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Bibliographische Angaben zur Publikation

Selbsthilfefirmen


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW)


Quelle:

iwd, 1997, 23. Jahrgang (Nummer 36), Köln: IW Medien, ISSN: 0344-919X


Jahr:

1997



Abstract:


In Deutschland gibt es derzeit rund 250 Firmen,die sich ausschließlich um die Integration Schwerbehinderter in dieArbeitswelt kümmern. Die meisten der dort arbeitenden Behinderten sindsozialversicherungspflichtig und unbefristet beschäftigt.

Die als Selbsthilfefirmen bezeichneten Betriebe haben eine fast 20-jährige Geschichte. Die meisten operieren zwar als Non-profit-Unternehmen.Ziel ist es aber, Arbeitsplätze für Behinderte unter regulärenBedingungen zu schaffen.

Entstanden sind diese besonderen Betriebe, weil einerseitsviele Schwerbehinderte Probleme haben, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkteinen Job zu finden. Andererseits sind die Handikaps der behinderten Menschen sehr unterschiedlich - viele sind deshalb bei einer Tätigkeitin einer Werkstatt für Behinderte unterfordert.

Die Selbsthilfefirmen stoßen in diese Lücke. Sie eröffnen den Behinderten neue, speziell zugeschnittene Möglichkeiten der beruflichen Integration. Organisiert sind die Betriebe im Verein zur Förderung von Arbeitsinitiativen und Firmenprojekten (FAF) - mit einem Koordinations- und Beratungsbüro in Berlin.

Die meisten Selbsthilfefirmen sind in Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen ansässig (Tabelle). Insgesamt gibt es in Deutschland mittlerweile 247 Selbsthilfefirmenmit 5.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Etwa 60 Prozent dieser Arbeitsplätze sind mit Behinderten besetzt, die ein psychisches, körperliches oder geistigesHandikap haben. Um den Bedürfnissen dieser Personengruppe gerecht zuwerden, gibt es verschiedene Formen von Betrieben:

- Integrationsfirmen sind Klein- und Mittelbetriebe, die markt- und wettbewerbsorientiert arbeiten. Der Anteil der Schwerbehinderten liegt je nach Branche zwischen 40 und 80 Prozent.

- Geschützte Abteilungen sind Einrichtungen innerhalb ganz normaler Unternehmen oder im Bereich des Öffentlichen Dienstes. Diese Betriebe sind vor allem in den neuen Ländern zu finden - sie waren zu DDR-Zeiten ein Element der Integration von Behinderten.

- Zuverdienstfirmen sind Betriebe, in denen für Behinderte mit eingeschränktem Leistungsvermögen die Möglichkeit besteht, über geringfügige Beschäftigung oder Teilzeitarbeit ein kleines Einkommen zu erwerben.

- Soziale Betriebe werden seit 1991 in fünf Bundesländern als arbeitsmarktpolitisches Instrument entwickelt - mit der Vorgabe, wirtschaftlich und marktorientiert zu arbeiten. Die Beschäftigungsangebote richten sich an Langzeitarbeitslose und an Behinderte.

- Technische Sozialbetriebe gibt es schwerpunktmäßig in der Montanindustrie und im Bergbau. Sie fungieren in der Regel als Auffangbetrieb für Arbeitnehmer mit Leistungseinschränkungen - sei es aufgrund einer Behinderung oder einer Krankheit.

- Leiharbeitsfirmen zur gemeinnützigen Arbeitnehmerüberlassung sind eher die Ausnahme. Hintergrund: Es gibt nur wenige Behinderte, für die eine Leiharbeit in Frage kommt.

Eine erst in jüngster Vergangenheit neu entwickelte Form von Selbsthilfebetrieben sind Übergangsfirmen. Diese kooperierenin der Regel mit einer Werkstatt für Behinderte oder einer anderenRehabilitations-Einrichtung. Die Übergangsbetriebe haben eineArt Sprungbrettfunktion und sollen die Behinderten aus der geschütztenUmgebung in ein normales Beschäftigungsverhältnis führen.

Drei weitere Merkmale der Selbsthilfefirmen:
- Tätigkeitsbereiche
Die Betriebe sind überwiegend im Dienste-Sektor tätig - der Dienstleistungs-Anteil schwankt zwischen 77 und 93 Prozent. Die Angebote reichen von Büro- und EDV-Leistungen über die Gastronomie bis hin zur Wäscherei.
- Umsätze
Der Jahresumsatz der Unternehmen lag 1994 im Schnitt bei rund 600. 000 DM - je Vollzeitbeschäftigten waren das 36.000 DM. Überdurchschnittliche Umsätze je Arbeitnehmer erzielten die Integrationsfirmen, pro Kopf wurden dort 40.000 DM erlöst.
- Zuschüsse
Für jeden Mitarbeiter erhielten die Selbsthilfefirmen 1994 im Mittel 22.000 DM an öffentlichen Zuschüssen von den Hauptfürsorgestellen, vom Arbeitsamt, von Bund und Gemeinden sowie vom Europäischen Sozialfonds. Werden diese Zuschüsse mit den von den Beschäftigten gezahlten Steuern und Sozialversicherungsabgaben verrechnet, so verbleiben öffentliche Förderkosten von knapp 9.500 DM pro Arbeitsplatz und Jahr.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


iwd: Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft
Homepage: https://www.iwd.de/

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Referenznummer:

R/ZA4180


Informationsstand: 11.02.2009

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