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Bibliographische Angaben zur Publikation

Lichtenberger Call Center zeigt neue berufliche Perspektiven


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Berliner Behindertenverband e.V. (bbv)


Quelle:

Berliner Behinderten-Zeitung, 2001, September, Berlin: Eigenverlag


Jahr:

2001



Abstract:


Lichtenberger Call Center zeigt neue berufliche Perspektiven
Erhöhte Betriebsamkeit im Call Center der Schmeink & Cofreth Bildungsgesellschaft mbH (SCB) am Morgen des 27. Juni in der Herzbergstraße. Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, kam in Begleitung des Präsidenten des Landesarbeitsamtes Berlin-Brandenburg, Klaus Clausnitzer, um sich vor Ort über eine neue Zukunfts-Chance für Behinderte zu informieren.

High-Tech-Arbeitsplätze für Behinderte
Bei einem Rundgang konnte Elsbeth Friederike Seyerle, Dozentin für Telekommunikation, den Gästen 12 Behindertenarbeitsplätze vorführen, deren Agenten unter anderem von ihr trainiert werden. Sie ist ebenfalls für die Akquise von Aufträgen zuständig.

Das im August 1999 gegründete Unternehmen hat sich auf Telefon-Marketing innerhalb der IT-Branche spezialisiert. In enger Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Unternehmensforschung und Unternehmensführung unter Leitung von Prof. Wolfgang Lassmann, konnte ein IT-Spezialistenteam mit exzellentem Branchenwissen aufgebaut werden. Technisches Herzstück des Call Centers ist eine Telekommunikationsanlage Alcatell 4400. Sie regelt die Daten- und Sprachkommunikation im internen und externen Telefonverkehr.

Mangel an qualifizierten Arbeitskräften
Durch die räumliche Erweiterung des Call Centers mit Fördermitteln des BMA bieten sich zurzeit Chancen für behinderte Menschen mit großem Interesse an einem High-Tech-Call-Center-Arbeitsplatz an. Derzeit wird mit Hilfe der Arbeitsämter in Berlin und Umgebung gezielt weiteres Personal gesucht. Der zukünftige Mitarbeiter muss einige Voraussetzungen mitbringen (unter anderem kommunikativ, freundlich, möglichst technische Kenntnisse). Gesucht wird auch ein Agent mit sehr guten EDV-Erfahrungen, der die technische Betreuung vertretungsweise übernehmen kann. Zwölf Mitarbeiter des Call Centers haben bereits einen zukunftssicheren Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt gefunden.

Ziel ist es, die Initiative der Bundesregierung zur Schaffung von 50.000 Arbeitsplätzen für Behinderte zu unterstützen.

Mehr Image für die Leistung von Behinderten
In einer Gesprächsrunde anschließend an die Führung wünschte sich der Vorsitzende des Betriebsrates, Jens Schuster, mehr Akzeptanz in der Wirtschaft sowie bei Behörden, dass sie mehr Mut zeigen, ihre Arbeit diesem Call Center mit seinen behinderten Menschen zu übertragen, weil diese quantitativ und qualitativ gleichwertig gute Arbeit leisten können. Hierzu bemerkte Herr Jagoda: 'Es ist nicht Ablehnung, weil hier Behinderte arbeiten, sondern die Leute können sich das nicht vorstellen ... Insofern hat dieses Call Center eine Vorbildfunktion', und ergänzt in Richtung der Presse, dass hierbei die Image-Werbung der Punkt sei.

Herr Jagoda erläuterte in diesem Zusammenhang im Laufe des Gesprächs die Schwierigkeit, in den Betrieben die Tür für die Einstellung eines Schwerbehinderten aufzubekommen: 'Wenn der Chef in einem Betrieb ein Betroffener ist, weil er selber oder in seinem Umfeld jemand behindert ist, sind die Türen offen. Wer keine persönlichen Erfahrungen mit Behinderung hat, ist oft verschlossen.' Hierbei zeige sich eine Frage der Kultur der Gesellschaft, die er schon an anderer Stelle erwähnt hatte: 'Wenn ein Behinderter und ein Nichtbehinderter aufeinander treffen, so ist der Nichtbehinderte behindert, weil er mit der jeweiligen Situation nicht umzugehen weiß.' Gegen Mechanismen und Vorurteile wie 'Ich werde den Schwerbehinderten nicht mehr los', müsse angekämpft werden.

Mangel an Arbeitsplatzangeboten
Herr Jagoda berichtete, dass in den Betrieben eine Umfrage gemacht wurde, wie sie mit den eingestellten Behinderten zufrieden seien. Man möchte sie nicht mehr missen. Aber eben erst einmal die Tür aufzubekommen sei sehr schwer. Hierbei haben Betriebsräte und Personalräte einiges zu tun. Sie müssen jede freiwerdende Stelle prüfen, ob diese für einen schwerbehinderten Mitarbeiter geeignet ist. Wenn jährlich genügend Stellen frei würden, wären Behinderte auf dem Arbeitsmarkt eine Mangelware.

Herr Jagoda betonte noch, dass die Qualifizierung von Behinderten nur das eine ist. Eine zweite Frage sei, wie man solche Projekte nach der Förderungs- beziehungsweise Modellphase im ersten Arbeitsmarkt dauerhaft unter Wettbewerbsbedingungen platzieren kann.

SCB hilft Behindertenarbeitsplätze zu schaffen
Hierbei ist das Call Center der SCB aktiv. Mit namhaften Unternehmen und kommunalen Einrichtungen wird über die Möglichkeit der Einrichtung einiger Behindertenarbeitsplätze verhandelt. In Zusammenarbeit mit den Interessenten erfolgen die Personalauswahl, die Schulung der zukünftigen Mitarbeiter im Call Center, sowie die Einführung der Mitarbeiter am neuen Arbeitsplatz. Ein konkretes Beispiel hierfür ist die Einrichtung eines Behindertenarbeitsplatzes im Institut für Fenstertechnik e.V. Rosenheim, worüber Herr Klement, kaufmännischer Leiter im Institut für Fenstertechnik e.V., in der Gesprächsrunde berichtete: 'Anfänglich war es bei uns auch so: Behinderte - ja - nein - wer weiß, sind sie überhaupt in der Lage, diese Aufgaben zu übernehmen? Dann hatten wir hier die Gelegenheit zu sehen, wie Behinderte arbeiten, waren eigentlich überrascht ... Wie schnell sich diese Menschen in die jeweilige Branche eingearbeitet haben, das sucht seinesgleichen ... Wir sind jetzt dabei, einen Behindertenarbeitsplatz zu schaffen.' Zwischenbemerkung von Herrn Jagoda: 'Hierzu bekommen sie Zuschüsse.' Herr Klement: 'Hierbei stoßen wir auf Bürokratie, aber wir hoffen doch, dass wir den behinderten Kollegen Anfang Juli einstellen können und denken, dass das eine Beispielwirkung innerhalb unserer Branche haben wird. '

Leistung und nicht den Behindertenaspekt in den Vordergrund
Herr Bösel, Projektleiter in der Planet AG, ergänzte in der Gesprächsrunde: 'Wir hatten Anfang des Jahres ein sehr schönes Projekt mit SCB. Wir haben uns nicht entschieden, weil hier Behinderte arbeiten, das wussten wir anfangs nicht, sondern weil wir gesehen haben, hier trifft man das spezielle IT-Know-how. Deswegen verstehe ich nicht ganz, warum man diesen Behindertenaspekt so nach vorne stellt. Ich habe den Eindruck, dass das teilweise eine negative Auswirkung haben kann ... Wenn ich hier durchlaufe, und da ist jemand im Rollstuhl, gut, ist das so ungewöhnlich? ... Es geht darum, diese Sache in eine Normalität zu überführen, in die Normalität eines wirtschaftlichen Prozesses.'

Frau Alpmann, Geschäftsführerin Initiative D21, in der zum größten Teil Wirtschaftsunternehmer Mitglied sind, bot an, gemeinsam zu überlegen, wie das Problem der gesteigerten Akzeptanz in der Wirtschaft positiv gefördert werden kann. Darauf Frau Seyerle: 'Sie haben gesehen, wir haben einen guten Konferenzraum. Bringen Sie die Leute her, damit helfen Sie uns am allermeisten - nach Möglichkeit Leute, die gutes Telefonmarketing brauchen.'

Dass hier gutes Telefonmarketing geleistet wird, beweisen unter anderem zahlreiche Kundenreferenzen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Berliner Behinderten-Zeitung
Homepage: http://berliner-behindertenzeitung.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA2430


Informationsstand: 01.03.2005

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