte haben Vorläufer in den schon existierenden sogenannten Selbsthilfefirmen, wobei es jetzt neue konzeptionelle Schwerpunkte gibt, um zu vermeiden, dass Schwerbehinderte in solchen Firmen auf Dauer bleiben. Die Projekte sollen neben der Möglichkeit der Beschäftigung über weiter Angebote verfügen, nämlich Qualifizierung oder Rehabilitation, Vermittlung und eventuell Arbeitnehmerüberlassung sowie arbeitsbegleitende Betreuung. Sie sind damit teilweise Arbeitgeber und Marktteilnehmer, teilweise Anbieter von Rehabilitations- und Qualifizierungsmaßnahmen. Ob dieses Konzept bei der vielschichtigen Aufgabenstellung tragfähig ist, bleibt abzuwarten.

Daneben existieren in Deutschland bereits mehr als 120 Integrationsfachdienste, die bisher weitgehend von den Hauptfürsorgestellen getragen werden. Sie verfolgen einen ähnlichen konzeptionellen Ansatz wie die neuen Bundesmodelle für Integrationsfachdienste. Die Vorhaben des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung lassen aber erwarten, dass der engen Zusammenarbeit der Integrationsfachdienste mit den Arbeitsämtern und den übrigen Trägern der beruflichen Rehabilitation ein neuer Stellenwert zukommt, der bei einer eventuell später möglichen regelhaften Förderung auch finanzielle Konsequenzen haben muss.

Der Konsens über die Zielgruppe der Fachdienste ist in den Diskussionen der letzten Jahre verlorengegangen - dafür gibt es Anhaltspunkte. So wird in der Diskussion in der Fachöffentlichkeit die Arbeit der Integrationsfachdienste zunehmend mit der Erwartung verknüpft, dass es mit ihrer Hilfe gelingt, eine Trendwende am Arbeitsmarkt für Schwerbehinderte zu erreichen.

Es ist dringend notwendig, wieder zu einer klaren Zielgruppenbeschreibung zu kommen. Unrealistisch wäre es, die Arbeit der Integrationsfachdienste einfach in Zusammenhang mit den rund 200.000 arbeitslosen Schwerbehinderten zu bringen, wie dies in letzter Zeit immer wieder geschieht. Integrationsfachdienste können keine generelle Trendwende am Arbeitsmarkt für Schwerbehinderte bringen, sie können nur diejenigen arbeitslosen Schwerbehinderten besonders unterstützen, die ohne zusätzliche Maßnahmen nicht zu vermitteln sind. Generell lässt sich die Krise des Arbeitsmarktes aber nicht durch Betreuungsmaßnahmen auch für Personen, die darauf im Grunde nicht angewiesen sind, kompensieren. Die reine Arbeitsvermittlung für Schwerbehinderte muss auch in Zukunft bei den Arbeitsämtern bleiben.

Die Zielgruppe ist andererseits so zu bestimmen, dass Mindestleistungspotenziale und Fähigkeiten der Behinderten soweit vorhanden sein müssen, dass eine Platzierung auf dem ersten Arbeitsmarkt realistisch erscheint. Der aus den USA stammende 'Support Employment'-Ansatz, der die berufliche Eingliederung auch von Menschen mit schwersten Behinderungen für möglich hält, ist angesichts der Situation des Arbeitsmarktes in Deutschland nicht übertragbar, wie es in der fachlichen Diskussion wieder gefordert wird.

Die Situation in den USA ist eine völlig andere. Einerseits gibt es dort keinerlei gesetzliche Verpflichtung, behinderte Mitarbeiter zu beschäftigen, andererseits wird dort mit der freiwilligen Teilnahme an Programmen wie 'Supported Employment' versucht, sogar Behinderte beruflich zu integrieren, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung die typischen Mindestanforderungen eines Arbeitsplatzes gar nicht erfüllen können. Die Integrationsfachdienste können demgegenüber in Deutschland keine Alternative zur Werkstatt für Behinderte sein, sie können diese nur ergänzen und mithelfen, dass nicht arbeitslose Schwerbehinderte in diesen Sondereinrichtungen untergebracht werden, die auf diese Sonderform nicht angewiesen sind.

Trotz der damit noch dringend notwendigen Eingrenzung der Zielgruppen bleibt jedoch ein ausreichendes Potenzial von arbeitsuchenden Behinderten, bei denen nach den bisherigen Erfahrungen zusätzliche Maßnahmen, wie die jetzt beginnenden Modellvorhaben, erfolgversprechend und notwendig sind. Die trotz der schwierigen Arbeitsmarktbedingungen guten Erfolgszahlen der schon bestehenden Integrationsfachdienste lassen hoffen, dass mit den Modellvorhaben des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung weiter Fortschritte ermöglicht werden.

**Mit In-Kraft-Treten des SGB IX am 1. Juli 2001 wurden gemäß § 102 SGB IX Hauptfürsorgestellen in Integrationsämter umbenannt


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


ZB Behinderung & Beruf (ZB online)
Homepage: https://www.integrationsaemter.de/ZB/258c62/index.html

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0055/2217


Informationsstand: 28.07.1999

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