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Bibliographische Angaben zur Publikation

Schwere Hypoglykämien am Arbeitsplatz sind selten


Autor/in:

Lütke, Anja


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Praxis-Depesche, 2005, 19. Jahrgang (Heft 19), Seite 20, München: GFI - Der Medizin-Verlag, ISSN: 0948-8596


Jahr:

2005



Abstract:


Für viele Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen müssen, stellt der Gedanke an eine mögliche Hypoglykämie häufig ein Problem dar. Tatsächlich ist die Angst vor Unterzuckerungen einer der häufigsten Gründe für eine ungenügende Blutzuckereinstellung. Auch bei der Berufswahl ist die Hypoglykämie ein Thema: Zwar können Diabetiker ohne schwerwiegende andere Krankheiten oder Diabeteskomplikationen prinzipiell alle Berufe ausüben, allerdings sind einige Tätigkeiten aufgrund der Gefahr von Bewusstlosigkeit durch Unterzuckerung als problematisch einzustufen. Hierzu gehören zum Beispiel die berufliche Personenbeförderung (Taxi, Bus, Zug, Flugzeug), Tätigkeiten mit Waffengebrauch, Arbeiten mit Absturzgefahr (zum Beispiel Dachdecker, Hochbauarbeiter, Gerüstbauer), oder Tätigkeiten, bei denen die Planbarkeit des Tagesablaufs und der Stoffwechselkontrollen beeinträchtigt ist (zum Beispiel Wechselschicht oder Arbeiten bei Kälte- bzw. Hitzeexposition).

Eine Studiengruppe aus Großbritannien ist der Frage nachgegangen, wie häufig Unterzuckerungen am Arbeitsplatz bei Menschen, die Insulin spritzen, tatsächlich auftreten. Hierzu beobachteten Dr. Alastair M. Leckie und seine Kollegen vom Institut für Arbeitsmedizin in Edinburgh, Schottland, über 12 Monate insgesamt 243 Insulin behandelte Diabetiker. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer waren in den Bereichen Gesundheit, Finanzen oder Handel tätig. Ungefähr ein Drittel der Arbeitnehmer führte während der Arbeit regelmäßig Fahrtätigkeiten aus und 14 Prozent arbeiteten in größerer Höhe. Unter den 243 beobachteten Arbeitnehmern befanden sich 216 Personen mit einer Diabeteserkrankung vom Typ 1. Der jüngste Studienteilnehmer war 20, der älteste 69 Jahre alt. Für alle Personen wurde über ein Jahr lang genau dokumentiert, wann, wo und bei welcher Aktivität eine Unterzuckerung auftrat, welche Gegenmaßnahmen ergriffen wurden und ob es Folgeschäden gab.

Das Ergebnis: Insgesamt wurden 1.955 leichte Hypoglykämien (= das Bewusstsein ist noch vorhanden, der Betroffene kann das Problem selbst beheben) dokumentiert, das heißt etwa acht Hypoglykämie-Episoden pro Person und Jahr. Eine schwere Unterzuckerung (= Fremdhilfe nötig) trat 238 Mal auf. Dies entspricht umgerechnet noch nicht einmal einer schweren Hypoglykämie-Episode pro Arbeitnehmer und Jahr. Nur in 15 Prozent der Fälle trat die schwere Hypoglykämie am Arbeitsplatz auf, der Rest ereignete sich in der häuslichen Umgebung oder woanders. 14 Prozent der schweren Unterzuckerungen gingen mit einem vorübergehenden Verlust des Bewusstseins einher.

Die Untersuchungsergebnisse aus Großbritannien sind ein Plädoyer dafür, dass Menschen mit einem Insulin behandelten Diabetes prinzipiell in allen Berufen tätig sein können und nicht in permanenter Angst vor einer Unterzuckerung leben müssen. Tatsächlich scheinen schwere Hypoglykämien am Arbeitsplatz ein eher seltenes Ereignis zu sein. Dies setzt selbstverständlich eine gute Schulung und eine möglichst optimale Stoffwechselkontrolle voraus.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Praxis-Depesche
Homepage: https://www.gfi-online.de/praxis-depesche/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA1255


Informationsstand: 15.03.2016

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