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Bibliographische Angaben zur Publikation

Hörbehinderungen: Verständnis und Verständigung


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH)


Quelle:

ZB Zeitschrift: Behinderte Menschen im Beruf, 2005, Heft 4, Seite 10-15, Wiesbaden: Universum, ISSN: 1433-4089


Jahr:

2005



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Abstract:


Für die Kommunikation zwischen hörenden und hörbehinderten Menschen ist Verständnis füreinander und das Bemühen um Verständigung wichtig. Obwohl in Deutschland derzeit etwa 13 Millionen hörbehinderte Menschen leben, ist in der Gesellschaft nur sehr wenig über Hörbehinderung bekannt.

Für Menschen, die von Geburt an gehörlos sind, ist das Erlernen der Gebärdensprache sehr mühsam, was einen geringen Wortschatz und ein geringes Sprachverständnis zur Folge hat. Geschriebene Texte sind ebenfalls nur schwer verständlich, da die Schriftsprache über die Lautsprache erlernt wird.

Spätertaubte haben ihr Gehör beispielsweise durch einen Hörsturz in einem späteren Lebensalter verloren. Ihnen ist es möglich, die Laut- und Schriftsprache auf natürlichem Weg zu erlernen. Seit einigen Jahren gibt es den sogenannten Cochlear Implant, eine elektronische Hörprothese, die in die Hörschnecke im Innenohr eingesetzt wird. Durch dieses Hilfsmittel werden Höreindrücke wieder wahrnehmbar.

Schwerhörigkeit bedeutet nicht nur leiser , sondern bestimmte Töne überhaupt nicht oder nur verzerrt zu hören. Entscheidend für die Auswirkungen der Hörbehinderung sind neben Art und Ausmaß des Hörverlusts auch das Alter. Kommunikation stellt für hörbehinderte Beschäftigte das größte Problem dar. Viele Situationen im Berufsalltag sind für sie mit Stress oder Frustration verbunden Durch die schwierige Kommunikation kann es bei der Zusammenarbeit mit Kollegen zu Problemen kommen und Arbeitsanweisungen oder Regelungen eventuell nicht aufgefasst werden.

Steffi Pöllmann vom Fachdienst für hörbehinderte Menschen beim Integrationsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster erklärt in einem Interview, wie hörbehinderte Menschen im Arbeitsleben zurechtkommen.

Hörbehinderte Menschen würden heute viel selbstbewusster mit ihrer Behinderung umgehen, was nicht zuletzt durch die gesetzliche Anerkennung der Gebärdensprache und der größeren Offenheit der Betriebe bedingt ist, so Pöllmann. Durch den Einsatz von Dolmetschern, die durch das Integrationsamt finanziert werden, habe sich das Berufsspektrum für Hörbehinderte erweitert und den Betroffenen stünden 'grundsätzlich alle Berufsfelder offen'.

Die Integrationsämter unterstützen die Betroffenen nicht nur finanziell, sondern richteten bereits vor vier Jahren Fachdienste für hörbehinderte Beschäftigte ein. Für die berufliche Integration müssten laut Pöllmann die vielfält igen Angebote und Hilfen noch viel stärker genutzt werden. Wichtig für den Erfolg der Zusammenarbeit sei allem voran, 'wie die hörbehinderten Menschen und ihr Umfeld mit der Behinderung umgehen'.

Um die Kommunikation zu verbessern, bieten die Integrationsämter Seminare oder arbeitsbegleitende Betreuung an. Außerdem gibt es zahlreiche technische Hilfen wie die moderne Informationstechnologie aber auch Bild- und Schreibtelefone, die zu einer besseren Kommunikation beitragen.

Integrationsteams in Betrieben sollten versuchen, hörbehinderte Mitarbeiter auf den gleichen Informationsstand zu bringen wie ihre hörenden Kollegen. Sie sollten zudem Aufklärungsarbeit für Kollegen leisten und Kontakte förden.

Michaela Spronk hat als Gehörlose eine Ausbildung zur Informatikkauffrau absolviert. In ihrem Ausbildungsbetrieb stand ihr der Ausbildungsbeauftragte unterstützend zur Seite, der den Integrationsfachdienst beauftragte. So wurde zunächst ein Einführungsseminar für Michaela und ihre Kollegen durchgeführt, um Unsicherheiten im Umgang miteinander abzubauen, und eine Gebärdensprachdolmetscherin vermittelt. Hilfsmittel sowie Dolmetschereinsätze wurden teilweise durch das Integrationsamt finanziert. Die Ausbildung meisterte sie mit großem Erfolg und auch der Umgang mit Kunden funktionierte meist problemlos. Nach der Ausbildung erhielt sie eine Anstellung als 'kaufmännische Angestellte Kontokorrent'.

Ebenfalls mit Bestnoten hat der gehörlose Simon Mertens seine Ausbildung zum Kunststoff-Formgeber absolviert. Inzwischen ist er Maschienenführer und hat damit eine verantwortungsvolle Aufgabe. Unterstützung vom Fachdienst für hörbeschädigte Menschen benötigte er meist nur bei organisatorischen Dingen, wie dem Stellen von Anträgen. Am Arbeitsplatz hat Mertens keine Kommunikationsprobleme, denn er 'gehe einfach freundlich und ganz locker auf die Leute zu. Irgendwie finden wir dann immer Mittel und Wege, uns zu verständigen'. Zusammen mit seinen Kollegen besuchte er ein 2-tägiges Seminar des Integrationsamtes, auf dem ein besseres Verständnis von Gehörlosigkeit vermittelt wurde.

Friedhelm van Koeverden, Leiter einer Kläranlage, ist seit seinem zweiten Hörsturz hochgradig schwerhörig. Die Ärzte empfahlen ihm eine elektronische Hörprothese, das Cochlear Implantat. In der Zeit bis zur Operation sollte er als Vorgesetzter an einem Einstellungsgespräch teilnehmen. Da er keine Gebärdensprache beherrschte, wurde ihm eine Schriftdolmetscherin zur Seite gestellt. Mit den Cochlear Implantaten ist er sehr zufrieden und kann sogar wieder telefonieren. Die Anschaffungen für ein Faxgerät sowie Trockenkissen übernahm das Integrationsamt. Durch die Unterstützung seines Arbeitgebers und sein eigenes Engagement war sein Arbeitsplatz nie gefährdet.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass durch entsprechende Maßnahmen hörbehinderte Menschen sehr gut am Arbeitsplatz integriert werden können und durch die Bemühungen von hörenden und nichthörenden Mitarbeitern Kommunikationsbarrieren verhindert oder abgebaut werden können.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


ZB Behinderung & Beruf (ZB online)
Homepage: https://www.integrationsaemter.de/ZB/258c62/index.html

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0055/0039


Informationsstand: 25.01.2006

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