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Bibliographische Angaben zur Publikation

Schwerbehinderte Fachkräfte, für die der Staat bezahlt


Autor/in:

Ulrich, Gerd


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Handwerk Magazin, 2000, Heft 11, Seite 58-59, Bad Wörishofen: Holzmann


Jahr:

2000



Abstract:


Sie sind motiviert, zuverlässig, leistungsorientiert - und durch neue technische Hilfsmittel können Schwerbehinderte meist genauso eingesetzt werden wie andere Mitarbeiter. Für Einstellung und Arbeitshilfen gibt es Fördermittel.

Meine Kollegen aus anderen Geschäften haben mir gesagt: Mach das bloß nicht! - da gibt es noch viele Vorurteile, beschreibt Augenoptikermeister Harald S. in Viersen-Süchteln (Niederrhein) die Reaktion auf die Anstellung seines schwerbehinderten Mitarbeiters Jaroslaw S., der die Folgen dieser Einstellung am eigenen Leib zu spüren bekam. Der hatte erst nach über 40 erfolglosen Bewerbungen vor zwei Jahren den Job bei der Firma Optik-Contaktlinse Schrey-Schadwald gefunden. Immer wieder war er wegen seiner Beinbehinderung, die er sich bei einem schweren Motorradunfall zugezogen hatte, abgelehnt worden.

In der Bilanz nach zwei Jahren bereut Harald Schrey seinen damaligen Schritt keineswegs. Für sein Geschäft hat es sich gelohnt, denn durch die Zuschüsse der Hauptfürsorgestelle konnte der Unternehmer einen neuen und hochmodernen Arbeitsplatz einrichten. Immerhin 50.000 Mark - 65 Prozent der Investitionskosten - wurden vom Staat übernommen.

Das Handwerk und die Hauptfürsorgestellen in Deutschland ziehen bei der Beschäftigung Behinderter schon seit Jahren an einem Strang: Wo immer es aufgrund von Struktur und Arbeitsweise möglich ist, arbeiten Behinderte und Nichtbehinderte partnerschaftlich im Handwerk zusammen, betont Dieter Philipp, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin. Da dies in anderen Wirtschaftszweigen offenbar anders ist und zurzeit über 190. 000 Schwerbehinderte auf Arbeitssuche sind, hat die Bundesregierung das Gesetz zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter auf den Weg gebracht. Es ist am 1. Oktober 2000 in Kraft getreten und bietet für Arbeitgeber Zuckerbrot und Peitsche.

Das Zuckerbrot sind die vielfältigen Fördermittel, die Arbeitgebern über das bisherige Maß hinaus auch in Sonderprogrammen der einzelnen Bundesländer gewährt werden. Die Peitsche sind die monatlichen Ausgleichsabgaben, wobei kleinere Betriebe bis zu einer Mitarbeiterzahl von 20 (vorher 16) ausgenommen sind und nichts zahlen:

Größere Betriebe müssen fünf (vorher sechs) Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten besetzen, sonst wird eine monatliche Ausgleichsabgabe fällig.

Sie beträgt:
- 200 DM, wenn die Beschäftigungsquote zwischen 3 und unter 5 Prozent liegt,
- 350 DM bei einer Beschäftigungsquote von 2 bis unter 3 Prozent,
- 500 DM bei einer Beschäftigungsquote unter 2 Prozent.

Diese gestaffelten Abgaben sollen aber nicht durchgängig erhoben werden. Für Betriebe bis zu 39 Arbeitsplätze werden 200 DM im Monat fällig, wenn sie weniger als einen Schwerbehinderten im Jahresdurchschnitt beschäftigen. Betriebe mit bis zu 59 Mitarbeitern zahlen 200 oder 350 DM, wenn sie weniger als zwei beziehungsweise einen Schwerbehinderten eingestellt haben.

Die gesenkte Pflichtquote soll nur dann bei 5 Prozent bleiben, wenn in den nächsten beiden Jahren bundesweit gelingt, 50.000 Schwerbehinderte in Arbeit zu bringen. Sonst geht es ab 1. Januar 2003 wieder hoch auf 6 Prozent.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Handwerk Magazin
Homepage: https://www.handwerk-magazin.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA1224


Informationsstand: 09.02.2001

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