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Bibliographische Angaben zur Publikation

Dienstleistungsservice Illingen: Gegen den Mainstream


Autor/in:

Graf, Sabine


Herausgeber/in:

Arbeitskammer des Saarlandes


Quelle:

Arbeitnehmer, 2006, 54. Jahrgang (Heft 06), Saarbrücken: Eigenverlag, ISSN: 0334-8223


Jahr:

2006



Abstract:


Illingen geht den entgegengesetzten Weg: Während andere in Zeiten knapper Kassen rationalisieren oder ausgliedern und damit Beschäftigungsmöglichkeiten für Behinderte aufgeben, wurden in der saarländischen Gemeinde zusätzliche Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap geschaffen. Wir sind hier erster Arbeitsmarkt.

Wir zahlen Tariflöhne, keine Werkstattlöhne, wie sie in Behindertenwerkstätten üblich sind. - Das ist eine Feststellung, die der Illinger Bürgermeister Armin König, Betriebsleiterin Petra Schorr-Stoklossa des Dienstleistungsservices Illingen und Hermann Meyer, dessen kaufmännischer Leiter, ganz besonders laut und klar verkünden. Dienstleistungsservice, kurz DSI, nennt sich der im vergangenen Jahr gegründete Eigenbetrieb der Gemeinde Illingen.

Damit stellt sich die Gemeinde in Zeiten knapper Kassen gegen den Trend. Denn die klassischen Bereiche, in denen Menschen mit Behinderung bei einer Gemeinde eingesetzt werden, zum Beispiel die Bauhöfe, fielen immer mehr der notwendigen Rationalisierung zum Opfer, referiert Armin König den Stand der Entwicklung. Wer sich diesem Trend entgegenstellt und weiter Menschen mit Behinderung beschäftigt, der gerät sehr rasch auf der Ebene der Städte- und Gemeindetage unter Begründungszwang, weiß er, weil die Kennzahlen schlechter sind als bei denen, die tapfer rationalisieren. Verkehrte Welt, fürwahr.

Dass es auch anders geht, untermauerte 2005 der Beschluss des Gemeinderates für das vom Sozialministerium unterstützte Illinger Aktionsprogramm für Menschen mit Handicap, um zu zeigen, dass eine Gemeinde bei der Integration behinderter Menschen ein Vorbild sein kann, fasst Armin König zusammen. Barrierefreiheit, das gilt auf vielen Ebenen von der Webseite bis zum Arbeitsplatz, genauer dem Archiv. Denn hier lag buchstäblich unter den Akten die Idee eines Dienstleisters im Büro- und Verwaltungsbereich. Innovativ sollte es sein. Dazu kam die Notwendigkeit, das Archiv der Gemeindeverwaltung aufzuräumen, förderte das Angebot der digitalen Archivierung von Papierarchiven zu Tage. Die Geschäftsidee war gefunden und der Betrieb auf dem Weg, Geld zu verdienen, betont Hermann Meyer.

Allerdings denkt man dabei nicht in kurzen Distanzen. Bis 2011 hofft der kaufmännische Leiter, dass der DSI kostendeckend arbeitet. Bis dahin werden viele tausend Listen, Karteikarten und Pläne durch den Scanner gelaufen, eingelesen und gemäß einer Suchmaske zum schnellen Auffinden geordnet worden sein, um platzsparend auf CD-ROMs gerade mal eine Handbreit Platz auf einem Regal einzunehmen. Dabei hofft man auch auf Kunden aus der privaten Wirtschaft.

Darüber hinaus bietet das Büro auch die Standardangebote wie Mailings oder Kuvertierungen. Derzeit prüft man datenbankgeschützte Verfahren und Managementsysteme, mit denen Internetseiten aktualisiert werden können. Demgemäß handelt es sich hier um hochwertige Arbeitsplätze, erklärt die Betriebsleiterin.

Drei neue Mitarbeiter für hochwertige Arbeitsplätze
Drei junge Leute wurden dafür eingestellt. Dazu gesellt sich ein schwerbehinderter Mitarbeiter der Gemeinde, dessen Arbeitsplatz zum DSI verlegt wurde. Allesamt mit einem Grad der Behinderung über 50 Prozent und mit einer entsprechenden kaufmännischen Ausbildung, mit Teamfähigkeit ausgestattet und geschult im Umgang mit dem Computer. Das waren die Voraussetzungen, fügt die Betriebsleiterin hinzu.

Dass alle drei aus der Gemeinde kommen, trifft sich ideal, war aber keine Absicht, so Petra Schorr-Stoklossa, die für Organisation und Akquise des Betriebs zuständig ist. Den drei Angestellten steht während ihres Sechs-Stunden-Arbeitstages von 8 bis 14 Uhr Udo Johänntgen zur Seite, der für Fragen der Produktions- und Betriebsanleitung zuständig ist. Mit Ruhe, Gewissenhaftigkeit und Konzentration gehen die drei jungen Mitarbeiter, zwei Frauen und ein Mann in den Zwanzigern, ans Werk. Sie legen Karteikarten ein, scannen und katalogisieren die Einträge am Bildschirm.

Als eine Alternative zur Behindertenwerkstatt, beschreibt Christian K., 20, seine Arbeit und ist froh, selbige hinter sich gelassen zu haben. Melanie S., 26, schätzt die Arbeit, auch wegen der Barrierefreiheit. Denn die fehlt, meint die Rollstuhlfahrerin, im Alltag noch immer. Eine Chance verbinde sich mit dieser Tätigkeit, bestätigt Sandra W., 23. Bleibt also noch genug zu tun. Es ist ein bisschen schade, dass wir die Einzigen sind, meint Bürgermeister König. Dabei wirkt er alles andere als betrübt über das von seiner Gemeinde geschaffene Angebot für Menschen mit Handicap. Schließlich geht man in Illingen in Sachen Integrationsbetrieb mit gutem Beispiel voran.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


arbeitnehmer - Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes
Homepage: https://www.arbeitskammer.de/publikationen/zeitschrift-arbei...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA2887


Informationsstand: 09.05.2007

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