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Bibliographische Angaben zur Publikation

Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation


Autor/in:

Landau, Kurt; Brauchler, Regina; Kiesel, Johannes [u. a.]


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

ASU protect, 2006, Heft 2, Seite 12-16, Stuttgart: Gentner


Jahr:

2006



Link(s):


Ganzen Text lesen (in: ASU protect 02/2006) (PDF | 23 MB)


Abstract:


Die Erhaltung der Erwerbsfähigkeit und berufliche Reintegrationsaufgaben werden durch den Gesetzgeber gleichwertig neben die medizinischen Ziele gestellt.

In dem Artikel wird das Konzept der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitationsmaßnahmen erläutert.

Ziel der klassischen Rehabilitation ist es, die Gesundheit des Patienten wieder herzustellen und durch geeignete Maßnahmen zu erhalten. Bei vielen Patienten werden jedoch schnell nach der Rückkehr ins Berufsleben Ermüdungserscheinungen oder erneute Überbelastungen deutlich, deren Ursachen häufig ungünstige Arbeitshaltungen oder psychische Belastungen sind. Aus diesem Grund bedarf es neben medizinischen Maßnahmen auch arbeitsplatz- und verhaltensergonomischer Maßnahmen, die durch berufsbezogene Trainingselemente ergänzt werden, um eine dauerhafte Wiedereingliederung zu erlangen.

Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitationsmaßnahmen (MBO) sollen durch eine an Beruf und Belastungsengpässen orientierte Diagnostik und Therapie die Erwerbsfähigkeit erhalten. Sie bestehen aus zwei Komponenten, der klassisch medizinischen Rehabilitation und der beruflich orientierten Rehabilitation.

Mittlerweile fast zehn Jahre Erfahrung mit der Umsetzung der MBO haben die Bavaria Kliniken in Freyung, Kreischa und Bad Kissing gesammelt. Im Folgenden wird über das MBO-Modell der Bavaria-Kliniken berichtet.

Die MBO erfordert eine Zusammenarbeit von Medizinern, Berufspädagogen und Physiotherapeuten, in den Rehabilitationsprozess werden zudem Mitarbeiter der Rehabilitationsträger und niedergelassene Ärzte eingebunden. Mit internen Ergonomie-Schulungen schaffen die Bavaria-Kliniken die Voraussetzung bei Medizinern, Patienten in der Arbeitsplatzgestaltung zu unterstützen.

Zur Erstellung eines Anforderungs- und Fähigkeitsprofil wird neben der Leistungsdiagnostik das Verfahren zur Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit EFL nach S. Isernhagen angewandt. Zunächst wird mit 29 standardisierten funktionellen Leistungstests die Belastbarkeit für häufige Arbeitsabläufe untersucht und nach Abschluss der dreitägigen Diagnostikphase die durchzuführenden Behandlungen und Trainingsprogramme festgelegt und angepasst.

Bereits am zweiten Tag des Klinikaufenthaltes beginnen parallel zur Diagnostikphase die medizinisch-beruflich orientierten Therapien und am dritten Tag beginnen sowohl der Standardtherapieplan als auch das MBO-Training. Zu den Therapiemaßnahmen gehört unter anderem die medizinische Trainingstherapie MTT zur Förderung der arbeitsplatzbezogenen körperlichen Leistungsfähigkeit.

Da viele Patienten neben den körperlichen Symptomen auch psychische Probleme haben, ist ein Konzept zur Stress- und Schmerzbewältigung erforderlich. Das angewandte multimodale psychologische Konzept enthält beispielsweise ein psychologisches Erstgespräch nach Eingangsdiagnostik und psychologische Gruppenarbeit für jeweils ausgewählte Patientengruppen.

Sind Leistungen zur Teilhabe indiziert, können Rehaträger bereits sieben Tage nach Antritt der MBO einen Zwischenbericht erhalten und sind somit handlungsfähig. Im Entlassungsbericht werden Leistungen sozialmedizinisch beurteilt.

In den Medizinischen Zentren für Arbeit und Beruf (MedZAB) der Bavaria Kliniken werden unter anderem berufsbezogene körperliche Funktionstests durchgeführt. Der Stand des Rehabilitationsverfahrens wird in regelmäßigen Team-Besprechungen geklärt und gemeinsam mit dem Patient das weitere Vorgehen besprochen. In Zusammenarbeit mit den Rehaträgern sollen in den MedZAB bestimmte berufsorientierte Ziele erfüllt werden, beispielsweise werden berufsbezogene Fähigkeiten und Einschränkungen mit den Patienten geklärt.

Das Basistraining, welches im Rahmen eines Belastungsaufbautrainings durchgeführt wird, ist in ein Grundlagen und Ausdauertraining sowie in die medizinische Trainingstherapie (MTT) gegliedert. Verfolgt werden mehrere Ziele wie die Verbesserung der arbeitsrelevanten Grundlagenausdauer und Gelenkmobilisation.

Sowohl tätigkeitsbezogen als auch handicapbezogen erfolgt das berufsspezifische Funktionstraining. Ziel des unter Anleitung eines Ergonomie-Trainers durchgeführten Trainings ist die Verringerung beziehungsweise Vermeidung von Überbeanspruchung an den Arbeitsplätzen.

Ein Modellarbeitsplatz, ergonomisch optimiert und mit den neuesten technischen Entwicklungen ausgestattet, dient der Simulation alter und neu erlernter Arbeitsabläufe. Mit den bislang entwickelten Arbeitsplätzen, die unter anderem einen Pflegearbeitsplatz und einen Montagearbeitsplatz umfassen, werden etwa 85 Prozent der mehr als 6000 Bavaria-MBO-Patienten abgedeckt.

An den Arbeitsplätzen werden Arbeitsplatz- und Verhaltensergonomie vermittelt und technische Gestaltungshilfen vorgeführt. Durch das Training am Modellarbeitsplatz soll der Betroffene auf nicht-ergonomische Handlungsabläufe aufmerksam gemacht werden und geeignete Bewegungsabläufe erlernen.

Bisher konnten kurzfristige Therapieerfolge für Defizite am Bewegungs- und Handlungsapparat in über 75 Prozent nachgewiesen werden. Die Daten aus der klinikinternen Befragung ergaben bei 68 Prozent sehr positive kurzfristige Rehabilitationserfolge für das Erreichen der Rehabilitationsziele. Die Patienten erkennen drei bis sechs Monate nach dem Heilverfahren eine subjektive Verbesserung. In der MBO-Klinik verlassen vor allem die arbeitsmotivierten Typ G-Patienten die Klinik. Diese haben gelernt, dass mit Training eine Leistungssteigerung zu erzielen ist. Eine Evaluationsstudie weist zwölf Monate nach dem Heilverfahren geringere Arbeitsunfähigkeitszeiten von MBO-Patienten aus.

Abschließend ist zusammenzufassen, dass die Rehaträger langfristig einen Rückgang von direkten Heilbehandlungskosten und indirekten Folgekosten verzeichnen können und die Arbeitgeber von der Reduktion von Fehlzeiten und Fluktuation als Folge von Arbeitsunfähigkeiten profitieren werden. Der muskuloskelettal bedingte Krankenstand kann nach Einführung von regelmäßigem Rücken- und Hebeschultraining für die Beschäftigten halbiert werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Magazin ASU protect
Homepage: https://www.asu-arbeitsmedizin.com/Archiv/ASUprotect/110577....

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA2821


Informationsstand: 17.06.2013

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