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Bibliographische Angaben zur Publikation

Behinderte Personalarbeit? Übersehene Potenziale einer Beschäftigung behinderter Mitarbeiter


Autor/in:

Wetzel, Ralf


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Personalwirtschaft, 1999, 26. Jahrgang (Heft 10), Neuwied: Luchterhand, ISSN: 0341-4698


Jahr:

1999



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Abstract:


Die Unterstützung der Integration von Menschen mit Behinderungen richtete sich bislang vornehmlich auf die Perspektive der zu unterstützenden Personen aus. Eine fundierte, über kurzfristige Unterstützung hinausgehende Berücksichtigung der betrieblichen Interessen fand bislang kaum statt.

Die Beurteilung der Integration aus betrieblicher Sicht fällt daher auch äußerst schlecht aus: Bedenken vor möglichen Problemen einer Beschäftigung behinderter Mitarbeiter überwiegen. Dennoch birgt Integration eine Reihe von unternehmerischen Potenzialen für die Personal- und Organisationsentwicklung.

Viele Bedenken können bei genauerer Analyse entkräftet oder zumindest abgeschwächt werden. Behinderte Mitarbeiter sind beispielsweise trotz eines restriktiven Arbeitsrechts nicht per se unkündbar, vielmehr ist die Zustimmung der Hauptfürsorgestelle zur Kündigung notwendig. Psychosoziale Betreuung kann zum Teil auch innerhalb des Betriebes von Externen (Psychosoziale Dienste, Integrationsfachdienste) wahrgenommen werden. Was bleibt ist die Skepsis.

Anreize zur Integration sollten bislang vor allem durch die Bereitstellung finanzieller Unterstützung und Wege einer technisch-ergonomisch orientierten Beratung geschaffen werden. Die beiden grundlegenden unternehmerischen Probleme in Form fehlender wirtschaftlicher Verwertungsmöglichkeiten sowie mangelnder Transparenz und Gestaltbarkeit des Integrationsprozesses konnten dadurch jedoch nicht beseitigt werden. Dabei birgt Integration durchaus einiges strategisches Potenzial und ist zumindest in einigen wesentlichen Bereichen durchaus beeinflussbar.

In vielen Fällen wird eine Anpassung der direkten und indirekten Arbeitsumgebung nötig, um behinderungsbedingte Handlungseinschränkungen auszugleichen. Der innerbetriebliche Umgang mit Stigmata sowie daraus resultierende Qualifikations- und Entlohnungsdifferenzen ist ebenfalls kein Alltagsgeschäft. Integration wirft folglich zunächst eine Reihe von Problemen auf und stellt für alle Beteiligten eine zusätzliche Belastung im Arbeitsablauf dar.

Aus der Bewältigung dieser Probleme und aus den dabei gewonnenen Erfahrungen heraus kann Integration jedoch auch für eine unternehmerische Sicht Potenziale eröffnen. Wird der Blick dabei vom einzelnen Arbeitsplatz auch auf dessen Einbindung in die sozialen sowie technischen Arbeitsabläufe und Organisationsstrukturen geweitet, können Schwachstellen sichtbar werden.

Die Frage 'Passt ein behinderter Mitarbeiter ins Unternehmen?' hat jedoch nicht nur eine strukturelle, sondern auch eine kulturelle Ebene. Oftmals wird durch eine Beschäftigung die Destabilisierung von unternehmenskulturellen Faktoren wie Klima, Motivation, Arbeitszufriedenheit sowie entsprechende Auswirkungen auf die Effizienz der Aufgabenerfüllung der übrigen Mitarbeiter befürchtet. Aus dem Blickwinkel der Unternehmungsführung kann dieser Aspekt mit der Frage verknüpft werden, ob das Unternehmen in der Lage ist, mit möglichen internen Konflikten umzugehen, und ob eine solche mentale Flexibilität für das Unternehmen von Vorteil sein kann.

Da eine erfolgreiche Integration kein statisches Ergebnis ist, sondern alltäglich neu hergestellt werden muss, wird nicht nur der Aufbau von Lösungsmustern per se, sondern auch deren prospektive Änderung trainiert. Vor diesem Hintergrund gewinnt Integration durchaus eine strategische Dimension: Setzt sich ein Unternehmen diesem Prozess bewusst aus, können dadurch eine Reihe von individuellen, kollektiven und organisationalen Fertigkeiten aufgebaut werden, die für die Bewältigung von Unsicherheit und Komplexität überaus hilfreich sind.

Integration kann also ein nicht unerhebliches Potenzial für die Unternehmensentwicklung bedeuten, indem die soziale Komplexität, mit der Unternehmen grundsätzlich konfrontiert sind, bewusst gemacht wird. Die Basis einer erfolgreichen Bewältigung liegt dabei in einem bewussten Umgang mit der vorhandenen Unterschiedlichkeit und dem Abbau nicht direkt behinderungsbezogener Handlungseinschränkungen.


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Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Zeitschrift Personalwirtschaft
Homepage: https://www.personalwirtschaft.de/produkte/die-personalwirts...

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Referenznummer:

R/ZA2431


Informationsstand: 01.03.2005

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