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Bibliographische Angaben zur Publikation

Ophthalmologische und soziale Rehabilitation sehbehinderter Patienten

Eine retrospektive Analyse an der Tübinger Sehbehindertenambulanz von 1999 bis 2005



Autor/in:

Nguyen, N. X.; Weisman, M.; Trauzettel-Klosinski, Susanne


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Der Ophthalmologe, 2008, Band 105 (Heft 06), Seite 563-569, Berlin, Heidelberg: Springer, ISSN: 0941-293X (Print); 1433-0423 (Online)


Jahr:

2008



Abstract:


Hintergrund:

Neben der medizinischen Betreuung nimmt die ophthalmologische und soziale Rehabilitation von Sehbehinderten einen zunehmenden Stellenwert ein. Ziel unserer Arbeit ist die Evaluierung des aktuellen Spektrums der Erkrankungen und der entsprechenden Versorgung in einer Spezialambulanz für Sehbehinderte.

Methoden:

In einer retrospektiven Studie wurden die klinischen Daten von 4711 Patienten, die von 01/1999-12/2005 in der Sehbehindertenambulanz der Universitäts-Augenklinik Tübingen behandelt wurden, untersucht und ausgewertet. Zielgrößen waren Alter, ophthalmologische Diagnose, Vergrößerungsbedarf, die verordneten Hilfsmittel sowie die Einleitung von Maßnahmen der beruflichen und sozialen Rehabilitation. Zusätzlich wurde zur Beurteilung der Effektivität der Anpassung vergrößernder Sehhilfen das Leseverhalten anhand der Lesegeschwindigkeit vor und nach der optischen Versorgung bei einer Untergruppe von 930 Patienten untersucht.

Ergebnisse:

Eine altersbezogene Makuladegeneration war mit 40 Prozent die häufigste Erkrankung. Weitere Hauptdiagnosen waren tapetoretinale Dystrophien, Optikusatrophie und diabetische Retinopathie. Der durchschnittliche Vergrößerungsbedarf des besseren Auges war im Median 4fach. Es besteht eine hoch signifikante Korrelation zwischen gemessenem Vergrößerungsbedarf und dem Vergrößerungsfaktor der verordneten Hilfsmittel. Die visuelle Rehabilitation war häufig bereits mit optischen Hilfsmitteln möglich.

Der Anteil der verordneten Bildschirmlesegeräte war mit 26 Prozent relativ hoch, wobei 85 Prozent dieser Patienten mehr als 6fache Vergrößerung benötigten. Das monokulare Fernrohr war mit 12 Prozent das am häufigsten verordnete Hilfsmittel für die Ferne. Die Hälfte der Patienten benötigte zwei oder mehrere Hilfsmittel für verschiedene Einsatzbereiche. Bei 40 Prozent aller Patienten wurden neben der ophthalmologischen Rehabilitation zusätzlich spezielle Maßnahmen zur beruflichen und sozialen Rehabilitation eingeleitet. Bei 930 untersuchten Patienten betrug die Lesegeschwindigkeit durchschnittlich 35±50 Wörter/Minute vor und stieg signifikant auf 81±46 Wörter/Minute nach der Anpassung von vergrößernden Hilfsmitteln. Mit dem entsprechenden Hilfsmittel verbesserte sich die Lesegeschwindigkeit im Durchschnitt auf das Doppelte.

Schlussfolgerung:

Unsere Daten zeigen die Bedeutung des Rehabilitationsbedarfs und das Ausmaß des Erfolgs bei sehbehinderten Patienten. Es zeigte sich eine überproportional hohe Anzahl an Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration. Unabhängig von den ophthalmologischen Grunderkrankungen profitieren die Patienten in einer Sehbehindertenambulanz in hohem Maße von den eingeleiteten Rehabilitationsmaßnahmen, so dass sie an Lebensqualität wieder gewinnen können. Angesichts der stetigen Zunahme älterer Menschen mit Sehbehinderung sollte die Möglichkeit der ophthalmologischen Rehabilitation so früh wie möglich eingeleitet werden.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Spectrum of ophthalmologic and social rehabilitation at the Tübinger Low-Vision Clinic

A retrospective analysis for 1999-2005

Abstract:


Background:

In addition to medical care, the visual and social rehabilitation of low-vision patients is of increasing importance. The aim of our study was to evaluate the actual spectrum of patients concerning diagnoses and appropriate low-vision aids at a low-vision clinic.

Methods:

In a retrospective study, the medical records of 4,711 patients treated at our low-vision clinic from January 1999 to December 2005 were reviewed and analyzed. The main outcome measurements were age, ophthalmologic diagnoses, magnification requirement, and prescribed low-vision aids, as well as social and professional rehabilitation measures. To evaluate the efficiency of visual rehabilitation, reading speed was measured in a subgroup of 930 patients before and after administration of low-vision aids.

Results:

Age-related macular degeneration was, at 40%, the most frequent diagnosis. Other main diagnoses were tapetoretinal dystrophies, optic atrophy, and diabetic retinopathy. The median magnification need was 4×. A highly significant correlation existed between the measured magnification power and the magnification factor of the prescribed low-vision aids. Visual rehabilitation was frequently sufficient with simple optical low-vision aids such as high-plus reading additions and magnifiers. Closed-circuit television systems were necessary in 26%; however, 85% of these patients had a high magnification need of more than 6×. For distance vision, a monocular telescope was the low-vision aid prescribed most often. A high proportion of patients needed more than two low-vision aids for different application areas. Forty percent of patients needed special social and professional rehabilitation measures. In a subgroup of 930 patients, the mean reading speed was 35±50 words/min before the use of low-vision aids, which increased significantly to 81±46 words/min with the use of such aids. Therefore, the reading speed essentially doubled following the use of low-vision aids.

Conclusion:

Our results provide actual, quantitative data about the need for and success of rehabilitation for visually impaired patients. A large number of patients suffer from age-related macular degeneration. Independent from the causal ophthalmologic diagnoses, most patients benefited greatly from the rehabilitation measures provided by the low-vision service and were thus able to improve their quality of life. In the face of the increasing number of visually impaired elderly patients, rehabilitation should start as early as possible.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


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Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Der Ophthalmologe
Homepage: https://link.springer.com/journal/347

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Referenznummer:

R/ZA0389


Informationsstand: 10.12.2009

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