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Bibliographische Angaben zur Publikation

ICF-Assessment in der Rehabilitation - wissenschaftlich und ökonomisch begründet


Autor/in:

Queri, Silvia


Herausgeber/in:

Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD)


Quelle:

Das Gesundheitswesen, 2012, 74. Jahrgang (Heft 8/9, Beitrag A93), Stuttgart: Thieme, ISSN: 0941-3790 (Print); 1439-4421 (Online)


Jahr:

2012



Abstract:


Kongressbeitrag:


Theoretischer Hintergrund:

In der Rehabilitationsdiagnostik wird auf Basis einer vorliegenden Störung gemäß ICD-10 (International Classification of Diseases, WHO) die Beeinträchtigung der funktionalen Gesundheit bzw. Behinderung festgestellt, die als Folge einer bestehenden Erkrankung definiert ist und bei gleicher Grunderkrankung interindividuell deutlich unterschiedlich ausfallen kann. Im interdisziplinären Rehabilitationsbereich bietet sich dafür als gemeinsames Assessment-Format die ICF (International Classification of Functioning, WHO) an, die den Zustand der funktionalen Gesundheit als Ergebnis der Wechselwirkung zwischen der Erkrankung und den Kontextfaktoren, definiert als Umwelt- und Personmerkmalen, betrachtet (biopsychosoziales Modell). Derzeit werden für die einzelnen Rehabilitationsanlässe (z.B. orthopädische, psychiatrische etc.) eigene Core-Sets als thematisch abgegrenzte Itemzusammenstellungen aus dem umfangreichen Itempool der ICF entwickelt, um anhand der ICF-Konzepte Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten und Partizipation/Teilhabe die funktionale Gesundheit zu beschreiben. Im rehabilitativen Bereich (SBG IX) ist insbesondere das Konzept der Partizipation/Teilhabe von zentraler Bedeutung, das in der Sprache der ICF die Daseinsentfaltung im Sinne von Einbezogensein in zentrale Lebenssituationen (Domänen in der ICF) wie soziale Beziehungen, Selbstversorgung oder staatsbürgerliches Leben bedeutet. Rehabilitationsbegründend ist die (tatsächliche oder drohende) Partizipationsbeeinträchtigung, nicht die Störung (ICD-10) selbst.

Fragestellung und Methodik:

Im Rehabilitationszentrum Herzogsägmühle der Diakonie Oberbayern wird bereits seit einigen Jahren in der psychiatrischen Rehabilitationsabteilung ein von der BAG RPK (Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation psychisch Kranker) entwickeltes Core-Set eingesetzt, so dass die nun angewachsene Datenbasis quantitativ ausgewertet werden konnte (Sekundärdatenanalyse). Folgende Logik leitete die Auswertung: Zeigen sich eigenständige, von der ICD-10-Diagnose unabhängige Beeinträchtigungstypen nach ICF die funktionale Gesundheit betreffend und zeigt sich eine systematische Zuordnung von Rehabilitationsinterventionen zu diesen Typen (Beeinträchtigungs-Interventions-Matrix)? Ersteres soll die Validität des Core-Sets als eigenständiges Rehabilitations-Assessment prüfen. Letzteres ist nicht nur fachlich interessant, sondern auch ökonomisch. Dazu wurde die quantitativ erfasste ICF-Itemauswahl (Core-Set) für die psychiatrische Rehabilitation mit der ICD-10-Diagnose verglichen sowie mit den quantifizierten KTL-Leistungen (Klassifikation therapeutischer Leistungen, DRV).

Ergebnisse:

Es lassen sich 3 Typen von Beeinträchtigungen der funktionalen Gesundheit differenzieren (via Faktorenanalyse), unabhängig von ICD-10-Diagnosen. Die Zuordnung therapeutischer Interventionen erfolgt (noch) nicht systematisch nach Beeinträchtigungstyp. Finanzielle Ressourcen (Kontextfaktor in der ICF) mildern die Beeinträchtigungen, die eine chronische psychische Krankheit nach sich zieht, wirken also als Förderfaktoren im Sinne der ICF-Logik.

Diskussion/Praxisrelevanz:

Primäres Ziel der Analyse ist, das eigenständige über die ICD-10 Diagnose hinausgehende Rehabilitations-Assessment im Sinne der Qualitätssicherung wissenschaftlich zu begründen und letztlich die Möglichkeit einer Standardisierung und Effizienzsteigerung zu prüfen. Die nun notwendige Forschung darüber, welche Interventionen bei den einzelnen ICF-Beeinträchtigungstypen erfolgreich sind, wird eine systematische Zuordnung ermöglichen und damit auch ökonomisch gesehen von Vorteil sein. Darüber hinaus entsteht auf diese Weise eine systematische Verschlüsselung/Codierung für Gesundheitsinformationssysteme bzw. Dokumentationssysteme, die Vergleiche (Benchmarking) und Evaluation in diesem Rehabilitationssektor ermöglicht. Die Befunde zum Einfluss der Umweltfaktoren unterstreichen die Bedeutung der Kontextfaktoren im Gesamtkonzept der funktionalen Gesundheit, motivieren insbesondere auch zur Betrachtung der noch nicht codierten Personfaktoren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Das Gesundheitswesen
Homepage: https://www.thieme.de/de/gesundheitswesen/profil-1875.htm

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA7055


Informationsstand: 20.03.2013

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